Papst versichert katholischen Ukrainern seiner Solidarität

"Unsere Kirche braucht den Schutz des Heiligen Vaters"

Papst Franziskus hat dem ukrainisch-katholischen Großerzbischof Schewtschuk in einer Audienz versichert, er werde alles tun, um eine Eskalation des Konflikts in der Region zu verhindern.

Papst Franziskus (dpa)
Papst Franziskus / ( dpa )

Der Vatikan will nach Worten des ukrainischen katholischen Großerzbischofs Swjatoslaw Schewtschuk alles tun, um Frieden in Osteuropa zu erhalten und eine Eskalation des Konflikts zu verhindern. Dies habe Papst Franziskus ihm bei einer Audienz am Montag versichert, erklärte der unierte Erzbischof von Kiew laut einem Kommunique seiner Kirche vom Dienstag. Der Papst und der Heilige Stuhl verfolgten die Situation der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine mit größter Aufmerksamkeit.

Der Papst habe seine Solidarität mit dem ukrainischen Volk in seinem Leiden und in den derzeitigen Gefahren geäußert, heißt es in der Erklärung der katholischen Ostkirche. Der Großerzbischof habe Franziskus über die Entwicklung der vergangenen drei Monate in der Ukraine informiert. Er habe deutlich gemacht, dass seine Kirche immer nahe bei den Menschen sei; daraus erkläre sich auch die Anwesenheit von Geistlichen bei den Protesten auf dem Maidan-Platz.

Beschützer der griechisch-katholischen Kirche

Schewtschuk habe daran erinnert, dass seine Kirche während der Zeit des Kommunismus "dank der Einheit mit dem Papst überlebt" habe. Der Papst sei "in der Vergangenheit immer Beschützer der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine gewesen, und auch jetzt braucht unsere Kirche die Hilfe des Heiligen Vaters und vor allem seine geistliche Leitung". Franziskus habe dem Großerzbischof versichert, dass es seiner Kirche in der Ukraine "nie am Schutz des Heiligen Stuhls fehlen" werde.

Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine ist die größte katholische Ostkirche. Zu ihr bekennen sich nach offiziellen Kirchenangaben rund sieben Millionen Mitglieder. Davon leben etwa 1,5 Millionen im Ausland, wo mehr als die Hälfte der Diözesen und Exarchate liegen. In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ist etwa jeder zehnte Einwohner griechisch-katholisch. 

Spannungen mit dem Moskauer Patriarchat

Die Gottesdienste zelebrieren die ukrainischen Unierten im sogenannten byzantinischen, also ostkirchlichen Ritus. Ebenso weiht die griechisch-katholische Kirche auch verheiratete Männer zum Priester, nicht jedoch zum Bischof.

Kardinal Lubomyr Husar (2001-2011) verlegte den Hauptsitz der Kirche 2005 mit Zustimmung des Papstes von ihrer westukrainischen Hochburg Lviv in die Hauptstadt Kiew. Zudem errichtete er Exarchate in der Ostukraine. Das führte zu schweren Spannungen mit der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats.

Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine zählt heute landesweit etwa 3.900 Pfarreien und fast 2.900 Gotteshäuser, rund 2.600 Geistliche und etwa 1.100 Ordensleute. Es gibt rund 1.100 Sonntagsschulen sowie 117 Klöster. Die Kirche ist Trägerin der Ukrainischen Katholischen Universität in Lviv, an der mehr als 1.000 Studenten eingeschrieben sind.

Ukrainische Regierung verurteilt "Terror" gegen Priester

Die ukrainische Regierung hat derweil Übergriffe auf Priester und die Schändung von Kirchen auf der Krim scharf verurteilt. Der neue Regierungsbeauftragte für religiöse und ethnische Angelegenheiten, Wolodimir Juschkewitsch, warf Separatisten und den "russischen Besatzungstruppen" am Dienstag eine "beispiellose Verletzung der Religionsfreiheit" und der "Unantastbarkeit von Personen" vor. Der "Terror" müsse gestoppt und Rechte und Freiheiten geachtet werden.

"Wir rufen internationale Organisationen und die Öffentlichkeit auf, Geistlichen und Gläubigen zum Schutz vor Verfolgung zu verhelfen", so Juschkewitsch in der vom Kulturministerium in Kiew verbreiteten Erklärung. In den vergangenen Tagen waren mehrere Priester von Bewaffneten verschleppt worden. In der Krim-Hauptstadt Simferopol hatten Unbekannte am Sonntag in einer orthodoxen Kirche des von Moskau abgespaltenen Kiewer Patriarchats einen Schaden von geschätzt umgerechnet 70.000 Euro angerichtet, wie der ukrainische Pressedienst RISU (Dienstag) berichtete.


Quelle:
KNA