Rana Plaza-Überlebende
Rana Plaza-Überlebende
Nach dem Einsturz von Rana Plaza
Nach dem Einsturz von Rana Plaza

06.12.2015

Manche Textilfabrikanten bemühen sich um Sozialstandards Pullover made in Bangladesch

Wo steht die Textilbranche in Bangladesch nach dem Einsturz der Fabrik Rana Plaza 2013? Ein Hersteller berichtet, dass schon vor dieser Katastrophe - zumindest in seiner Firma - Sozialstandards groß geschrieben wurden.

Nicht erst seit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch hat die Bekleidungsindustrie des Landes einen schlechten Ruf. Billiglöhne, lange Schichten, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, fehlende Sozialstandards - das sind Vorwürfe, die immer wieder erhoben werden. Als im April 2013 der Zusammenbruch von Rana Plaza mehr als 1.100 Menschen das Leben und über 2.000 die Gesundheit kostete, war der Aufschrei besonders groß. Seitdem gucken manche Kunden näher hin, wenn es um die Herkunft ihrer Kleidung geht.

Vereinbarung über bessere Standards

"Es gibt in Bangladesch Fabriken, die bessere Standards haben", sagt Gisela Burckhardt vom Verein Femnet, Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung. Man könne nicht sagen, dass alles, was in Bangladesch produziert wird, unter katastrophalen Bedingungen hergestellt worden sei. Sie verweist auf das Accord on Fire and Building Safety In Bangladesh (Abkommen über Feuer- und Gebäudesicherheit in Bangladesch).

Diese Vereinbarung war den Angaben zufolge nach der Katastrophe von Rana Plaza auf die Beine gestellt und zwischen Markenherstellern, Händlern und Gewerkschaften für fünf Jahre geschlossen worden. Als Ziel wird die Gestaltung einer sicheren und gesunden Industrie für Konfektionskleidung in Bangladesch angegeben.

Zu den dort gelisteten Fabriken gehört auch Jinnat Knitwears aus Gazipur unweit der Hauptstadt Dhaka. Das Unternehmen gehört zur DBL Gruppe, Mitglied im 2014 gegründeten Bündnis für nachhaltige Textilien. Das Bündnis will sich für soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen in der Branche einsetzen. 

Zufriedene Mitarbeiter als Ziel

"Unser Hauptanliegen ist, dass die Menschen zufrieden im Betrieb sind", sagt DBL-Geschäftsführer Mohammed Abdul Jabbar. Kürzlich war er bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) in Köln zu Gast, mit der DBL seit 2010 zusammenarbeitet. Jabbar betont, dass das Wohlergehen der rund 10.000 Mitarbeiter der Firma am Herzen liege.

"Es gibt kein Unternehmenswachstum, wenn die Mitglieder des Arbeitsteams nicht zufrieden sind. Wir glauben daran, und das ist auch unsere Verantwortung", sagt Jabbar. Jinnat Knitwears habe eigene Initiativen gestartet, andere wiederum mit Partnern umgesetzt. Zu den Angeboten gehörten Bildungsprogramme für Mitarbeiter, deren Kinder und Angehörige, etwa in Form von Stipendien.

Investion in Gesundheitsprävention

Hinzu komme Unterstützung auf dem Feld der Gesundheit. Die Firma kooperiere mit Ärzten und anderen Einrichtungen. In einem Laden mit fairen Preisen für die Unternehmensmitarbeiter würden darüber hinaus subventionierte Damenbinden deutlich unter dem Marktpreis verkauft. Für Jabbar ist klar: "Wenn jemand gesünder ist, fehlt er seltener bei der Arbeit." Es gehe um gute Gesundheit, eine gute Verfassung und um Qualitätsprodukte.

Wer in Nachhaltigkeit investieren wolle, agiere langfristig. "Daher sind wir erfolgreich", sagt Jabbar. Er verweist auf die Umweltstandards von Jinnat Knitwears - für die das Unternehmen schon mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Es gehe etwa darum, weniger Ressourcen zu verbrauchen und sich um die Wasserfrage zu kümmern. Der Betrieb arbeite mit der Universität Oxford zusammen.

Die Folgen der Bemühungen des Unternehmens fasst Jabbar so zusammen: mehr Zufriedenheit, weniger Abwanderung von Mitarbeitern. Dies wirke sich positiv auf die Wachstumsrate aus. Der Geschäftsführer betont, dass die Standards der DBL-Gruppe für alle dort organisierten Firmen gälten. Auch die DEG verweist in einer Fallstudie auf die Umwelt- und Sozialstandards innerhalb der DBL Gruppe.

Transparenz über das Internet

Burckhardt sieht die Accord-Kontrollen der Fabriken im Hinblick auf Elektrik, Statik und Feuerschutz als Fortschritt an, insbesondere weil die Ergebnisse transparent im Internet zugänglich seien. Allerdings verlaufe die Umsetzung schleppend. Auch änderten sich dadurch nicht die sozialen Umstände. So sei in den schätzungsweise 5.000 Textilfabriken in Bangladesch nach wie vor die Diskriminierung von Arbeiterinnen weit verbreitet.

Auch hapere es bei der gewerkschaftlichen Organisation von Arbeiterinnen. "Da sehe ich eine Rückwärtsentwicklung.". Auch sei der Mindestlohn von etwa 60 Euro im Monat selbst für hiesige Verhältnisse zu gering. Selbst wenn Firmen mehr zahlten, sei das zu wenig.

Leticia Witte
(KNA)

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