Katholische Bischöfe besuchten im Januar Hebron
Katholische Bischöfe in Hebron

16.01.2017

Internationale Bischofsgruppe besucht geteilte Stadt Hebron Augenöffner im Mikrokosmos

Mit einem Besuch der geteilten Stadt Hebron hat eine internationale katholische Bischofsgruppe ihren Besuch im Heiligen Land fortgesetzt. Die Führung sei ein Augenöffner gewesen, insbesondere durch die sehr persönlichen Erfahrungsberichte.

Das sagte der Koordinator der Gruppe, Mark Madden, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Begleitet wurde der Besuch in Hebron von der israelischen Veteranenorganisation "Breaking the Silence", die sich seit 2004 kritisch mit Vorgehen der Armee gegen die Palästinenser auseinandersetzt.

Mikrokosmos Hebron

"Hebron ist kein Sonderfall, sondern ein Mikrokosmos, an dem sich das System der israelischen Besatzung anschaulich erklären lässt", sagte "Breaking the Silence"-Mitbegründer Jehuda Schaul bei einem Rundgang durch die von Israel kontrollierte H2-Zone der Stadt. Hebron habe sich durch eine israelische Politik zu einer Geisterstadt entwickelt.

Schaul rief die internationale Gemeinschaft auf, "den Preis der Besatzung zu erhöhen". Gleichzeitig gelte es, die Gerechten im Kampf gegen die Besatzung zu unterstützen und an der Grünen Linie für eine Zweistaatenlösung festzuhalten.

"Wir haben mit Hebron einen Ort besucht, an dem der israelisch-palästinensische Konflikt und die israelische Militärbesatzung besonders augenscheinlich werden", sagte der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann. Es sei - mit den Worten von Jehuda Schaul - ein "Ort der Wahrheit", an dem deutlich werde, dass es bei der Besatzung nicht nur um Israels berechtigte Sicherheitsinteressen gehe, sondern auch um den Anspruch zweier Völker auf Land.

Mutmachende Begegnungen

Zugleich, so Ackermann, mache die Begegnung mit Organisationen wie "Breaking the Silence" Mut, weil sich auch jüdische Israelis für ein Ende der Besatzung einsetzten - "zum Wohl der Palästinenser und Israels". Zu Beginn des Rundgangs war es zu Protesten einzelner israelischer Siedler gekommen. Sie warfen Schaul vor, ein falsches Bild zu zeichnen und Lügen zu verbreiten.

Am Nachmittag besuchte die Bischofsgruppe die palästinensisch-christliche Friedensinitiative "Zelt der Völker" südwestlich von Bethlehem. Sie kämpft seit 1991 gerichtlich gegen israelische Enteignungsversuche und Abrissbefehle.

Im Zentrum des bis Donnerstag dauernden 17. Internationalen Bischofstreffens im Heiligen Land steht die Lage in den palästinensischen Gebieten, deren Besetzung durch die israelische Armee sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt. An dem Treffen nehmen Delegationen aus Europa, den USA, Kanada und Südafrika teil.

(KNA)

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