Das Jerusalemer Patriarchat befindet sich in einer finanziell kritischen Situation.
Bischöfe blicken vom Ölberg auf Jerusalem
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann

17.01.2017

Bischof Ackermann zu Besuch im Heiligen Land "Vor dem Frieden steht die Versöhnung"

Bischöfe aus aller Welt sind zur Zeit im Heiligen Land. Ihr Ziel: Christen in Israel und den Palästinensergebieten stärken. Mit dabei ist der Trierer Bischof Ackermann. "Die Fronten verhärten sich", sagt er domradio.de 

domradio.de: Welche Begegnung hat sie bei dieser Reise bis jetzt am meisten beeindruckt? 

Bischof Ackermann (Vorsitzender der Kommission "Justitia und Pax"): Es gibt immer eine Bandbreite von Eindrücken. Aber ich will einen Eindruck nennen, der ein fester Punkt unserer Bischofstreffen in Israel ist. Immer wenn wir uns im Heiligen Land treffen, besuchen wir auch Gemeinden. Sonntags feiern wir mit ihnen zusammen die Eucharistie. Diesen Sonntag waren wir in Bethlehem in der melkitischen Gemeinde. Der Bischof von Basel und ich haben im melkitischen Ritus konzelebriert. Zu erleben, wie herzlich wir von dieser buntgemischten Gemeinde aufgenommen wurden, gemeinsam die Gemeinschaft des Glaubens erleben konnten und im Gespräch waren - das war wunderbar zu erleben. Und das trotz der Bedingungen, die hier herrschen.

domradio.de: Welche Bedingungen sind das? Sie haben sich im Vorfeld der Reise sehr besorgt gezeigt, dass immer mehr Christen das Heilige Land verlassen könnten. Was Sie jedoch gerade geschildert haben, klingt sehr positiv. Wie beobachten Sie die Situation der Christen im Heiligen Land insgesamt?

Bischof Ackermann: Diejenigen, die hier sind und die sich auch dafür entschieden haben, hier zu bleiben oder vielleicht auch mit dem Gedanken spielen, später wegzugehen, versuchen ihr Leben trotzdem zu gestalten. Insofern ist hier eine große Lebendigkeit zu spüren. Wir haben zum Beispiel Studenten von der Betlehem Universität getroffen. Das sind junge, robuste Leute. Aber wenn junge Leute gut ausgebildet sind - und dazu gehören die Christen, und es keine Zukunftsperspektive gibt, gehen viele weg. Das ist genau die Sorge der Bischöfe. Auf der einen Seite wandern immer mehr Menschen ab. Auf der anderen Seite erleben die Bischöfe und besonders der Patriarch von Jerusalem jedoch, dass durch Arbeitskräfte, die von anderen Staaten ins Land kommen, die Zahl der Christen wächst. Dadurch werden die Gemeinden hier bunter. Das ist gerade auch für die Seelsorge eine besondere Herausforderung.

domradio.de: In diesem Jahr jährt sich die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch die israelische Armee zum 50. Mal. Auch das ist ein zentrales Thema bei Ihrem Treffen. Um den israelischen Siedlungsbau hat es jüngst wieder Streit gegeben. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Bischof Ackermann: Wir haben immer gesagt - auch auf unseren Treffen in den zurückliegenden Jahren - , dass der Siedlungsbau widerrechtlich ist. Das ist überhaupt keine Frage. Das ist jetzt auch noch einmal durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekräftigt worden. Der Siedlungsbau ist natürlich ein massives Hemmnis, wenn es überhaupt darum geht, eine Perspektive zu entwickeln. Also zu sagen, die Zwei-Staaten-Lösung – das wäre eine Lösung, um zu einem friedlichen Zusammenleben zu kommen. Wenn jedoch der Siedlungsbau weiter voran schreitet, wird das Land immer weiter versiedelt. Eine solche Lösung rückt dann in immer weitere Ferne. Deshalb sind die Auswirkungen verheerend. Da gibt es nichts zu rütteln. Wir haben dazu immer klar Stellung bezogen.

domradio.de: Wie sieht es mit diesem Wunsch nach Frieden aus? Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsansprache den Friedenswunsch für alle Menschen im Heiligen Land bekräftigt. Für wie wahrscheinlich halten Sie das jetzt – auch angesichts des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trumps?

Bischof Ackermann: Die Frage ist immer, wie weit fasse ich den Begriff Frieden? Hier ist kein Kriegszustand. Christen werden auch im Heiligen Land nicht verfolgt, aber besonders die palästinensischen Christen leben unter massivsten Einschränkungen ihres alltäglichen Lebens. Es ist sehr viel Unversöhntes hier. Das wird uns auch immer wieder durch die Gesprächspartner deutlich. Das ist ein großer Unterschied zu den zurückliegenden Jahren. Die Fronten verhärten sich.

Man hat den Eindruck, dass die Gleichgültigkeit bei den Israelis stärker wird. Will man wirklich eine Lösung haben oder hat man sich eingerichtet, so zu leben? Bei den Palästinensern hingegen wird die Aggression größer und die Wut wächst. Dass Menschen überhaupt nicht miteinander sprechen wollen, dass junge Leute überhaupt kein Interesse haben  - weder Israelis noch Palästinenser - den jeweils anderen kennenzulernen, bereitet mir Sorgen. Insofern kann man nur sagen: Vor dem Frieden steht die Versöhnung. Das Kennenlernen gehört zu den Basisschritten, um Frieden zu erreichen. Deshalb kann man den Wunsch des Papstes nur bekräftigen. Man sieht hier, wie weit die Menschen - obwohl es kein Kriegszustand ist - , von wahrem Frieden entfernt sind.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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