Katholikinnen in Kuba
Katholikinnen in Kuba

04.03.2016

Weltgebetstag nimmt Alltag der Frauen auf Kuba in den Blick Abseits der offiziellen Propaganda

Auf dem Papier herrscht Gleichberechtigung, doch kubanische Frauen sehen sich weiter in der schwächeren Rolle. Ihre Erlebnisse und ihre Sorgen, aber auch ihre Hoffnungen in einem Kuba im Aufbruch stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Weltgebetstags.

Sie singt über die Schönheit der kubanischen Frauen, ihren Stolz, aber auch über den alltäglichen Rassismus und die Diskriminierung. Auf der Bühne versprüht Magia López eine ganz besondere Kraft. Ihre Texte sind voll zarter Poesie, doch der Rhythmus ist hämmernd. López ist in vielerlei Hinsicht eine Pionierin: Sie gehört zu den wenigen bekannten Rapperinnen der Karibikinsel. Aber vor allem verleiht sie den Afrokubanerinnen eine Stimme. "Als die kubanische Revolution siegte, war es ein Fehler zu glauben, wir sind alle gleich", sagt sie. "Heute ist allen klar, es gibt Rassismus und Homophobie."

Kuba ist in diesem Jahr Schwerpunktland des Weltgebetstages, einer weltweiten ökumenischen Bewegung christlicher Frauen. Gemeinsam blicken die Christinnen auf die sozialistische Insel, die sich gerade in einem historischen Umbruch befindet. Wie sehen kubanische Frauen ihr Land? Was sind ihre Sorgen und Hoffnungen? - so lauten die Fragestellungen des Weltgebetstags.

Unterschiede zwischen Papier und Praxis

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist auf Kuba offizielle Parteipolitik. Die sozialistische Insel war das erste Land weltweit, das die Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frauen unterzeichnete. Gesetzlich festgelegt ist, dass es keine Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Etwa 40 Prozent der Abgeordneten sind weiblich, ebenso wie knapp die Hälfte der Richter am Obersten Gerichtshof. Die medizinische Versorgung ist kostenlos und gilt als die beste in ganz Lateinamerika.

Auf dem Papier ist demnach viel erreicht. "Die Zahlen sind spektakulär, doch das Dilemma verbirgt sich dahinter. Lassen Sie sich nicht blenden", mahnt Isabel Moya, eine der führenden Feministinnen Kubas. Gesetze seien schnell gemacht, aber das Umdenken in der Gesellschaft dauere. Kuba gilt nach wie vor als Macho-Gesellschaft.

"Politik ist männlich geprägt"

"Trotz der ganzen Prahlerei der Regierung ist die wirkliche Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen gering", sagte auch die unabhängige Journalistin und Bloggerin Yoani Sánchez auf einem Forum der Internationalen Universität in Florida. "Wir leben auf einem Kontinent, auf dem die Politik männlich geprägt ist. Kuba ist eines der schlechtesten Beispiele in der Region", sagt sie. Probleme wie häusliche Gewalt würden einfach totgeschwiegen, Polizei und Justiz kümmerten sich nicht.

Auch die Vorsitzende der Oppositionsbewegung "Damen in Weiß", Berta Soler, geht mit der offiziell verkündeten Gleichberechtigung hart ins Gericht. Freiheit für Frauen und für Schwarze gebe es nur "innerhalb der Revolution, außerhalb überhaupt nicht", sagt sie. Nach dem Besuch der Messe marschiert die Frauengruppe jeden Sonntag durch Havannas Stadtteil Miramar, um auf das Schicksal der politischen Gefangenen aufmerksam zu machen. Immer wieder wurden auch Mitglieder verhaftet. Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Laritza Diversent spricht von einer "institutionalisierten Gewalt und einer spezifischen Diskriminierung gegen Frauen, die sich in Oppositionsbewegungen engagieren". 

Harter Alltag: Oft mehrere Einkommen notwendig

Trotz der sprichwörtlichen kubanischen Lebensfreude ist der Alltag hart. Viele Frauen Kubas müssen sich durch die Mangelwirtschaft kämpfen und sind dabei zu wahren Überlebenskünstlerinnen geworden. Die von Präsident Raúl Castro angestoßenen Wirtschaftsreformen bringen neue Möglichkeiten, aber vor allem Unsicherheit.

Wer ein Privatzimmer an Urlauber vermietet, Taxi fährt oder sich als Touristenführer verdingt, kommt mit Trinkgeldern in US-Dollar recht gut aus. Doch viele Frauen brauchen mehrere Einkommen, um über die Runden zu kommen. Selbst hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen geht es so: Eine Ärztin verdient knapp 45 Euro im Monat, eine Lehrerin viel weniger. Glück hat, wer auf Überweisungen von Familienmitgliedern aus dem Ausland zählen kann.

 

Susann Kreutzmann
(epd)

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