Syrer bringen ihre Habseligkeiten in ein Flüchtlingscamp
Syrer bringen ihre Habseligkeiten in ein Flüchtlingscamp
Oliver Müller (Caritas international)
Oliver Müller (Caritas international)

17.07.2013

Caritas: Syriens Nachbarn brauchen Hilfe Geteilte Flüchtlingslast

Die Nachbarstaaten können die Last des Syrienkonflikts nicht allein tragen, warnt Caritas International-Leiter, Oliver Müller, und verweist auf den Libanon. "Übertragen auf Deutschland hieße das, dass wir 18 Millionen Flüchtlinge aufnehmen würden.“

domradio.de: Wie sieht ihre Hilfe für die Opfer in Syrien aus?

Müller: Das syrische Flüchtlingsdrama ist sicherlich eine der größten humanitären Katastrophen der vergangenen zehn Jahre. Ich glaube, das ist so im öffentlichen Bewusstsein noch gar nicht wirklich angekommen. Seriösen Schätzungen zu Folge sterben allein monatlich 5000 bis 6000 Menschen im Rahmen des Konfliktes. Als Caritas International versuchen wir den Menschen in Syrien selbst beizustehen, das ist sehr schwierig und das ist auch gefährlich, weil diese Hilfe von den einzelnen Kriegsakteuren auch kritisch beäugt wird. Wir können dort aber Zehntausenden von Menschen trotzdem helfen. Der Schwerpunkt unserer Hilfe gilt den Flüchtlingen, die ihr Land verlassen haben und die jetzt im Libanon und in Jordanien sind. Dort können wir in großen Umfang mehr als einer Million Menschen, die dort leben, auch beistehen.

domradio.de: Als Hilfswerk Caritas International haben Sie das deutlich am Spendenaufkommen gemerkt, dass die Hilfe den Kriegsopfern galt. Woran haben Sie das gemerkt?

Müller: Es ist schon seit Jahren festzustellen, und das hat sich auch 2012 jetzt so ergeben, dass für die Opfer von Kriegen und Konflikten weniger gespendet wird als für die Opfer von Naturkatastrophen. Ich kann das durchaus ein Stück nachvollziehen, weil eine Naturkatastrophe eben etwas ist, was über die Menschen so hereinbricht, da kann niemand etwas dafür, da ist niemand schuld daran. Man sucht weniger nach den Verantwortlichen. Und es löst stärker den Impuls aus, direkt zu helfen.

Bei einer Krise, wie in Syrien, die sehr unübersichtlich ist, wo nicht ohne weiteres klar ist, wer sind die Guten, wer sind die Bösen, sind weniger Menschen motiviert, den Flüchtlingen und auch den Kriegsopfern beizustehen. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen, gleichwohl ist diese Not sehr groß und die, die jetzt davon betroffen sind, können doch in den allermeisten Fällen dafür nichts und das schlägt sich dann auch im Spendenverhalten nieder und so hatten wir letztes Jahr eben bedeutend weniger Spenden als im Vorjahr.

domradio.de: Sie warnen vor allem vor einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Warum, was erleben sie als Hilfswerk dort?

Müller: Wir sehen, dass vor allem die Aufnahmeländer der syrischen Flüchtlinge, also Libanon und Jordanien extrem getroffen sind von dieser Krise. Man muss sich vorstellen, im Libanon, der nur 4,2 Millionen Einwohner hat, leben zum Beispiel jetzt schon mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Das ist eine riesige Belastung für dieses Land. Übertragen auf Deutschland hieße das, dass wir 18 Millionen Flüchtlingen hier aufnehmen würden.  Das würde uns auch überfordern und man kann sich leicht ausmalen, zu welchen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten das führt. Es wäre das schlimmste Szenario, dass die Länder Libanon und Jordanien, die jetzt den Großteil der Last tragen, auch destabilisiert würden und es auch dort zu politischen Problemen käme. Deshalb sind gerade diese Länder auf Unterstützung von außen angewiesen, um diese Last der Flüchtlingshilfe jetzt nicht ganz alleine tragen zu müssen.

Das Interview führte Monika Weiß

(dr)

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