Ministerpräsident Manuel Valls übt Druck...
Ministerpräsident Manuel Valls übt Druck...
...auf Kardinal Philippe Barbarin aus
...auf Kardinal Philippe Barbarin aus

15.03.2016

Druck auf Kardinal Barbarin wächst Frankreichs Primas in der Ecke

Von einem "'Spotlight' auf Französisch" spricht der Pariser "Figaro", in Anspielung auf den jüngst prämierten US-Missbrauchsfilm. Im Scheinwerferlicht: der Kardinal von Lyon. Der bittet um Sachlichkeit - wohl vergeblich.

Die mediale Maschinerie ist angerollt. Da ist es wohl vergebens, wenn Frankreichs Primas Kardinal Philippe Barbarin bittet, man möge die Untersuchungsbehörden "in Ruhe ihre Arbeit tun lassen" seine Rechte, seine Ehre und die Unschuldsvermutung wahren. Er habe immer auf der Seite der Opfer gestanden. Der Druck wächst, und der Vorwurf der Missbrauchsvertuschung steht weiter im Raum. Am Dienstag hat sich nun - ungewöhnlich genug - Ministerpräsident Manuel Valls zu Wort gemeldet, um noch eine Schippe draufzulegen.

Valls fordert, Verantwortung zu übernehmen

Unerwartet deutlich sagte Valls dem Radiosender RMC: "Es braucht jetzt Taten, Gesten - und dass der Primas Verantwortung übernimmt." Er sei zwar kein Richter, so der Regierungschef, "aber ein Mann der Kirche, ein Kardinal, Primas von Frankreich, der einen moralischen und intellektuellen Einfluss hat und eine hohe Verantwortung in unserer Gesellschaft trägt, muss den Schmerz der Opfer verstehen". Er müsse nun "Verantwortung übernehmen; er muss sprechen und handeln".

Worum geht es? Dem Erzbischof von Lyon wird vorgeworfen, einen Priester nicht suspendiert zu haben, dem sexueller Missbrauch eines damals 16-Jährigen vorgeworfen wird. Die Details sind unappetitlich: Der inzwischen 42-jährige Kläger, als Pierre bezeichnet und heute ein ranghöherer Ministerialbeamter, wirft dem Pfarrer Jerome Billioud vor, 1990 bei einer Ferienfreizeit in Biarritz auf ihn masturbiert zu haben. Er sei lange Zeit traumatisiert gewesen und habe mit niemandem darüber sprechen können. Als er sich 2009 an die Justiz wandte, wurde die Klage wegen Verjährung fallengelassen.

Dabei ist der Geistliche bei den Behörden kein Unbekannter. Zu Beginn der 2000er Jahre wurde er zu einem Monat Haft auf Bewährung wegen Exhibitionismus in betrunkenem Zustand verurteilt. Anfang 2011 machte er Schlagzeilen, als er gemeinsam mit der rechtsmonarchistischen Action Francaise einen Gedenkgottesdienst an die Hinrichtung König Ludwigs XVI. auf der Guillotine feierte. Der Zeitung "Figaro" sagte Billioud, er könne sich nicht mehr an die Nacht in Biarritz erinnern. Man möge sich mit Nachfragen an Kardinal Barbarin wenden.

Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens"

Das hat der Kläger bereits getan. Mitte Februar wandte er sich erneut an die Behörden. Und er wird nun neu angehört; eine Voruntersuchung wegen "Nichtanzeige eines Verbrechens" gegen Barbarin wurde eingeleitet. "Pierre" gibt an, im persönlichen Gespräch habe der Kardinal 2009 freimütig eingeräumt, genau über den Fall Bescheid zu wissen und die Fakten anzuerkennen, was Billioud angehe.

Er sei fassungslos gewesen, so der Kläger, dass Barbarin den Vorfall dennoch weder den Strafbehörden mitgeteilt noch Billioud aus der Seelsorge und aus der Nähe zu Kindern entfernt habe. "Der Kardinal wollte die Sache unter den Teppich kehren - aber jetzt fliegt sie ihm um die Ohren." Er selbst könne die Vorfälle von 1990 und 2009 nicht vergessen, sagt "Pierre" - und kein Vertrauen mehr zur Kirche fassen. Seine beiden Kinder, sechs und acht Jahre alt, seien nicht getauft, und er wolle sie auch nicht zu den Pfadfindern lassen.

Schatten über Vollversammlung der französischen Bischofskonferenz

Es sind diese Geschichten, die die Kirche seit der Jahrhundertwende immer wieder nachhaltig und global Vertrauen kosten. Die hochkochenden Vorwürfe gegen Frankreichs Primas dürften auch die an diesem Dienstag begonnene Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Lourdes prägen.

Der Vorsitzende, Erzbischof Georges Pontier von Marseille, hat den Lyoner Erzbischof noch am Wochenende in einem Interview verteidigt. Er wisse, dass Barbarin in seinen Diözesen Moulins (1998-2002) und Lyon streng gegen Missbrauchsfälle eingeschritten sei. Auf der Seite der Opfer zu stehen, müsse auch der Kurs der Kirche in Frankreich bleiben.

Bislang hat der 65-jährige Barbarin einen möglichen Rücktritt ausgeschlossen. Allerdings war Frankreich bisher von einer regelrechten Missbrauchswelle wie in Irland, den USA, Belgien, Österreich oder Deutschland verschont geblieben. Diese Wellen wiesen gewisse Gesetzmäßigkeiten auf. Der Ministerpräsident des laizistischen Frankreich hat am Dienstag ein Fass aufgemacht.

Alexander Brüggemann
(KNA)

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Ab Montag, 16. September wieder jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 16.09.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Nachhaltig: Das Repair-Café der Gemeinde St. Johannes in Lohmar
  • Sexualität im Alter - Zu Unrecht ein Tabu
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Waldbrände: Die aktuelle Lage in Bolivien
  • Kita-Kinder setzen sich für fairen Handel ein
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Waldbrände: Die aktuelle Lage in Bolivien
  • Kita-Kinder setzen sich für fairen Handel ein
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff