01.02.2013

Erzbischof Gomez straft seinen Vorgänger Mahony Ein Kardinal muss büßen

Erzbischof Gomez hat seinen Vorgänger Kardinal Mahony wegen dessen Umgangs mit Missbrauchsfällen von allen verbliebenen Ämtern abgesetzt. Ein ungewöhnlicher Schritt gegenüber einem in der kirchlichen Hierarchie höher stehenden Mitbruder.

US-Medien sprechen von einem für die Kirchengeschichte des Landes beispiellosen Vorgang. Im gleichen Zug teilte der Erzbischof von Los Angeles am Donnerstag den Rücktritt seines Weihbischofs Thomas Curry mit. Er und Mahony sollen nach jetzt veröffentlichten Briefen und Aktennotizen pädophile Priester gezielt vor der weltlichen Strafverfolgung geschützt haben.

Am Tag dieser Nachricht hatte das katholische Erzbistum zehntausende Archivunterlagen zu 122 Priestern online gestellt, die des Kindesmissbrauchs beschuldigt werden. Die Publikation ist Teil einer Vereinbarung mit rund 550 mutmaßlichen Missbrauchsopfern. Sie hatten 2007 Entschädigungszahlungen in der Rekordhöhe von insgesamt 660 Millionen US-Dollar durchgesetzt. Die Kirche von Los Angeles, mit fünf Millionen Mitgliedern größtes Bistum der USA, geriet dadurch an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Zuletzt gab es noch ein juristisches Gezerre darüber, ob die Namen von hohen Kirchenverantwortlichen in den Akten geschwärzt werden dürfen. Das lehnte ein Gericht in Los Angeles am Donnerstag ab, verbunden mit einer Frist zur Veröffentlichung bis zum 22. Februar. Kaum eine halbe Stunde später stellte das Erzbistum die Dokumente ins Netz.

Seit 1985 Leiter des Erzbistums

"Diese Akten sind für mich brutal und schmerzlich zu lesen", schrieb Erzbischof Gomez, Mitglied des Opus Dei. "Das Verhalten, das in diesen Unterlagen geschildert wird, ist furchtbar traurig und böse." Einen Vorgeschmack davon gab die Zeitung "Los Angeles Times" bereits vorab mit internen Aufzeichnungen aus den Jahren 1986 und 1987.

Mahony, seit 1985 Leiter des Erzbistums, war demnach wenige Monate nach Amtsantritt mit Bekenntnissen dreier übergriffiger Priester konfrontiert. Der für die Aufarbeitung solcher Delikte zuständige Referent Thomas Curry riet Mahony ausweislich der Schriftwechsel, wie man die geständigen pädophilen Geistlichen der Justiz entziehen könne.

Der Erzbischof übertrug ihnen demnach Aufgaben außerhalb Kaliforniens, um Nachforschungen der bundesstaatlichen Behörden zu verhindern. Curry empfahl in Aktennotizen sogar, die Kleriker von einer Psychotherapie abzuhalten, aus Angst, dass sonst Hinweise an die Polizei dringen könnten. Curry wurde 1994 Weihbischof für Santa Barbara.

Mahony hat sich entschuldigt

Unter den Dokumenten ist ein Brief Mahonys vom Juli 1986 an den Leiter einer Therapieeinrichtung für pädophile Kleriker im US-Bundesstaat New Mexico. Darin spricht sich Mahony gegen eine Rückkehr eines dort behandelten Geistlichen nach Los Angeles aus. Denn in diesem Fall, so der Erzbischof, seien "sehr wahrscheinlich irgendwelche juristischen Schritte sowohl im strafrechtlichen als auch zivilrechtlichen Bereich" zu erwarten.

In einer Notiz an Mahony riet auch Curry dazu, den betreffenden Geistlichen von Los Angeles fernzuhalten. "Zahlreiche, vielleicht zwanzig" Opfer könnten den Mann wiedererkennen, argumentierte Curry.  Wenige Monate später kam der Priester dennoch zurück. Allerdings übertrug ihm die Kirchenleitung keine seelsorgliche Aufgabe, weil er sich weigerte, seine Medikamente zur Kontrolle des Sexualtriebs einzunehmen.

Laut den Berichten hatte der betreffende Priester der Bistumsleitung versichert, die Gefahr gerichtlicher Klagen sei gering - die Minderjährigen, an denen er sich verging, stammten aus Familien illegaler Einwanderer, die sich nicht gern mit US-Behörden einlassen würden. "Los Angeles Times" zufolge schied er 1989 aus dem Priesterdienst aus; er starb 2009, ohne je zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Mahony wurde 1991 Kardinal, 2011 gab er die Bistumsleitung an Gomez ab. Lange vor dem jetzigen Eklat hatte er sich mit Opfern getroffen und sich bei ihnen entschuldigt. Er habe Kärtchen mit ihren Namen auf dem Altar seiner Privatkapelle liegen, sagte er unlängst. Er bete täglich für sie. 

Burkhard Jürgens
(KNA)

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