06.03.2013

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez ist tot Präsident mit Sendungsbewusstsein

Er war der jüngste Präsident Venezuelas: Mit großer Klappe, Ölmilliarden und neuen Bündnissen kämpfte Hugo Chávez für den Sozialismus. Doch seinen schwersten Kampf verlor er: Mit 58 Jahren starb er an Krebs.

Seine sonntägliche Fernsehshow "Aló, Presidente" war legendär. Mit stundenlangen Tiraden zog Venezuelas Präsident Hugo Chávez viele Zuschauer in den Bann. Seine Anhänger bejubelten die polemischen Attacken gegen die USA, seine Gegner wandten sich entsetzt ab. Der 58-jährige Sozialist hatte ein so starkes Sendungsbewusstsein, dass er trotz Krankheit im Oktober nochmals kandidierte. Doch seine neue Amtszeit, die am 10. Januar beginnen sollte, konnte er nicht mehr antreten. Am Dienstagnachmittag (Ortszeit) erlag Chávez in einem Militärkrankenhaus in der venezolanischen Hauptstadt Caracas einem Krebsleiden.

Vor allem die ärmeren Bürger im Erdölland Venezuela schwörten auf Chávez und seinen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Als Sohn eines Dorfschullehrers stammte er selbst aus kleinen Verhältnissen. Mit 17 begann er seine militärische Laufbahn, die ihn bis zum Oberstleutnant führte. Damit untrennbar verbunden war sein politisches Engagement. Chávez führte einen Zirkel von Militärs und Zivilsten an, die sich mit den politischen und sozialen Fragen der damaligen Zeit auseinandersetzten.

Bischöfe rufen Volk zu Geschlossenheit auf

Nach dem Tod von Staatspräsident Hugo Chavez haben die katholischen Bischöfe Venezuelas zu nationaler Geschlossenheit aufgerufen. Zusammenhalt sei nötig, um die "schmerzliche Tatsache" zu bestehen, sagte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Weihbischof Jesus Gonzalez de Zarate Salas, im venezolanischen Sender "Globovision". Gonzalez äußerte sich tief bewegt. "Der Tod ist nicht das Ende des Lebens, er öffnet den Weg zu einem glückseligen Leben bei Gott, unserem Vater", so der Bischof.

Der zum anstehenden Konklave nach Rom gereiste venezolanische Kardinal Jorge Urosa Savino (70) kündigte an, Chavez zu Ehren einen Trauergottesdienst zu feiern. Über den Ort der Feier müsse man noch entscheiden, zitiert der vatikanische Pressedienst Fides (Mittwoch) aus einer Mitteilung Urosas. Zu dem Gottesdienst seien alle venezolanischen Staatsbürger eingeladen, die für den toten Präsidenten beten wollten.

Übergriffe vor dem Militärkrankenhaus

Der Kardinal sprach der Familie des Verstorbenen und "allen, die sich als Anhänger von Hugo Chavez verstehen", sein Beileid aus. Zugleich bat er die Behörden laut Fides, "die von der Verfassung vorgesehenen Mechanismen in Gang zu setzen". Die Venezolaner forderte er zu "Ruhe und Harmonie" auf. Jede Art von Gewalt müsse vermieden werden. Unterdessen kam es in in Caracas laut Fides zu Übergriffen auf Journalisten vor dem Militärkrankenhaus. Anhänger des Präsidenten sollen Medienvertreter verprügelt und mit Waffen bedroht haben.

Das Verhältnis der katholischen Kirche Venezuelas und der Regierung war vor Chavez Krebserkrankung immer wieder von Spannungen gekennzeichnet. Die Kirche hatte der Regierung Chavez in den vergangenen Jahren vorgeworfen, demokratische Grundsätze zu missachten und eine Diktatur errichten zu wollen.

Berühmt nach Putschversuch

Als Chef einer Elitetruppe der Fallschirmjäger unternahm er 1992 einen Putschversuch gegen die als korrupt geltende Regierung und scheiterte. Die kurze Fernsehansprache, in der er allein die volle Verantwortung übernahm, machte ihn schlagartig bekannt und bei vielen Landsleuten populär. Für zwei Jahre musste er ins Gefängnis. In der Haft beschloss er, über die Wahlurnen an die Macht kommen zu wollen. Jahrelang zog Chávez von Dorf zu Dorf, traf sich mit Lokalpolitikern und Aktivisten. 1997 gründete er die "Bewegung 5. Republik", die traditionelle Linksparteien, Ex-Guerilleros, ehemalige Militärs, Professoren und Vertreter aller politischen Lager umfasste. Daraus formte er eine Wahlplattform. Im Februar 1999 zog Chávez erstmals als gewählter Staatschef in den Präsidentenpalast Miraflores ein. Mit 44 Jahren war er der jüngste Präsident in der Geschichte Venezuelas.

Das südamerikanische Land lebt vom Erdöl. Vor Chávez teilte eine kleine Gruppe den Reichtum unter ihrer Klientel auf. Gut 60 Prozent der Bevölkerung waren ausgeschlossen. Chávez' größter Erfolg ist, die einst ausgegrenzte Mehrheit der 30 Millionen Venezolaner über millionenschwere Sozialprogramme an den Erdölerlösen teilhaben zu lassen.

Nach einer Verfassungsänderung stellte er sich im Jahr 2000 vorgezogenen Neuwahlen, die er triumphal mit 59 Prozent der Stimmen gewann. Sechs Jahre später wurde er mit 63 Prozent wiedergewählt. 2009 setzte er eine neue Verfassungsreform durch, die ihm eine unbegrenzte Wiederwahl ermöglicht. Erst im Oktober wurde er für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.

Die Ära Chávez war turbulent. 2002 erhoben sich Teile des Militärs, nahmen ihn fest und erklärten ihn für abgesetzt. Doch nach Massenprotesten kam er frei und kehrte ins Amt zurück. Ein Generalstreik der alten Gewerkschaften brachte das Land an den Rand des Chaos. Doch in einem Referendum zwei Jahre später votierte eine Mehrheit gegen die Absetzung des Präsidenten.

Autoritärer Regierungsstil

Die Ereignisse haben ihn geprägt und verändert. Immer mehr sprach er von einer bolivarischen Revolution im Geiste des südamerikanischen Freiheitshelden Símon Bolívar (1783-1830). Ein geschlossenes Weltbild hatte Chávez nie. Durch seinen autoritären Regierungsstil und die Schikanierung der Presse verprellte er viele Weggefährten. Außenpolitisch tat er sich vor allem als Kritiker der USA hervor.

Chávez nannte den früheren US-Präsidenten Georg W. Bush einen Teufel und die USA "die größte Gefahr für unseren Planeten". 2005 stoppte er zusammen mit dem damaligen argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner den amerikanischen Traum von einer kontinentweiten Freihandelszone von Alaska bis Feuerland. Zusammen mit Kuba entstand die "Bolivarianische Allianz" (ALBA), die allerdings auf Venezuelas Öl basiert.

Chávez, zweimal geschieden und Vater von vier Kindern, gab im Juni 2011 bekannt, dass er an Krebs erkrankt sei. Er flog mehrfach zur Behandlung nach Kuba, verschwand wochenlang aus der Öffentlichkeit. Nach Chemotherapien meldete er sich mit Glatze und fülliger Statur zurück. Anfang Juli 2012 verkündete er, er habe den Krebs überwunden und sei völlig geheilt. Doch bald wurde klar, dass es nicht stimmte.

 

Jürgen Vogt
(epd, dr, KNA)

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