Kämpferisch: Papst Franziskus
Kämpferisch: Papst Franziskus
Auf dem Weg zur Vigil
Auf dem Weg zur Vigil
Pilger auf dem Campus Misericordiae
Pilger auf dem Campus Misericordiae
Der Campus Misericordiae: Hier wird die Vigil stattfinden
Der Campus Misericordiae: Hier wird die Vigil stattfinden
Pilger bereiten sich auf die abendliche Vigil vor
Pilger bereiten sich auf die abendliche Vigil vor

30.07.2016

Papst will Jugend der Welt gegen Gewalt mobilisieren Vigil mit Franziskus

In einer aufrüttelnden Ansprache hat Papst Franziskus Jugendliche in aller Welt aufgerufen, Vorreiter für ein Zusammenleben der Kulturen zu sein. Am Abend feierte er bei Krakau eine Vigil mit über einer Million jungen Menschen aus der ganzen Welt.

"Habt den Mut, uns zu lehren, dass es einfacher ist, Brücken zu bauen, als Mauern zu errichten", forderte Franziskus bei der Großveranstaltung am Samstagabend im polnischen Brzegi bei Krakau. Erwachsene brauchten junge Menschen als Lehrer, um "die Vielfalt der Kulturen miteinander zu teilen, nicht wie eine Bedrohung, sondern als eine Chance". Zu dem Abendgebet auf einem Freigelände östlich von Krakau hatten sich nach Schätzungen mehr als eine Million Teilnehmer eingefunden. Am Sonntag endet dort der am Dienstag eröffnete katholische Weltjugendtag mit einer Messe.

Schon am Vormittag waren viele Jugendliche mit Schlafsäcken und Isomatten nach Brzegi aufgebrochen. Die Nacht wollten viele von ihnen auf dem "Feld der Barmherzigkeit" verbringen, um am Sonntag an der Abschlussmesse teilzunehmen. 

Warnung vor dem "Sofa-Glück"

Weiter sagte der Papst, das "Sofa-Glück" sei wahrscheinlich die "lautlose Lähmung", die am meisten schaden könne. Wörtlich sagte er: "Im Leben gibt es eine weitere, noch gefährlichere und oft schwer zu erkennende Lähmung. Ich nenne sie gerne die Lähmung, die aufkommt, wenn man das Glück mit einem Sofa verwechselt! Ja, zu glauben, dass wir, um glücklich zu sein, ein gutes Sofa brauchen. Ein Sofa, das uns hilft, es bequem zu haben, ruhig und ganz sicher zu sein."

Vor dem Abendgebet war Franziskus gemeinsam mit Jugendlichen durch eine Heilige Pforte geschritten. Danach lud er die jungen Leute in sein Papamobil ein und fuhr mit ihnen durch die Menge zum Altar. Die Freude war den überraschten Nutzern des päpstlichen Nahverkehrs deutlich anzusehen. Vor dem aufgebauten Altar legten drei Jugendliche Glaubenszeugnisse ab, unterbrochen von tänzerischen Darbietungen.

Syrerin bittet um Gebet für Heimat

Eine Syrerin berichtete von den Ruinen in ihrer Heimatstadt Aleppo. Jeden Tag lebten sie und ihre Freunde inmitten von Leid und Tod, verließen ihre Familien, ohne zu wissen, ob sie sie abends wiedersehen könnten. Aber ihr Glaube gebe ihr Hoffnung. Am Ende bat sie: "Betet für mein geliebtes Syrien."

Zu Beginn des Abendgebets hatte Franziskus mit den Jugendlichen in Stille für Opfer von Kriegen und Konflikten gebetet. "Wir wollen nicht den Hass mit noch mehr Hass besiegen, die Gewalt mit noch mehr Gewalt besiegen, den Terror mit noch mehr Terror besiegen. Und unsere Antwort auf diese Welt im Krieg hat einen Namen: Sie heißt Brüderlichkeit", sagte er. Die Welt müsse "ein- für allemal begreifen, dass nichts das Blut eines Bruders oder einer Schwester rechtfertigt, dass nichts wertvoller ist als der Mensch neben uns". Während der Rede des Papstes brandete mehrfach Applaus auf.

Für eine solidarischere Wirtschaft

Christliches Engagement in der Gesellschaft nannte Franziskus "dem Irrsinn unseres Gottes folgen, der uns lehrt, ihm zu begegnen im Hungrigen, im Durstigen, im Nackten, im Kranken" wie auch in Flüchtlingen und Migranten. Gott sei es, "der uns auffordert, politisch Handelnde, Denker, gesellschaftliche Vorreiter zu sein, der uns anregt, eine solidarischere Wirtschaft zu ersinnen".

Auch Zögernden und Christen mit einem schlechten Gewissen sprach er Mut zu: Gott denke nicht "an das, was wir getan oder unterlassen haben", so der Papst. "In dem Moment, in dem er uns ruft, schaut er auf all das, was wir tun könnten, auf all die Liebe, die wir übertragen können. Er setzt immer auf die Zukunft, auf das Morgen."

Zwischenstopp in einer Kirche

Zuvor hatte Franziskus in Krakau für eine Befreiung der Welt vom Terrorismus gebetet. Am Nachmittag besuchte er außerhalb des offiziellen Programms zudem die Jesuitengemeinschaft in Krakau.

Während eines Zwischenstopps in einer Kirche bat er Gott darum, "der Welt und ihren Bewohnern den Frieden zu erhalten und die verheerende Welle des Terrorismus von ihnen zu entfernen". Er betete für alle Opfer solcher "inhumanen Gewaltakte" und für eine Bekehrung der Terroristen.

Zugleich forderte Franziskus dazu auf, sich durch solche Anschläge nicht zu Fremdenfeindlichkeit verleiten zu lassen. Die Angehörigen der Opfer sollten auch weiterhin den Mut und die Kraft haben, "für ihre Mitmenschen Brüder und Schwestern zu sein, vor allem für Migranten", so der Papst. Er bat darum, dass sie von Hass und Rache absähen.

In dem "Gebet für den Frieden und der Verteidigung vor Gewalt und Terrorismus", heißt es weiter, Gott möge die "Herzen der Terroristen berühren, damit sie das Böse ihrer Taten erkennen und zu einem Leben des Friedens und des Guten zurückkehren und zum Respekt vor dem Leben". Der Papst sprach allgemein von "Terrorismus" ohne direkt auf islamistische Anschläge einzugehen.

Der Halt an der Kirche des heiligen Franziskus auf dem Weg zum Abendgebet des Weltjugendtags war im offiziellen Programm nicht vorgesehen. Die Kirche birgt die Reliquien von zwei polnischen Franziskanerpatres, die 1991 in Peru von der Rebellengruppe "Leuchtender Pfad" getötet wurden.

38.000 Sicherheitskräfte

Zur Abschlussmesse des Weltjugendtags am Sonntag werden über 38.000 Sicherheitskräfte eingesetzt. Das gab Innenminister Mariusz Blaszczak am Samstag vor Journalisten in Krakau bekannt. Zu dem Open-Air-Gottesdienst auf einem Gelände in der Umgebung Krakaus werden bis zu zwei Millionen Teilnehmer erwartet. 

Der Minister zog eine positive Zwischenbilanz der Sicherheitslage. Bislang habe es bei dem rund einwöchigen Glaubensfest mit mehreren hunderttausend Dauerteilnehmern aus über 180 Ländern keine Vorfälle ernsterer Art gegeben. "Krakau ist sicher", sagte Blaszczak. Vertreter von Polizei, Feuerwehr und Grenzschutz bestätigten seine Angaben.

Dank an alle Beteiligten

Der Minister sprach Gästen und Bürgern der Stadt seinen Dank aus. Die Pilger leisteten den Anweisungen der Sicherheitskräfte diszipliniert Folge, auch die Einwohner kooperierten "beispielhaft" mit den Behörden. Zugleich häuften sich in den sozialen Medien die Dankesbekundungen für die Sicherheitskräfte.

(KNA)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Dienstag, 22.08.2017

Video, Dienstag, 22.08.2017:Christliche Nachrichten

Jetzt im Radioprogramm

18:00 - 20:00 Uhr 
Kompakt

Berichte und Gespräche vom Tage

Wort des Bischofs - Das Buch

52 Impulse aus dem Jahr 2016 jetzt auch als Buch!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 22.08.
06:00 - 06:30 Uhr

Laudes

06:30 - 10:00 Uhr

Der Morgen

10:00 - 12:00 Uhr

Menschen

10:00 - 12:00 Uhr

Menschen

12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • 25 Jahre nach Lichtenhagen: Flüchtlingspater glaubt an "anderes Rostock"
  • Auferstanden aus Ruinen: Die Paulinerkirche in Leipzig
  • Saubere Sache? Erzbistum Freiburg an E-Auto-Studie beteiligt
16:40 - 17:00 Uhr

Kulturtipp

12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • 25 Jahre nach Lichtenhagen: Flüchtlingspater glaubt an "anderes Rostock"
  • Auferstanden aus Ruinen: Die Paulinerkirche in Leipzig
  • Saubere Sache? Erzbistum Freiburg an E-Auto-Studie beteiligt
18:00 - 20:00 Uhr

Kompakt

  • 25 Jahre nach Lichtenhagen: Flüchtlingspater glaubt an "anderes Rostock"
  • Auferstanden aus Ruinen: Die Paulinerkirche in Leipzig
  • Saubere Sache? Erzbistum Freiburg an E-Auto-Studie beteiligt
20:00 - 22:00 Uhr

Menschen

22:00 - 22:30 Uhr

Komplet

22:30 - 24:00 Uhr

Kompakt

  • 25 Jahre nach Lichtenhagen: Flüchtlingspater glaubt an "anderes Rostock"
  • Auferstanden aus Ruinen: Die Paulinerkirche in Leipzig
  • Saubere Sache? Erzbistum Freiburg an E-Auto-Studie beteiligt
00:00 - 06:00 Uhr

Nachtportal

02:00 - 03:00 Uhr

Kopfhörer

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar