Erzbischof Gintaras Grusas
Erzbischof Gintaras Grusas

Gintaras Grusas (51) ist seit Ende April neuer Erzbischof der Hauptstadt Vilnius. Grusas wurde in Washington als Sohn litauischer Eltern geboren. Nach einem ersten Studienabschluss als Informatiker folgten philosophische und theologische Studien in den USA und Rom. 1994 wurde Grusas zum Priester geweiht und kehrte nach Litauen zurück.

09.05.2013

Erzbischof Grusas über Kirche in Litauen "Die Litauer vertrauen der Kirche"

Gintaras Grusas ist seit Kurzem Erzbischof in Litauens Hauptstadt Vilnius. Im Interview spricht Grusas über den Stellenwert und die Herausforderungen der katholischen Kirche in dem größten baltischen Staat.

KNA: Herr Erzbischof, wie stellt sich für Sie als jüngster Erzbischof Litauens die Situation der katholischen Kirche im Land dar?

Grusas: Die katholische Kirche in Litauen hat im Vergleich zu anderen Ländern einen starken Einfluss auf die Gesellschaft. Noch immer bezeichnen sich viele Menschen als Katholiken und immer wieder wenden sie sich auch an die Kirche. Vielleicht nicht, wenn man die hohe Scheidungsrate betrachtet. Aber in Umfragen ist die katholische Kirche die vertrauenswürdigste Institution im Land. Die Litauer vertrauen der Kirche.

KNA: Schließlich sind rund 85 Prozent der Litauer katholisch getauft.

Grusas: Von der Katholikenzahl zu sprechen ist nicht einfach. 85 Prozent halten sich für katholisch, nur weil sie getauft sind. Wie viele den Glauben leben, ist eine andere Frage. Aber insgesamt besitzt die Kirche eine große Integrität. Die andere Seite dieser Medaille ist, dass gerade im Vorfeld von Wahlen viele von der Kirche eine Empfehlung erwarten. Es gibt auch Parteien, die politische Unterstützung seitens der Kirche erwarten. Wir unterstützen aber keine einzelne politische Partei. Wenn, dann politische Plattformen, die Werte wie Familie hoch halten. Die Kirche ist eine Autorität.

KNA: Woher kommt diese hohe Autorität der Kirche in Litauen?

Grusas: Das resultiert aus der Geschichte. Die Kirche war eine Institution, die im Sowjetregime verfolgt wurde. Und sie stand sehr klar auf der Seite der Unabhängigkeitsbewegung, also im Wiederstand zum Kommunismus. Als die Unabhängigkeit kam, respektierten viele, dass und wofür die Kirche damals gelitten hat.

KNA: Etwa durch Internierung von Geistlichen oder die Wegnahme von Kirchengebäuden, die häufig als Lager oder zu anderen Zwecken von den Sowjets "umfunktioniert" wurden?

Grusas: Als Litauen 1991 unabhängig wurde, erhielt die Kirche nicht all ihr einstmaliges Land zurück. Wir wollen ja auch keine großen Landbesitzer sein. Aber wir brauchen eine stetige Finanzierung. Wir sind noch immer in einem Prozess des Wiederaufbaus. Beispiel Vilnius:Hier gibt es 44 wunderschöne Kirchen. Fast schon zu viele. Denn die meisten sind in der Altstadt, während die Menschen in die Außenbezirke gezogen sind. Da haben wir auf der einen Seite diese alten Schätze in der Altstadt. Aber die Menschen leben außerhalb, haben keine Kirchen in der Nachbarschaft und es ist nicht einfach, neue Gemeinde zu gründen. Eine doppelte Herausforderung.

KNA: Welche anderen Herausforderungen gibt es für die katholische Kirche Litauens?

Grusas: Wie auch in anderen Teilen Europas und der Welt muss sich die Kirche der säkularen Welt stellen. Für einen Christen selbst ist es nicht einfach in dieser Welt. Es gibt aber auch Wunden der Vergangenheit, der Sowjet-Zeit. Viele tragen Narben einer unterdrückten Gesellschaft, die sich nicht frei äußern konnte. Noch heute sieht man das an der Korruption, die zwar nicht mehr so schlimm ist wie vor Jahren. Aber noch mehr sehen wir das am hohen Anteil an Alkoholsüchtigen. Denn in der Sowjet-Zeit war Alkohol ein Instrument, die Leute zu kontrollieren und ruhig zu halten. In dieser Zeit wurde auch die Abtreibung als eine Art der Familienplanung betrachtet.

KNA: Auch die hohe Zahl der Ehescheidungen gilt als sowjetisches Erbe. Was unternimmt die katholische Kirche dagegen?

Grusas: Wir versuchen etwa in sogenannten Familienzentren innerhalb der Gemeinden eine Ehevorbereitung durchzuführen. Noch vor 20 Jahren setzte sich der Priester mit dem Paar zum Gespräch hin. Heute geht es in den Zentren um Religiöses, aber auch um Familienplanung. Mittlerweile ist so ein Kurs obligatorisch für alle, die kirchlich heiraten wollen.

Das Interview führte Markus Nowak

 

(KNA)

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