Der emeritierte Krakauer Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz
Der Krakau Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz.
WJT-Pilger auf dem Weg zum Gottesdienst
WJT-Pilger auf dem Weg zum Gottesdienst

08.12.2016

Krakauer Kardinal Dziwisz geht in den Ruhestand Papst nimmt Rücktrittsantrag an

Vor fünf Monaten feierten Hunderttausende den Weltjugendtag in Krakau. Dies war auch das letzte Großereignis für den gastgebenden Krakauer Erzbischof Stanislaw Kardinal Dziwisz. Der langjährige Papstsekretär tritt nun zurück.

Der Krakauer Erzbischof und Kardinal Stanislaw Dziwisz (77) geht in den Ruhestand. Nach mehr als elf Jahren im Amt überlässt der langjährige Sekretär von Papst Johannes Paul II. das Feld seinem Nachfolger, dem 67-Jährigen bisherigen Bischof von Lodz, Marek Jedraszewski. Das teilten die südpolnische Erzdiözese und der Vatikan am Donnerstag mit.

Die Altersgrenze von 75 erreichte der am 27. April 1939 in Raba Wyzna bei Krakau geborene Dziwisz bereits vor zwei Jahren. Wie im Kirchenrecht vorgesehen, bot er dem Papst damals seinen Rücktritt an. In der Regel belässt dieser die Leiter wichtiger Diözesen aber noch einige Zeit weiter im Amt. Und im Fall des Krakauer Erzbischofs sprach zudem ein zweiter gewichtiger Grund für den Verbleib: der für Sommer 2016 anberaumte Weltjugendtag (WJT).

Krönung seines Lebenswerkes

Der WJT in Krakau wurde nach der Heiligsprechung von Johannes Paul II. im Jahr 2014, die Dziwisz mit Nachdruck vorangetrieben hatte, in gewissem Sinne zur Krönung seines Lebenswerks. Dem Gastgeber gelang es, eine der großen Ideen seines Lehrmeisters Johannes Paul II., der das katholische Großereignis vor mehr als 30 Jahren erfunden hatte, in die neue Zeit und ins pluralistische Polen zu übertragen. An der Abschlussmesse mit Papst Franziskus nahmen laut Vatikanangaben rund

1,5 Millionen Menschen teil – anderen Schätzungen zufolge waren es sogar bis zu 2,5 Millionen. Die polnische Regierung und die Bischofskonferenz werteten das Glaubensfest als "großes historische Ereignis". Knapp fünf Monate danach tritt der Krakauer Erzbischof nun zurück.

Einfluss im Vatikan

Was es heißt, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, weiß Dziwisz vermutlich besser als viele andere. Er machte die Erfahrung bereits im April 2005 während seiner Zeit als päpstlicher Privatsekretär. Damals schloss sein Mentor und Dienstherr Johannes Paul II. nach langer Krankheit die Augen. Dziwisz bedeckte das Gesicht des toten Papstes mit einem Seidentuch – und verschwand anschließend selbst aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit.

Das (vorübergehende) Zurücktreten in die zweite Reihe war umso dramatischer, weil Dziwisz in den letzten Lebensjahren des polnischen Papstes einer der mächtigsten Männer im Vatikan war. Gemeinsam mit dem Glaubenspräfekten, Kardinal Joseph Ratzinger, und Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano bildete er das eingespielte Trio, dem der schwerkranke Papst weite Teile der Führung der Weltkirche anvertraute.

"Der Heilige Vater wünscht..."

Da Dziwisz ihm damals schon seit über 30 Jahren diente, konnte er ihm viele Gedanken von den Augen ablesen –  und von den am Ende fast sprachunfähig werdenden Lippen. Trotzdem war es manchen im Vatikan nicht ganz geheuer, wenn Dziwisz gegen Ende immer öfter mit dem Satz "Der Heilige Vater wünscht..." Dinge entschied und anordnete.

Für den treuen Diener war die Last am Ende unerträglich. Als Johannes Paul II. tot war, strahlte Dziwisz neben Trauer auch Erleichterung aus. Dazu trug sicher auch bei, dass der deutsche Nachfolger im Papstamt, Benedikt XVI., den langjährigen Privatsekretär seines Vorgängers schon sehr bald zum Erzbischof von Krakau ernannte und ihn zum Kardinal beförderte.

Kirchlicher Nachlassverwalter von Johannes Paul II.

In den Jahren nach dem Tod seines Meisters entwickelte sich Dziwisz zu einer Art kirchlichem Nachlassverwalter von Johannes Paul II. In dem Fenster, von dem aus Wojtyla als Kardinal und später als Papst immer wieder die katholische Jugend grüßte, steht bis heute ein großes Bild des Verstorbenen. Dziwisz kam jedoch nie in die Versuchung, ihm nacheifern zu wollen. Auch in der Polnischen Bischofskonferenz hat er, trotz des traditionell großen Gewichts des Krakauer Erzbischofssitzes, eine zwar sichtbare, aber keine dominante Rolle übernommen.

Ludwig Ring-Eifel und Inga Kilian
(KNA)

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