Archivbild: Demonstranten versuchen Parlamentsgebäude zu stürmen
Archivbild: Demonstranten versuchen Parlamentsgebäude zu stürmen

25.01.2017

Steinwürfe und Drohungen nach regierungskritischen Äußerungen Venezuelas Kirche im Visier der Sozialisten

Der Venezuela-Konflikt verschärft sich: Auf die Kathedrale in Caracas flogen Steine, die Außenministerin greift die Bischöfe öffentlich an und Regierungsabgeordnete bezeichnen Kirchenvertreter als Helfer des Terrorismus.

Für ihre symbolische Attacke suchten die Angreifer den Schutz der Dunkelheit: In der Nacht krachten Steine gegen die Fassade der Kathedrale von Caracas. Die Venezolanische Bischofskonferenz veröffentlichte am Wochenende Fotos von den Steinen, die auf dem Vorplatz des Kirchengebäudes zu sehen sind - verbunden mit dem Twitter-Hashtag #NoALaViolencia ("Nein zur Gewalt").

Weitaus schwerer als der überschaubare Sachschaden wiegt die Botschaft hinter der Attacke. Die katholische Kirche in Venezuela ist zu einer Art Staatsfeind geworden, seit sie sich vor einigen Tagen hinter das demonstrierende Volk und gegen die sozialistische Regierung von Nicolas Maduro gestellt hat.

Klare Worte beim Wallfahrtsfest

Außenministerin Delcy Rodriguez wirft der Kirche "destabilisierende" Aktionen vor. Sie solle sich stattdessen auf ihre spirituelle Aufgabe konzentrieren und nicht die "Reihen Gottes und des Papstes durchbrechen". Das jüngste Aufflammen des Streits zwischen Kirche und Regierung entzündete sich an bewegenden Appellen der Bischöfe.

Barquisimetos Erzbischof Antonio Jose Castillo ging mit der Regierung besonders hart ins Gericht: "Wir glauben nicht an den gescheiterten Sozialismus", sagte Castillo laut oppositionellen Medien bei einer Predigt am Rande eines Wallfahrtsfestes. "Das Volk hat Hunger, doch es gibt kein Essen."

"Man will mich zum Schweigen bringen"

Wenige Tage danach bekam Castillo Besuch vom Inlandsgeheimdienst Sebin. "Man will mich zum Schweigen bringen", kommentierte der Erzbischof die Visite anschließend gegenüber venezolanischen Journalisten. Die Vorfälle rund um Castillo sorgten in der Bevölkerung für Unruhe. Die Tageszeitung "El Diario de Lara" berichtet über Sympathiebekundungen und Demonstrationen für Castillo.

Auch Kardinal Jorge Urosa Savino, Erzbischof von Caracas, hatte die Pilgerfeierlichkeiten genutzt, um indirekt für einen Wandel im Land zu werben. Er hoffe, die Gebete der Venezolaner für eine friedliche Lösung der Probleme würden erhört. Und die kann, so sieht es die Bischofskonferenz, nur in einer Volksabstimmung liegen. Mit einem eindringlichen Appell wandten sich die Bischöfe an den umstrittenen Präsidenten. Es liege eine große Dunkelheit über dem Land, zudem gebe es eine Welle der Unterdrückung und der politischen Verfolgung. Das Volk rufe nach einem tiefgreifenden Wandel in der politischen Orientierung des Landes. Dafür sei eine Entscheidung des souveränen Volkes notwendig.

Kritik an den Bischöfen

All das ist offenbar zu viel für die Parlamentarier aus dem Lager der regierenden Sozialisten: Julio Chavez übt scharfe Kritik an den Bischöfen. "Wir bedauern diese Haltung in der Führungsebene der venezolanischen Kirche, weil Akteure der Bischofskonferenz das Spiel der Terroristen betreiben", sagte Chavez im staatlichen Fernsehen.

Als Terroristen bezeichnet der Politiker die Oppositionspartei Voluntad Popular, die wie die Kirche versuche, den vom Vatikan vermittelten Dialog zwischen Regierung und Opposition zu untergraben.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre liegt es nun am päpstlichen Nuntius Aldo Giordano, einen Ausweg zu finden. Er hoffe, dass in den nächsten Tagen ein Dokument vorgelegt werden könne, das als Basis für einen weiteren Dialog dienen solle. Die in Miami erscheinende Tageszeitung "El Nuevo Herald" will unterdessen erfahren haben, dass sich Teile der Opposition mit der Regierung von Präsident Maduro auf einen Kompromiss verständigen könnten. Der sehe vor, dass Maduro bis 2019 auch ohne Neuwahlen im Amt bleiben könnte, wenn die Regierung im Gegenzug zu weitreichenden Zugeständnissen bereit ist.

Tobias Käufer
(KNA)

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