Wallfahrtsort Lourdes
Wallfahrtsort Lourdes
Bischof Overbeck während der Soldatenwallfahrt
Bischof Overbeck während der Soldatenwallfahrt

23.05.2016

Soldaten aus aller Welt pilgern zusammen nach Lourdes "Gänsehaut in einer Tour"

"SEINE Tür steht immer offen" lautete das Motto der diesjährigen 58. Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes. Rund 15.000 Soldaten aus 40 Nationen haben teilgenommen, davon 750 aus Deutschland.

Ob per Zug, per Flugzeug oder mit dem Fahrrad - jährlich pilgern tausende Menschen in den Wallfahrtsort Lourdes. Es ist der Ort der Kranken, der Behinderten, der Alten - sie haben stets Vorrang. Das zeigt auch der markierte Rollstuhl-Weg auf der Straße.

Wer allerdings an gewissen Tagen im Mai den Ort nahe der spanischen Grenze besucht, der lernt ein anderes Lourdes kennen. Rund 15.000 Soldaten aus aller Welt sind der Einladung des französischen Militärbischofs Luc Ravel gefolgt und unterhalten die Pilger mit ihren farbigen Uniformen und Blasmusik bis spät in die Nacht. 

Overbeck: Solidaritätsauftrag der Christen

Es sind die Tage der Jugend, des Feierns und der Begegnung. Neben Gesang und Paraden wird die Soldatenwallfahrt aber nicht nur ihrem unterhaltsamen, sondern auch ihrem spirituellen und geistigen Anspruch gerecht. Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck erinnerte angesichts der Flüchtlingsströme mehrfach an den Solidaritätsauftrag von Christen. Die Tür offenhalten für Gott und den Mitmenschen - dieses Motto zieht sich durch die drei Tage.

So mancher fährt auf seiner Reise Richtung "Heiligem Bezirk", in dem der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous vor mehr als 150 Jahren in der Grotte von Massabielle die Gottesmutter erschienen sein soll, zunächst einmal durch die Stadt Lourdes. Der südfranzösische Ort birgt auf den ersten Blick nichts Besonderes. Mc Donald's, Cafes und ein paar Geschäfte - das war's.

Dann aber geht es weiter in das Tal hinein. Plötzlich taucht ein Souvenirladen nach dem anderen auf. Hier gibt es Rosenkränze, Madonnenstatuen und Kreuze in Fülle. Aus der Ferne betrachtet wirken die kitschigen Andenken, der Lärm auf den Straßen, die Abwechslung von Autos, marschierenden und musizierenden Soldaten fast schon abschreckend. Tritt man aber ein in den Heiligen Bezirk, hört das Durcheinander auf. An seine Stelle treten Glaube und Hoffnung. Gar nicht selten trifft man auf ins Gebet versunkene Soldaten.

Ort des Gebetes für alle

Egal aus welcher Nation, egal ob krank oder gesund, gläubig oder nicht - ein jeder kommt mit seinem ganz persönlichen Anliegen vor die Grotte. Plötzlich tritt die Musik des Dudelsacks in weite Ferne. Für wenige Momente breitet sich Stille aus.

"Was immer auch Gläubige oder Nicht-Gläubige von den Erscheinungen der Unbefleckten Empfängnis vor Bernadette Soubirous halten, ist das hier ein Ort des Gebetes - und zwar für alle", betont auch Bischof Overbeck während der Soldatenwallfahrt. Die besondere Atmosphäre in Lourdes bewege zunehmend Menschen, die nicht religiös sozialisiert sind. So hätten ihm Soldatinnen erzählt, dass sie nach ein paar Wallfahrten zum Glauben gefunden hätten.

Mischung aus Spiritualität und Feiern

Von ständigen Wechseln ist die Zeit der Streitkräfte in Lourdes gekennzeichnet: ein Wechsel von geordnetem Chaos in eine chaotische Ordnung. Denn irgendwie scheint doch immer alles zu funktionieren. Messen, Lichterprozessionen, Sakramentsprozessionen - alles verläuft ohne Unterbrechungen. Es ist eine beeindruckende Mischung aus Spiritualität und nächtlichem Feiern in den Bars der Stadt, aus Stille und Trubel und vor allem aus verschiedenen Sprachen - für kaum jemanden ein Hindernis. Denn es geht besonders um das Miteinander. 

Davon ist auch die Soldatin Malin Varnhorn überzeugt. Sie ist Obergefreite, außer zu Weihnachten und Ostern hat sie eigentlich nicht viel mit Kirche zu tun. Trotzdem hat sie sich sehr schnell für ihre erste Lourdes-Reise entschieden. "Als ich Lourdes gehört habe, war mir klar: Da will ich definitiv hin. Jetzt bin ich hier, und ich bin einfach überwältigt. Gänsehaut in einer Tour, das hat gar nicht mehr aufgehört", erzählt sie begeistert. Besonders beeindruckt habe sie, wie viel Spaß die Menschen an einem solchen Ort haben könnten. Für sie steht fest: "Nächstes Jahr bin ich definitiv wieder mit dabei."

Melanie Pies
(KNA)

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