Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel
Nach Brandanschlag auf die Dormitio-Abtei
Die Dormitio-Abtei nach dem Brandanschlag

18.03.2016

Kollekte am Palmsonntag geht ins Heilige Land Pater Nikodemus Schnabel: "Wir wollen eine Oase sein"

Die Kollekte am Palmsonntag ist bestimmt für die Christen im Heiligen Land. Und dieses Geld wird dringend gebraucht, sagt Benediktiner-Pater Nikodemus Schnabel aus der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Ein Interview zur Situation der Christen im Nahen Osten.

domradio.de: Christen sind ja im Heiligen Land immer wieder Anfeindungen ausgesetzt; ob umgeworfene Grabsteine, Graffitis - auch an Ihren Klostermauern - Brandstiftung. Wie ist die Situation für Sie?

Pater Nikodemus Schnabel: Das ist ein Phänomen, das man nicht verleugnen kann. Als Christ im Heiligen Land gibt es tatsächlich Anfeindungen. Christen sind hier eben nur eine Zwei-Prozent-Minderheit, fühlen sich oft von beiden Seiten angefeindet - einerseits von der großen jüdischen Mehrheitsgesellschaft, andererseits von der großen muslimischen Mehrheitsgesellschaft -, fühlen sich zwischen allen Stühlen. Unser Kloster Tabgha am See Genezareth ist ja im Sommer durch Brandstiftung stark zerstört worden, mit 1,6 Millionen Euro Schaden. Verantwortlich ist eben eine sehr, sehr kleine Gruppe innerhalb des nationalreligiösen jüdischen Sektors, man kann sagen, so etwas wie jüdische Rechtsradikale. Wie gesagt, das ist ein Phänomen. Es gibt aber auch - muss man immer wieder sagen - eine große Mehrheit von Menschen innerhalb der Muslime und Juden, die uns wirklich unterstützen und sich solidarisch zeigen. Man hört auch immer öfter den Satz: 'Ein Jerusalem ohne Mönche ist nicht mehr mein Jerusalem.' Und das gibt schon auch wieder Mut. 

domradio.de: Trotzdem macht es natürlich großen Sinn, auch die Christen dort zu unterstützen. Wenn jetzt an Palmsonntag der Klingelbeutel durch die Reihen geht - wo genau geht dieses Geld denn hin?

Schnabel: Die eine Hälfte bekommt der Deutsche Verein vom Heiligen Land. Das sind alle deutschen katholischen Einrichtungen - zu denen gehören wir auch. Ganz konkret wird auch ein Teil zum Wiederaufbau von Tabgha verwendet, das ja niedergebrannt ist. Unterstützt wird aber auch die Schmidt-Schule oder ein Altenheim in der Westbank. Der andere Teil geht an das Kommissariat der Franziskaner, also an alle Projekte, die die Franziskaner hier haben. Wichtig zu wissen ist bei allen Projekten: 'Heiliges Land' meint nie nur Israel und Palästina, sondern auch Jordanien, Syrien und zum Teil auch Libanon. Das heißt, es geht auch über Jerusalem hinaus. 

domradio.de: Wenn Sie Jordanien ansprechen: Das Thema Flüchtlingsarbeit ist wahrscheinlich auch ein großes Thema, oder? 

Schnabel: Ja, ein Riesenthema. Darauf haben auch beide Einrichtungen - sowohl der DVHL als auch die Franziskaner - einen Schwerpunkt gesetzt und zwar auf beide Arten von Flüchtlingen. Die einen Flüchtlinge, die immer sehr stark in den Medien sind, aus Syrien oder dem Irak. Flüchtende, von denen 1,5 Millionen in Jordanien leben. Es geht darum, diese Flüchtlinge zu unterstützen, etwa mit Schulen, Nahrungsmitteln oder Medikamenten - mit allem, was diese Menschen brauchen. Aber es gibt eben auch die etwas unbekannteren Flüchtlinge; hebräisch-sprechende Christen, die über den Sinai aus Äthiopien und Eritrea geflohen sind und jetzt im Süden von Tel Aviv leben. Auch diese Menschen brauchen Hilfe. Auch sie werden unterstützt. 

domradio.de: Wie ist es ganz persönlich für Sie, um diese Unterstützung aus Deutschland zu wissen? Hilft Ihnen das weiterhin, dort der Fels in der Brandung zu sein?

Schnabel: Fels in der Brandung, das klingt immer so wie eine Abwehrhaltung. Wir wollen eher eine Oase sein, um die es keine Mauern gibt, wo jeder Mensch herzlich willkommen ist, egal ob Christ, Muslim oder Atheist. Natürlich hilft die Unterstützung sehr, denn das Leben hier ist nicht so einfach. Eigentlich leben wir hier sehr stark vom Pilger- und Tourismusbetrieb. Nur ist der ohne Ende eingebrochen. Das heißt, es kommen kaum noch Pilger. Und das ist unsere große Problematik. Wir haben ja auch Angestellte, wir haben Menschen, für die wir Verantwortung haben, wo Familien dranhängen. Die können wir jetzt nicht einfach entlassen und sagen: 'Wir brauchen Dich nicht mehr, geh heim.' Wir haben ja auch eine soziale Verantwortung. Und darum muss man wirklich sagen, momentan können wir wirklich jeden Cent gut gebrauchen. Denn finanziell sind wir gerade alle nicht auf Rosen gebettet und das trifft alle Christen im Heiligen Land. Deshalb ermutige ich auch alle Pilger, zu kommen. Bitte kommen Sie! 

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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