Vor Missbrauchskommission
Vor Missbrauchskommission

31.10.2016

Kommission hält Aussagen von Kardinal Pell für unglaubwürdig Rückschlag

Kurz nach seiner Befragung durch die australische Polizei in Rom muss Kardinal George Pell einen Rückschlag bei der Untersuchung seiner Rolle im australischen Missbrauchsskandal hinnehmen.

Die australische Missbrauchskommission hält Aussagen von Kardinal Pell und anderen Kirchenoffiziellen der Diözesen Melbourne und Ballarat für unglaubwürdig. Gail Furness, Anwältin der Missbrauchskommission, "glaubt den Aussagen einer Reihe von Zeugen aus Ballarat und Melbourne und nicht den von Kardinal Pell", hieß es in den am Montag veröffentlichten Dokumenten der Kommissions-Anhörung zu den Missbrauchsfällen in den Diözesen.

Pell habe in seiner Zeit als Priester und Erzbischof von dem "unangemessenen Verhalten von Klerikern gegenüber Kindern in den 1970er und 1980er Jahren" gewusst. Zudem seien Pell und andere hochrangige Offizielle in Melbourne Informationen über einen pädophilen Priester nicht nachgegangen und hätten somit bei dem Schutz von Kindern versagt.

Mehrfach vernommen

Kardinal Pell war seit dem Beginn der Arbeit der staatlichen Missbrauchskommission im Jahr 2013 mehrfach vernommen worden; zuletzt im vergangenen Februar über eine Videoschalte von Rom aus. In seinen Aussagen hatte Pell, ehemaliger Priester des Bistums Ballarat und Erzbischof von Melbourne, den Vorwurf der Vertuschung von Missbrauchsfällen energisch zurückgewiesen.

Der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats war vergangene Woche in Rom von australischen Polizeibeamten wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch befragt worden. Pell soll in seiner Zeit als Priester in Ballarat in den 1970er und 1980er Jahren selbst mehrere junge Männer sexuell belästigt haben.

Mangel an Beweisen

Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Pell waren auch schon früher aufgekommen. 2002 war Pell von einer Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne vom Missbrauchsvorwurf aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Ein Mann hatte Pell beschuldigt, ihn als Zwölfjährigen in einem katholischen Jugendlager sexuell missbraucht zu haben.

Die australische Kommission zur Untersuchung des Umgangs von weltlichen Institutionen, Kirchen und Religionsgemeinschaften mit Missbrauchsfällen war 2013 von der australischen Regierung eingesetzt worden. Der Abschlussbericht der Kommission wird für Dezember 2017 erwartet.

(KNA)

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