Unter Druck: Kardinal Philippe Barbarin
Unter Druck: Kardinal Philippe Barbarin

10.06.2016

Aktuelle Entwicklungen im französischen Missbrauchsskandal Der Fall Barbarin

Seit Januar werden in Frankreich immer neue Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bekannt. Am Mittwoch wurde der Erzbischof von Lyon und Primas verhört.

Was ist passiert?

Dem Erzbischof von Lyon wird vorgeworfen, einen Priester nicht suspendiert zu haben, dem sexueller Missbrauch eines damals 16-Jährigen vorgeworfen wird. Der inzwischen 42 Jahre alte Kläger, als "Pierre" bezeichnet und heute ein ranghöherer Ministerialbeamter, wirft dem Pfarrer Jerome Billioud vor, 1990 bei einer Ferienfreizeit in Biarritz auf ihn masturbiert zu haben. Er sei lange Zeit traumatisiert gewesen und habe mit niemandem darüber sprechen können. Als er sich 2009 an die Justiz wandte, wurde die Klage wegen Verjährung fallengelassen.

Mit drei weiteren Personen wandte er sich Mitte Februar erneut an die Behörden und wird nun neu angehört; eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" gegen Barbarin wurde eingeleitet, sein Bischofssitz durchsucht. Der Kläger gibt an, im persönlichen Gespräch habe Barbarin ihm gegenüber eingeräumt, genau über den Fall Bescheid zu wissen. Dennoch habe er den Vorfall weder den Strafbehörden mitgeteilt noch den Priester aus der Seelsorge entfernt. Er suspendierte den Priester erst im August 2015. Barbarin führt an, er habe nicht gewusst, dass der Priester rückfällig geworden sei. Der Erzbischof betonte wiederholt, mit der Justiz kooperieren zu wollen. Im April erklärte er, es habe Fehler bei der Ernennung einiger Priester gegeben und entschuldigte sich bei den Opfern.

Wo steht das Ermittlungsverfahren?

Am Mittwoch ist Kardinal Barbarin zehn Stunden lang in Lyon verhört worden. Im Anschluss sagte sein Anwalt, Jean-Felix Luciani, dass Barbarin mit Zuversicht und Gelassenheit auf die Fragen der Staatsanwaltschaft geantwortet habe. Nun gebe es zwei Möglichkeiten:

Entweder werde das Verfahren ohne weitere Maßnahmen eingestellt oder ein Untersuchungsverfahren eröffnet. "Ich hoffe, dass der Fall eingestellt wird, da es keine Straftat war", sagte Luciani dem französischen Fernsehsender France 24.

Wie denkt Papst Franziskus darüber?

Papst Franziskus hat sich gegen einen Rücktritt des französischen Primas ausgesprochen. Dies wäre "unklug" und müsste wie ein Schuldeingeständnis ausgelegt werden, sagte er im Interview der französischen Zeitung "La Croix" im Mai. Stattdessen müsse man die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen abwarten. Nach seinen Erkenntnissen habe Barbarin die notwendigen Maßnahmen zur Aufklärung der Fälle ergriffen, so Franziskus.

Wie sein Vorgänger Benedikt XVI. betonte Franziskus, für die Kirche müsse eine Null-Toleranz-Grenze bei Missbrauch gelten. Ein Priester sei dazu bestimmt, zu Gott zu führen. Durch Missbrauch würden Kinder "zerstört" und "Groll und Schmerz verbreitet", so Franziskus. Ende Mai empfing Franziskus Barbarin zu einer Unterredung im Vatikan. Einzelheiten zu der Begegnung wurden nicht bekannt.

Welche Schritte hat die Französische Bischofskonferenz unternommen, um Missbrauchsfälle aufzuklären und zukünftig zu vermeiden?

Die Französische Bischofskonferenz hat im April die unabhängige "Kommission gegen Pädophilie" eingerichtet. Geleitet wird sie vom Nichtkleriker Alain Christnacht. Er war Mitglied der staatlichen Beobachtungsstelle für Laizismus in Frankreich und Kabinettsdirektor der Justizministerin Christiane Taubira. Die Expertenkommission, bestehend aus Medizinern, Akademikern, Eltern und Psychologen, soll die Fälle analysieren. "Wir müssen eine Stellungnahme zu den Tatsachen und Persönlichkeiten ausarbeiten, ohne dabei Untersuchungsrichter, Psychologen oder Psychiater zu sein", so Christnacht.

Zudem sollen für Missbrauchsopfer Kontaktstellen auf diözesaner Ebene eingerichtet werden. Mitarbeiter im pastoralen Dienst sollten bereits in der Ausbildung über das Thema Pädophilie informiert werden.

Franziska Broich
(KNA)

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