Müllhalde Gramacho am nördlichen Stadtrand von Rio de Janeiro
Müllhalde Gramacho am nördlichen Stadtrand von Rio de Janeiro
Missionarin mit Kindern im Sozialprojekt Amor que cura
Missionarin mit Kindern im Sozialprojekt Amor que cura

15.08.2016

Ordensleute organisieren Hilfsdienste für Menschen im Elend Etwas Hoffnung auf Rios Müllhalde

Wenige Kilometer von den Olympia-Wettkampfstätten entfernt leben hunderte Familien auf einer stillgelegten riesigen Müllkippe. Inmitten des sozialen und ökologischen Desasters sorgt ein Freiwilligenprojekt für Hoffnung.

Heute ist Daniele de Lima Marques großer Tag. Sie wird geschminkt, vom Arzt untersucht und ihre sieben Kinder bekommen neue Kleider. Fröhlich spielen die Kleinen mit den Freiwilligen des Projektes "Amor que cura" (dt. "Liebe, die heilt"). Für einen Augenblick vergisst die 35-Jährige die Alltagssorgen. Seitdem die Müllhalde "Jardim Gramacho" stillgelegt wurde, ist das Überleben hier schwierig geworden. Nur wenige Kilometer entfernt kämpfen derzeit Athleten in der Guanabara-Bucht und dem Olympiapark Deodoro um olympisches Gold.

Leben im Müll

Daniele bekommt davon nichts mit. In ihrer kleinen Holzhütte gibt es weder Fernsehen oder Radio noch Internet. Mit elf Jahren kam sie auf die damals größte Müllhalde Lateinamerikas - und hat sie seitdem nie wieder verlassen. "Man gewöhnt sich an das Leben im Müll."

Früher sei es besser gewesen. Bis zu 25 Euro pro Tag verdiente man in 12-Stunden-Schichten mit Getränkedosen, Alteisen und Plastik. Dann wurde Gramacho 2012 geschlossen, den stinkenden Schandfleck wollten die Regierenden unter einer begrünten Oberfläche verstecken. Jetzt muss Daniele auf den umliegenden Straßen Müll sammeln, "mehr als zehn Euro pro Tag sind nicht drin". Zu wenig für sieben Kinder.

Parcours mit Dienstleistungen

Da ist das Projekt "Amor que cura" mehr als willkommen. Einmal im Monat bauen die Ehrenamtlichen einen Parcours mit all den Dienstleistungen auf, die es hier sonst nicht gibt. Zahn- und Kinderärzte, Lehrer und Friseure bieten ehrenamtlich ihre Dienste an, dazu werden Altkleider und Lebensmittel verteilt.

Bruder Paulo Batista vom Franziskanerorden "Sao Francisco de Assis na Providencia de Deus" leitet das Projekt. "Die Idee ist, den Menschen hier Liebe zu bringen. Liebe kann man nicht kaufen, aber man kann sie stets weitergeben." Als er diesen Ort vor einem Jahr entdeckte, sei er erschrocken gewesen. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas überhaupt existiert."

Von einem Hügel aus bekommt man den Überblick: ein Meer aus Müll erstreckt sich bis zum Horizont. Menschen ziehen ameisengleich darüber. Dort arbeiten dürfen Daniele und ihre Nachbarn jedoch nicht. Eine bewaffnete Drogenbande organisiert die eigentlich stillgelegte Halde. Gegen Bezahlung kommt illegaler Müll aus Fabriken und Restaurants hier an, die noch brauchbaren Lebensmittel verkauft die Bande an die Bewohner.

Müllberg als tickende Öko-Zeitbombe

Der Müllberg ist eine tickende Öko-Zeitbombe, stetig sickert eine giftige Brühe in die Bucht. Dunkler Qualm liegt über der Siedlung. Die Bewohner verbrennen alles, was sie nicht brauchen. Lungenentzündungen bei den Kleinkindern seien an der Tagesordnung, sagt die ehrenamtlich tätige Ärztin Roberta Montana. "Ich bin hier, weil ich die sozialen Gegensätze meines Landes einfach nicht akzeptieren kann." Dass es in Rio Menschen gebe, die ohne Trinkwasser leben müssten, sei unerträglich.

Unterstützung von Adveniat

Kirchliches Engagement sei an diesem Ort verpflichtend, sagt Bernd Klaschka, Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, das das Franziskaner-Projekt unterstützt. "Hier wird das Evangelium gelebt. Diese Menschen sind unsere Nächsten, und Ihnen Liebe entgegenzubringen, ist unsere Aufgabe als Christen."

Besonders dann, wenn staatliche Unterstützung nicht greift. "Weder ich noch meine Kinder haben Ausweise oder Dokumente, Lesen und Schreiben kann ich auch nicht", sagt Daniele. Damit ist die Tür zu staatlichen Sozial- und Wohnungsbauprogrammen verschlossen. Aber sie will auch nichts von der Welt da draußen wissen. Sie mache ihr Angst.

Traum von einer Kloschüssel

Rio de Janeiro kennt sie nur als Silhouette am Horizont, Meer und Strand, nur wenige Kilometer entfernt, hat sie nie gesehen. Mit den Kindern einmal dorthin zu gehen, ist trotzdem einer ihrer Träume. Der andere ist eine Kloschüssel. "Meine Kinder haben noch nie auf einem Klo gesessen, wir benutzen Plastiksäcke." Man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, dass bessere Tage kommen, sagt Bruder Paulo.

Und niemals dürfe man die Arme verschränken und glauben, dass Veränderungen von alleine kämen. Demnächst will er hier einen fixen Gesundheitsposten aufbauen. "Ich glaube fest daran, dass der Aufbruch in eine bessere Zukunft bereits begonnen hat", so der unbeirrbare Franziskanerbruder.

Thomas Milz
(KNA)

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