17.02.2013

Misereor-Chef Spiegel über Hunger und Armut "Wir haben den Hunger satt!"

Die Fastenaktion von Misereor steht in diesem Jahr unter dem Motto "Wir haben den Hunger satt!". Der Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks, Pirmin Spiegel, über die konkrete Hilfe für das diesjährige Beispielland Bangladesch.

KNA: Monsignore Spiegel, warum brauchen die Menschen in Bangladesch Hilfe?

Spiegel: Bangladesch könnte eigentlich ein reiches Land sein. Es wird viel Reis angebaut, es gibt viel Vieh, und die Flüsse sorgen für einen großen Fischreichtum. Aber es ist auch eines der Länder weltweit, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. Dürren, Wirbelstürme und Überschwemmungen zerstören zum Teil ganze Dörfer. Experten rechnen mit 10 Millionen «Klimaflüchtlingen» in den nächsten Jahren. Außerdem ist Bangladesch eines der am dichtesten besiedelten Länder der Erde: 160 Millionen Menschen, also doppelt so viele wie in Deutschland, leben auf einer Fläche, die gerade mal doppelt so groß ist wie Bayern. Und die vielen Menschen müssen erst mal versorgt werden. Hinzu kommt ein weiteres Problem, nämlich dass vielen Bauern und Fischern der Zugang zu Land und Wasser verwehrt wird.

KNA: Wie unterstützt Misereor diese Menschen?

Spiegel: Zusammen mit unseren Partnerorganisationen vor Ort haben wir mehrere Schwerpunkte: Zum einen helfen wir den Menschen, wieder Zugang zu Wasser und Land zu bekommen. Das Zweite ist der Reisanbau: Der Staat und internationale Konzerne haben jahrelang den Anbau von hochgezüchteten Reissorten forciert. Die sind aber sehr klimaempfindlich und brauchen zudem teure Dünger und Pestizide. Durch unsere Projekte können die Bauern wieder einheimische und unempfindlichere Reissorten anbauen und züchten. Und drittens unterstützen wir in vielen Projekten die Schul- und Berufsausbildung und setzen uns für die Menschenrechte ein, etwa für verbesserte Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen in Textilfabriken.

KNA: Sind die Hilfen aus Deutschland bei so schweren Bedingungen nicht wie ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Spiegel: Nein, weil unsere Projekte immer Hilfe zur Selbsthilfe sind. Es ermutigt mich zu sehen, wie sich die Menschen in Bangladesch selbst für ihre Rechte einsetzen. Sie begegnen ihrer Situation nicht mit Ohnmacht, sie sind nicht apathisch, sondern die Bauern, Fischer und die Arbeiterinnen in der Stadt organisieren sich. Gemeinsam fordern sie Respekt für sich und für ihre Umwelt ein, und sie haben schon eine Menge erreichen können.

KNA: Sie waren eine Woche lang in Bangladesch. Welche Botschaft nehmen Sie von dort mit zur Fastenaktion in Deutschland?

Spiegel: Zunächst einmal hat mich sehr beeindruckt, mit welchem Engagement sich die Menschen hier für bessere Lebensbedingungen einsetzen. Und ich finde, wir Deutsche sollten gerade jetzt in der Fastenzeit deutlicher hinterfragen, wie unser Lebensstil mit der Not der Menschen in Bangladesch und andernorts zusammenhängt. Wie zum Beispiel unser Fleischkonsum und unser Spritverbrauch Umwelt und Klima beeinflussen - oder warum Menschen im Süden hungern müssen, weil auf ihren Feldern zum Beispiel Soja angebaut wird für die Tiermast oder für Biosprit. Die diesjährige Fastenaktion «Wir haben den Hunger satt!» soll zeigen, dass wir auf einer Erde leben - und nicht auf einem Globus mit einer ersten, zweiten, dritten und vierten Welt. Und diese eine Welt bietet eigentlich eine Fülle, von der alle leben könnten. Dafür sollten wir neu wachsam werden.

Das Gespräch führte Gottfried Bohl.

(KNA)

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