Kardinal George Pell
Kardinal George Pell

02.03.2016

Kardinal Pell weist Vorwürfe in Missbrauchsskandal zurück "Vorgesetzte haben vertuscht"

Kurienkardinal George Pell hat am dritten Tag seiner Befragung durch die australische Missbrauchskommission erneut Vorgesetzte und Mitarbeiter der Vertuschung bezichtigt.

Das Schulamt des Erzbistums Melbourne sowie der Bischof seiner damaligen Heimatdiözese Ballarat hätten ihn nicht über Missbrauchsvorwürfe informiert, weil sie "wussten, dass ich dann gehandelt hätte", sagte der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats laut Medienberichten in der Nacht zum Mittwoch in der Video-Befragung durch die Missbrauchskommission: "Sie haben deutlich realisiert, dass ich aus einem anderen Holz geschnitzt bin." Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand darf der 74-jährige Kardinal seine Aussage per Videoschaltung aus Rom machen.

Vorwurf der Vertuschung an Kardinal Pell

Missbrauchsopfer werfen Pell vor, sexuelle Übergriffe vertuscht und Täter gedeckt zu haben. Der Kardinal räumte an den ersten zwei Tagen der auf insgesamt drei Tage angelegten Befragungen "enorme Fehler" der Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen ein. Bereits in den ersten beiden Tagen belastete er zudem seinen früheren Vorgesetzten. Der damalige Bischof von Ballarat, Ronald Mulkearns, habe ihn über die wahren Gründe für die Versetzung eines übergriffigen Priesters getäuscht.

Missbrauchsfälle in den 1970er- und 1980er-Jahren

Im Mittelpunkt der Befragung stehen die Vertuschung von Missbrauchsfällen im Bistum Ballarat in den 1970er- und 1980er-Jahren, wo Pell als Priester und bischöflicher Vikar für das Schulwesen tätig war. Die australische Missbrauchskommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden, um den Umgang von Kirchen, Religionsgemeinschaften und weltlichen Institutionen mit Missbrauchsfällen zu untersuchen. Der Abschlussbericht wird für Dezember 2017 erwartet.

(KNA)

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