In der Rue de la Fontaine-au-Roi in Paris
In der Rue de la Fontaine-au-Roi in Paris

18.11.2015

Pariser Pfarrer über die Stimmung in der Stadt Eingewickelt in eine schwere Decke

Über Paris liegt eine dunkle Gedämpftheit. So empfindet es Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, der dort die deutschsprachige katholische Gemeinde leitet. Im domradio.de-Interview erzählt er von seinen Gefühlen knapp fünf Tage nach den Anschlägen.

domradio.de: Wie geht es Ihnen in diesen unruhigen Tagen in der französischen Hauptstadt?

Pfarrer Wolfgang Sedlmeier (Katholische Gemeinde Sankt Albertus Magnus, Paris): Es ist ein bisschen wie eine schwere Decke, die über der Stadt hängt. Eine dunkle Gedämpftheit. Ich fühle mich in diese Stimmung eingewickelt.

domradio.de: Wenn Sie das Haus verlassen: Tun Sie es mit einem mulmigen Gefühl?

Pfr. Sedlmeier: Es kommt darauf an. Hier im Viertel weniger. Aber meine Sorge ist, dass in der Metro etwas passieren könnte. Da, wo sehr viele Menschen sind, und wo man schlecht kontrollieren kann. Wenn sich da jemand in die Luft sprengen würde, das wäre furchtbar. 

domradio.de: Findet das öffentliche Leben denn wieder einigermaßen statt?

Pfr. Sedlmeier: Im Fernsehen haben Kommentatoren gesagt, es sei wieder so wie vorher. Das ist es aber nicht. Die Eindrücke sind viel zu stark, als dass man wieder zur Tagesordnung übergeht. Ich finde, Paris ist zurzeit ruhiger. In allen Gesprächen sind die Ereignisse das Thema. Es ist eine Mischung aus Trauer, Wut und Angst. Solange man sagen muss, dass nicht alle Attentäter gefasst sind, wird sich die Lage auch nicht beruhigen. Das war bei Charlie Hebdo sehr ähnlich. Entspannung kam erst, nachdem die Attentäter gefasst waren.

domradio.de: Kirche kann in diesen Tagen Stellung nehmen und zum Frieden aufrufen. Aber Kirche kann auch Trost bieten. Was können Sie Ihren Gemeindemitgliedern in diesen Tagen anbieten?

Pfr. Sedlmeier: Wir bieten nichts Besonderes an. Aber natürlich hat sich alles geändert. Am Sonntag hatten wir statt einer normalen Messe ein Requiem für die Verstorbenen und ihre Familien. Wir haben auch für die Attentäter gebetet. Und bei all unseren Zusammenkünften nehmen wir uns Zeit, dass wir uns gegenseitig erzählen. Jeder hat im Moment das Bedürfnis, dem anderen zu erzählen, wie er die Situation erlebt hat und wie es ihm gerade geht.

domradio.de: Welche Antwort haben Sie für diejenigen, die danach fragen, wie Gott so etwas zulassen konnte?

Pfr. Sedlmeier: Mich erschreckt vielmehr, dass die Attentäter möglicherweise gerufen haben: Allah ist groß. Dieses Gottesbild erschreckt mich. Für mich ist sonnenklar, dass Gott nicht derjenige ist, der so etwas tut. Die Frage, wie Gott so etwas zulassen kann, stellt sich so für mich nicht. Das sind Menschen, die so etwas tun. Eine pervertierte menschliche Freiheit kann auch das.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Samstag, 19.08.2017

Video, Samstag, 19.08.2017:Wochenrückblick Christliche Nachrichten

Wort des Bischofs - Das Buch

52 Impulse aus dem Jahr 2016 jetzt auch als Buch!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 20.08.
06:00 - 06:30 Uhr

Laudes

06:30 - 07:00 Uhr

Cantica

07:00 - 14:00 Uhr

Der Sonntag

  • Bürgerkrieg und Cholera im Jemen
  • Studie: "Kuschelhormon" kann Fremdenfeindlichkeit sinken lassen
  • Wasserkioske in Afrika
07:20 - 07:20 Uhr

WunderBar

08:00 - 08:05 Uhr

Wort des Bischofs

08:10 - 08:55 Uhr

Die SonntagsFrage

09:50 - 09:55 Uhr

Kirche2Go

10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

07:00 - 14:00 Uhr

Der Sonntag

  • Bürgerkrieg und Cholera im Jemen
  • Studie: "Kuschelhormon" kann Fremdenfeindlichkeit sinken lassen
  • Wasserkioske in Afrika
10:00 - 12:00 Uhr

Gottesdienst

12:40 - 12:45 Uhr

WunderBar

14:00 - 16:00 Uhr

Menschen

16:00 - 17:00 Uhr

Kompakt

17:00 - 18:00 Uhr

Autorengespräch

17:00 - 18:00 Uhr

Autorengespräch

18:00 - 19:00 Uhr

Kirche und Klassik

20:00 - 22:00 Uhr

Musica

23:00 - 23:30 Uhr

Cantica

00:00 - 02:00 Uhr

Musica

02:00 - 03:00 Uhr

Kopfhörer

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar