Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

26.01.2017

Wie Angst und Schrecken Jerichos Mauern zu Fall bringen Trump und die Trompeten

Der Mauerbau-Erlass von US-Präsident Donald Trump sorgt für Wut und Fassungslosigkeit in Mexiko - und auch weltweit. domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen kommentiert: Wo Angst und Schrecken Zuhause sind, ist kein gelobtes Land in Sicht.

Die Trompeten von Jericho hat selbst derjenige im Ohr, der nicht regelmäßig die Kirchbank drückt. Irgendwie weiß man auch noch, dass der Klang der Trompeten die Mauern zu Fall brachte. Ob Donald Trump, der doch seinen Amtseid auf zwei Bibeln gleichzeitig abgelegt hat, das Signal der Trompeten überhört hat?

Ich glaube schon, sonst hätte er bereits im Wahlkampf wie einst DDR Staatsratschef Ulbricht gelogen: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Aber bei Trump gilt: Der Mann hält, was er verspricht. Da mögen Experten bei 3.142 Kilometern Mauer zwischen Mexiko und den USA, die der US-Präsident jetzt angeordnet hat, auf den Unsinn und die Kosten von zig Milliarden verweisen… Trump will seinen Wahlkampfworten aber so schnell es geht Taten folgen lassen. Es wird genug Handlanger geben, die ihm selbst bei diesem Wahnsinnsprojekt helfen. Geld stinkt nicht. Mit Macht- und Mauerbauer Trump kann man gerade jetzt sehr schnell sehr viele Dollar verdienen. Nicht nur an der Börse, wo der Dow Jones gerade die 20.000 Punkte-Mauer übersprungen hat.

Vor gut 2.500 Jahren wurde die biblische Geschichte von Jericho aufgezeichnet. Jousa, der Nachfolger Mose, bringt nicht nur mit Gottes Hilfe die Mauern von Jericho zum Einsturz. Es war auch eine taktisch-psychologische Meisterleistung, die die Bewohner Jerichos in Angst und Schrecken versetzte. Josua hatte mit seinen Israeliten den Jordan überquert und tagelang die Stadt umlagert. Keiner wusste genau, was da vor den Stadtmauern los war – feindliche Spione waren längst auf dem Stadtgebiet … Als dann draußen vor den Mauern die Trompeten zum siebten Mal erklangen, kam noch das ohrenbetäubende Kriegsgebrüll der Israeliten dazu. Der Krieg war für Jericho verloren, bevor er richtig begonnen hatte.

Trump mag seine Mauer bauen und im heutigen Israel mag man auch wieder auf die Schutzmauer vertrauen, wir Deutschen wissen aber aus unserer leidvollen Geschichte, dass damit kein Staat zu machen ist. Wer sich einmauert, hat schon verloren. "Da draußen lauern Fremde! Ihnen ist nicht über den Weg zu trauen! Die Spione und Feinde sind schon mitten unter uns!" Wo aber Angst und Schrecken Zuhause sind, ist kein gelobtes Land in Sicht. Das war zu biblischen Zeiten nicht anders als heute.

(DR)

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