Demonstration gegen Vergewaltigungen von Frauen in Indien
Demonstration gegen Vergewaltigungen von Frauen in Indien

16.07.2013

Hilfsorganisation: Vergewaltigung von Ordensfrau Beispiel für alltägliche Gewalt Indische Realität

Die Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen löste Ende 2012 Massenproteste in Indien aus. Nun soll eine katholische Ordensfrau missbraucht worden sein. Der Fall zeigt: Zwar wird inzwischen über das Thema gesprochen, es ändert sich aber kaum etwas.

Im domradio.de-Interview:  Elvira Greiner, Vorsitzende der „Andheri-Hilfe“ in Bonn, einer unabhängigen Organisation der Entwicklungszusammenarbeit mit Projekten in Indien und Bangladesch.

domradio.de: Am Montag wurde bekannt, dass drei Männer eine junge katholische Ordensfrau im ostindischen Bundesstaat Odisha mehrere Male vergewaltigt haben. Sie haben sie entführt und eine Woche lang diesem Martyrium ausgesetzt. Zwei von ihnen waren sogar ihre eigenen Cousins. Ein unbeschreibliches Verbrechen. Versuchen Sie dennoch, es zu erklären?

Greiner: Über die genauen Hintergründe weiß ich zu wenig. Generell ist es so, dass Frauen - gerade wenn sie als schutzlos gelten - Opfern von Gewalt werden. Schutzlos kann man sein, weil man unberührbar ist. Schutzlos kann man sein, weil man als Nonne keinen Mann hat. Oder weil man grundsätzlich alleine lebt. Das ist in Indien heute noch immer sehr schwierig.

domradio.de: Der zuständige Erzbischof Barwa nannte die Tat "eine Schande" und forderte die Verurteilung der Täter - er nannte das Verbrechen also beim Namen. Ist das schon ein Fortschritt für Indien? Dass darüber gesprochen wird?

Greiner: Ich bin froh, dass jetzt darüber gesprochen wird. Und dass in einigen Fällen die Menschen auf der Straße demonstrieren. Nur gleichzeitig ist es so, dass auch seitdem an jedem Tag Frauen vergewaltigt wurden. Und keiner geht auf die Straße. Deshalb sehe ich da noch eine große Diskrepanz.

domradio.de: Warum spricht niemand über diese Fälle?

Greiner: Ein Großteil der Inder gehört zu den Kastenlosen. Und diese Menschen haben per se weder Rechte noch Würde. Das ist nicht über das Gesetz so definiert, hier sind alle gleich. Aber in der Realität sind beispielsweise die Adivasi-Frauen - die Ureinwohnerinnen - oder die Dalits - die Kastenlosen - völlig rechtlos. Und derer kann man sich, so glauben es viele der Kastenhindus, einfach so und straflos bedienen, man spricht sie ihnen nicht zu.

domradio.de: Jede Religion hat die Würdigung der Frau als diejenige, die sozusagen die Gesellschaft gebiert. Schätzt und würdigt die indische Religion die Frau nicht als solche? Und liegt das möglicherweise auch an der Aufklärung?

Greiner: Man sagt generell: Alles, was du über Indien sagst, stimmt. Und das Gegenteil ist auch richtig. Und das gilt hier auch: Auf der einen Seite werden Frauen als Göttinnen verehrt, auf der anderen werden sie mit Füßen getreten. Beides ist indische Realität.

domradio.de: Was muss grundsätzlich geschehen, um diese Denkmuster der Menschen in Indien aufzubrechen? Um diese grausame Realität für Frauen zu ändern?

Greiner: Es muss sich etwas in den Köpfen der Männer in Indien ändern. In den Köpfen von Männern, die von Kleinauf so geprägt wurden: Als Jungen bekamen sie das bessere Essen, konnten in die Schule gehen, wurden zum Arzt gebracht, anders als die Schwester. Um diese Erfahrungshintergründe zu verändern, ist ein langer Prozess der Aufklärung notwendig. Das ist nicht von heute auf morgen möglich. Aber in unserer Projektarbeit sehen wir: Wenn Frauen die Chance haben, selbstbewusst zu werden und dabei die Männer einbezogen werden, verändert sich etwas im Handeln der Menschen.

Das Gespräch führte Monika Weiß.

(dr)

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