Die armenische St.-Giragos-Kirche in Diyarbakir
Die armenische St.-Giragos-Kirche in Diyarbakir

Die St.-Giragos-Kathedrale wurde 1371 gebaut und ist die größte armenische Kirche des Nahen Ostens. Sie wurde im Zuge des Völkermords an den Armeniern teilweise zerstört, nach der Wiedererrichtung 2011 wieder geweiht und 2016 erneut zerstört.

29.03.2016

Türkei verstaatlicht Kirchen in Diyarbakir Keine Kirche mehr zum Gottesdienst geöffnet

Die türkische Regierung hat alle Kirchen in der historischen Altstadt von Diyarbakir in Südostanatolien verstaatlicht. Wie die armenische Wochenzeitung "Agos" berichtet, wurde diese Entscheidung vom Kabinett verabschiedet.

Verstaatlicht werden demnach die armenische Surp-Giragos-Kirche, bei der es sich um eine der größten Kirchen im Nahen Osten handelt, sowie je eine protestantische, chaldäische, syrisch-orthodoxe und armenisch-katholische Kirche. Damit ist in der mesopotamischen Metropole, die auf eine lange christliche Tradition zurückblickt, nun keine einzige Kirche mehr zum Gottesdienst geöffnet.

6.300 Grundstücke betroffen

Dem Staatsanzeiger zufolge sind von der Verstaatlichung im Eilverfahren außer den Kirchen auch 6.300 weitere Grundstücke in der Altstadt betroffen, die nach monatelangen Kämpfen zwischen kurdischen Rebellen und türkischen Sicherheitskräften schwer zerstört ist. Unter den eingezogenen Bauten sind demnach auch Hotels und Kulturdenkmäler.

Der Direktor des staatlichen Stiftungsamtes, Adnan Ertem, sagte "Agos", die Verstaatlichung diene dem Schutz und dem Erhalt der historischen Bauten. Der Schritt sei notwendig gewesen, um der planlosen Bebauung der Altstadt Einhalt zu gebieten und die Schwarzbauten abzureißen. "Seien Sie sicher, wir wollen die historischen Bauwerke nur schützen", sagte Ertem der Zeitung.

Regierung: Diyarbakir "so schön wie Toledo"

Die türkische Regierung hatte kürzlich angekündigt, die von Kämpfen verwüstete Altstadt von Diyarbakir komplett neu aufbauen und restaurieren zu wollen. Diyarbakir werde "so schön wie Toledo", hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu angekündigt. Derzeit wird in Diyarbakir allerdings immer noch gekämpft.

Weil die christlichen Gemeinden und Kirchen in der Türkei keinen geregelten Rechtsstatus haben, waren die betroffenen Kirchen bisher überwiegend im Besitz von zweckgebundenen Stiftungen. Die Leiterin des Kulturamtes der Stadt Diyarbakir, Nevin Solukaya, rief die Stiftungen auf, Rechtsmittel gegen die Verstaatlichung einzulegen.

(KNA)

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