In Tabgha befindet sich die Brotvermehrungskirche
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Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel

31.07.2015

Benediktiner wollen Attentäter im Gefängnis besuchen Wunsch nach Versöhnung

Die Staatsanwaltschaft hat nach dem Anschlag auf das Kloster Tabgha gegen zwei Verdächtige Anklage erhoben. Sollten sie schuldig sein, wollen die Benediktiner mit ihnen ins Gespräch kommen, sagt Pater Nikodemus Schnabel.

domradio.de: Es war ein verheerendes Feuer, am 18. Juni war der Südflügel des erst 2012 fertiggestellten Klosters in Tabgha weitgehend zerstört worden. Wie laufen die Aufräumarbeiten?

Pater Nikodemus Schnabel (Dormitio Abtei): Es gibt wirklich Positives zu verkünden. Wir haben in den letzten Wochen sehr viel Solidarität erlebt von israelischer, palästinensischer Seite, von Drusen, Muslimen, Christen, Juden und auch aus Deutschland. Wir konnten anfangen mit den Aufräumarbeiten. Tabgha ist wieder besuchbar. Wir haben durch eine Holzwand den verbrannten Teil von dem noch guten Teil getrennt. Die Pilger können die Kirche und auch die Begegnungsstätte betreten. Natürlich müssen wir viel improvisieren, zum Beispiel ist unser Klosterladen durch einen späteren Schwelbrand und die Löscharbeiten abhanden gekommen.

domradio.de: Inwiefern ist der Brand für das Kloster existenzbedrohend?

Pater Nikodemus Schnabel: Ja, tatsächlich, das ist nicht ohne. Man muss einfach den allgemeinen Kontext sehen. Wir haben dieses Jahr sehr sehr wenige Pilger. Der Tourismus ist sehr stark zurückgegangen. Sicher gibt es eine grundsätzliche Angst in der Region, der Euro ist sehr schwach gegenüber dem Schekel, das heißt eine Reise nach Israel ist nicht mehr so günstig wie vor ein-zwei Jahren. Davon leben wir aber sehr stark, dass Pilger bei uns einen Espresso trinken, eine Postkarte kaufen. Diese Kleinigkeiten sind tatsächlich unsere Haupteinnahme. Am meisten leben wir von Tabgha. Wir sind ja eine Gemeinschaft an zwei Orten: die Dormitio Abtei in Jerusalem und das Priorat in Tabgha. In Tabgha haben die Leute viel mehr Muße und Zeit. Wochenlang hatten wir einen Totaleinnahmeausfall, weil der Klosterladen nicht mehr existierte, wir mussten die Kirche schließen und konnten keine Pilger empfangen. Ausgaben hatten wir aber weiter. Ohne Spenden schaffen wir es dieses Jahr nicht.

domradio.de: Nun ist es das erste Mal, dass nach einer solchen Tat jemand vor Gericht landen wird, wie gucken Sie auf die Ermittlungen in den letzten sechs Wochen zurück?

Pater Nikodemus Schnabel: Auch das ist eine positive Nachricht. Das zeigt, dass Israel beherzt an das Thema herangeht. Ein bisschen traurig ist, dass ich offiziell gar nichts weiß. Offiziell redet die Polizei nicht mit uns Betroffenen. Ich bin auch auf die Medienberichte angewiesen. Mittlerweile hat ja auch die israelische Botschaft in Deutschland einen offiziellen Bericht. Es gab ja in den Medien in den letzten Wochen die verschiedensten Täter, die da als "Sau durch das Dorf" getrieben wurden. Das scheint jetzt seriös zu sein.

Meine Aufgabe als Mönch ist es zu beten. Aufgabe der Polizei und Justiz ist es zu ermitteln und das gerichtlich aufzuarbeiten. Wir sind als Mönche wieder "am Drücker" sollten diese Leute im Gefängnis landen, dann sind wir bereit, sie dort zu besuchen und Versöhnung anzubieten. Wir wollen dann in Kontakt kommen, hören, was diese Menschen bewegt, warum sie uns Christen so hassen. Ich zitiere gerne meinen Abt: „Wenn wir als Christen angegriffen werden, weil wir Christen sind, wollen wir auch als Christen reagieren.“

Das Interview führte Daniel Hauser

(dr)

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