Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun
Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun

13.01.2017

Hongkongs Kardinal Zen Ze-kiun wird 85 Jahre alt Der "einsame Rufer in der Wüste"

Der Ruhestand betrifft nur sein Amt - nicht aber seine kritische Stimme. Hongkongs Kardinal Zen Ze-kiun weiß selbst, dass er streitlustig ist, und das will er auch bleiben.

"In meinem Alter ist es schwierig, seinen Charakter noch zu ändern", sagt Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Am 13. Januar wird der emeritierte Bischof 85 Jahre alt. Seine feste Stimme, sein klarer Blick, die Energie, mit der er die Arme hochreißt, wenn er über die Annäherung zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime in Peking redet, die er für falsch hält, lassen nichts von seinem Alter erkennen. Nur manchmal sitzt er zusammengesunken am Tisch, die Schultern nach vorn gebeugt. "Ich weiß nicht, warum sie mir nicht glauben", sagt er dann, und es klingt ein bisschen fassungslos.

Seit der Vatikan vor ein paar Monaten Verhandlungen mit China aufgenommen hat, um nach Jahrzehnten des Schweigens wieder offiziell die Beziehungen aufzunehmen, hat sich der ehemalige Bischof von Hongkong wiederholt geäußert. Kritisch. Zwar räumt auch er ein, dass die Kirche zu Kompromissen bereit sein müsse. "Aber es gibt Grenzen. Wir können dem Regime in Peking nicht gefällig sein."

Flucht vor den Kommunisten

Zen kann für sich in Anspruch nehmen, das Land zu kennen, das er so kritisch sieht: Er wird am 13. Januar 1932 in Shanghai geboren. Seine Eltern sind als junge Erwachsene zum Katholizismus übergetreten. 1948 flieht Zen vor den chinesischen Kommunisten nach Hongkong. Der Vater wollte eigentlich selbst Priester werden. Später hofft er, dass sich einer seiner Söhne in den Dienst der Kirche stellt - trotz der Verfolgung, der Christen im kommunistischen China ausgesetzt sind. Zen schreckt das nicht ab. Er tritt zunächst in Hongkong dem Orden der Salesianer Don Boscos bei. 1961 wird er zum Priester geweiht.

Kurz darauf geht er nach Rom und Turin, um Theologie und Philosophie zu studieren. Zurück in Hongkong beginnt er seine Lehrtätigkeit, die bis heute andauert. Von 1989 bis 1996 erhält er sogar die Erlaubnis, an verschiedenen chinesischen Seminaren zu unterrichten. Auch in Shanghai lebt er zeitweise.

Kardinalsernennung ein politisches Zeichen von Benedikt XVI.?

2002 wird Zen von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Bischof der Sieben-Millionen-Einwohner-Metropole Hongkong ernannt. Längst ist er da als Kritiker Pekings bekannt. In den folgenden Jahren prangert er immer wieder die Verfolgung von Chinas Christen an und setzt sich für die Menschenrechte ein. Als ihn Benedikt XVI. im März 2006 zum Kardinal ernennt, sehen darin viele ein politisches Zeichen. Doch Zen wiegelte ab: "Ich glaube nicht, dass der Heilige Vater Politik im Kopf hatte, sondern dass er sich um das Wohl der Kirche und der Menschen in China kümmert. Er möchte eine chinesische Stimme haben, die wirklich sagen kann, was Sache ist."

Für den emeritierten Kardinal ist die Sache klar - damals wie heute: Die Chinesen "wollen alles - sie wollen eine Kapitulation". Seine Kritik, mehr noch, seine Furcht vor einer Annäherung beruht nicht zuletzt auf den Erfahrungen, die er während seiner Lehrtätigkeit in China gemacht hat. "Ich habe gesehen, wie die Priester behandelt werden, wie sie unterdrückt werden."

"Einsamer Rufer in der Wüste"

In China gibt es eine offizielle Staatskirche, die "Patriotische Vereinigung". Oberste Instanz ist die Regierung in Peking, nicht der Papst in Rom. Zen warnt, die Kirche dürfe sich nicht staatlich kontrollieren lassen. Wenn er solche Sätze sagt, spricht da kein Revolutionär. Doch manche werfen ihm genau das vor; sie meinen, er wolle katholische Geistliche in China gegen den Vatikan in Stellung bringen. Dabei scheint der schmächtige Mann mit dem grauen Haar tatsächlich nur zutiefst besorgt. Zen glaubt schlicht nicht, dass die Sache für den Vatikan ein gutes Ende nehmen wird - "weil Peking nicht zu Zugeständnissen bereit ist".

Während er das sagt, läuft er durch den Säulengang des Studienhauses der Salesianer in Hongkong. Das Gebäude, das 1931, kurz  vor seiner Geburt, erbaut wurde, ist sein Zuhause, seit er die Leitung des Bistums abgegeben hat. Er wohnt also wieder dort, wo er vor vielen Jahren als junger Mann seine Kirchenkarriere begann. Und von hier soll ihn die Welt weiter als "einsamen Rufer in der Wüste" hören.

Stefanie Ball
(KNA)

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