Kontrovers diskutiert: Flüchtlinge in Polen
Kontrovers diskutiert: Flüchtlinge in Polen

23.07.2016

Papst und Polens Bischöfe in Flüchtlingsfrage einig Auf gemeinsamen Kurs

Wenige Tage vor dem Polen-Besuch von Papst Franziskus versucht der Vatikan offenbar dem Eindruck entgegenzuwirken, die dortige katholische Kirche folge in der Flüchtlingsfrage nicht seinem Kurs.

In einem ungewöhnlichen Schritt veröffentlichte das vatikanische Presseamt am Samstag eine Mitteilung über "Die Kirche in Polen und die Aufnahme von Flüchtlingen". Verfasser dieses als "Zusammenfassung" deklarierten Textes ist der Sprecher der Polnischen Bischofskonferenz, Pawel Rytel-Andrianik.

Kritiker werfen der katholischen Kirche in Polen vor, die restriktive Flüchtlingspolitik der Regierung von Beata Szydlo zu unterstützen und sich damit den Appellen des Papstes zu widersetzen. Franziskus reist vom 27. bis 31. Juli nach Polen. Anlass ist der 31. Weltjugendtag in Krakau.

Migration ist für viele Polen "neu"

In der vatikanischen Mitteilung äußert sich der Bischofskonferenz-Sprecher besorgt über Ressentiments gegen Flüchtlinge in Polen, wirbt jedoch zugleich um Verständnis für die Ängste seiner Landsleute. Für den durchschnittlichen Polen sei das Phänomen der Migration "neu, anders und fremd". Deshalb gebe es in der Bevölkerung "große Ängste", auch wenn Ausländer mit 0,4 Prozent nur einen geringen Anteil an der Bevölkerung ausmachten.

Unglücklicherweise würden solche Ängste von einigen politischen Parteien und unangemessenen Erklärungen von Politikern genährt, so die Mitteilung. Es gebe eine "künstlich geschürte Angst vor Muslimen", die jedoch angesichts der Terroranschläge verständlich sei. Ein flächendeckendes Programm, das die polnische Bevölkerung mit den Unterschieden in Religion, Kultur und Rasse vertraut mache, fehle derzeit.

Polnische Caritas kümmert sich um 3.000 Flüchtlinge

Franziskus wolle eine "Politik der Integration und nicht die eines Multikulturalismus, wie ihn linke Kreise wünschen", zitiert der Text den Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki. Die Mitteilung verweist darauf, dass der polnische Caritasverband derzeit 3.000 Flüchtlinge aus Afrika, Osteuropa und anderen Regionen versorge. Gadecki habe die Forderung, jede Gemeinde solle ein Flüchtlingsfamilie aufnehmen, bereits vor dem Papst erhoben.

 

(KNA)

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