"Gottes Wohnung" an den Menschen
"Gottes Wohnung" an den Menschen
Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt
Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt
Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn
Bischof Gregor Maria Hanke
Bischof Gregor Maria Hanke
Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm

25.12.2017

Kardinal Woelki rückt Obdachlose in den Mittelpunkt "Jeder Mensch braucht Wohnung, die ihm Heimat ist"

Kardinal Woelki hebt Obdachlosigkeit und Wohnungsnot in seiner Predigt am Weihnachtstag hervor. Auch in anderen Bischofsansprachen spielten politische und gesellschaftliche Themen eine besondere Rolle.

Rainer Maria Kardinal Woelki hat an Weihnachten die Obdachlosigkeit vieler Menschen beklagt. "Die Zahlen sind dramatisch", sagte der Erzbischof am Ersten Weihnachtsfeiertag im Kölner Dom. Bundesweit seien 2016 rund 860.000 Menschen ohne Wohnung "und damit ohne Zuhause in einer geborgenen Atmosphäre" gewesen.

Woelki: Wohnungsnot als dunkles Kapitel der Gesellschaft

Zudem kritisierte Woelki einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, weshalb sich auch Durchschnittsverdiener wie Krankenschwestern oder Polizisten "Wohnen" nicht mehr leisten könnten. "Das ist ein ganz dunkles Kapitel unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Wirklichkeit", sagte der Geistliche.

Die Anzahl von 860.000 Obdachlosen entspricht laut Woelki der Bevölkerung der drei Städte Bonn, Aachen und Münster. Die Betroffenen lebten oft nur zeitlich befristet in Unterkünften. "Über 50.000 dieser Menschen haben gar kein Obdach, leben also das ganze Jahr über auf der Straße, unter Brücken oder an sonstigen geringfügig überdachten Plätzen unserer Städte", sagte Woelki laut Redemanuskript. Nicht nur die Kälte sei für sie lebensgefährlich, sondern auch Gewalt durch andere Menschen. "Immer wieder hören und lesen wir davon, dass Obdachlose bestohlen, ausgeraubt, geschlagen oder gar angezündet werden", so der Erzbischof.

Ipolt erinnert an Zukunft des Siemens-Werks

Der katholische Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, hat am ersten Weihnachtstag an die ungewisse Zukunft des Siemens-Standortes in Görlitz erinnert. Christen sollten "mit nachdrücklichen Worten all das ablehnen, was der Würde des Menschen widerspricht oder ihr Abbruch tut", sagte der Bischof laut Redemanuskript am Montag in der Kathedrale Sankt Jakobus. Das gelte etwa, "wenn es um die Fragen des Lebensschutzes von der Zeugung an bis zum natürlichen Tod geht, und auch, wenn es um die Fragen menschenwürdiger Arbeit und einer Eindämmung rein kapitalistischen Denkens geht".

Ausdrücklich ging Ipolt in diesem Zusammenhang auf die Pläne des Münchner Konzerns ein, das Turbinenwerk in Görlitz zu schließen. Ende November hatte sich der Bischof bereits in einem "Offenen Brief" an die Verantwortlichen gewandt. "Ich habe den Brief an den Vorstand der Siemens AG vor einigen Wochen nicht geschrieben, weil ich ein Wirtschaftsfachmann bin und die Verantwortlichen belehren wollte, sondern weil es hier um Menschen geht und deren Familien, die eine Stimme brauchen, und weil es um das geht, was Menschen Würde verleiht."

Genn: Gebet für den Frieden

Christen sollen nach den Worten des Bischofs von Münster, Felix Genn, nicht nur auf die Größe der eigenen Nation oder Person setzen. Ein "wahres Ich" habe immer Platz für ein Gegenüber, für Anderes und Fremdes, sagte Genn laut Redemanuskript am Montag in seiner Weihnachtspredigt. Gott sei "reine, umsonst geschenkte Liebe", erklärte der Bischof. Daher sei es "der Mühe wert, unablässig für den Frieden zu beten", auch wenn etwa der nordkoreanische Präsident Kim Jong Un nichts anderes kenne "als das bloße Vergnügen an seiner eigenen Macht".

Soziale Medien und alltägliches Miteinander

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode hat in seiner Weihnachtspredigt mehr Wahrhaftigkeit und Echtheit im Umgang der Menschen untereinander gefordert. Leider hätten diese Tugenden wenig Chancen in der heutigen Welt, sagte er am Montag im Osnabrücker Dom. Als Beispiele nannte er "endlose Wortergüsse und endloses Gerede" besonders in den Sozialen Medien mit ihren "Bild-, Wort- Informations- und Fake-News-Überflutungen". 

Im dicht gefüllten Eichstätter Dom bezeichnete Bischof Gregor Maria Hanke die Geburt Jesu als Antwort Gottes auf die Sehnsucht des Menschen nach Nähe und Heil. Die Botschaft vom Kind in der Krippe sei anders als die Logik, nach denen das Menschsein in Wirtschaft und Politik sowie im alltäglichen Miteinander gelebt werden müsse, so Hanke. Das private und berufliche Miteinander gestalte sich nach den Regeln dieser Logik als Wettbewerb, wer am leistungsfähigsten, am stärksten, am besten ist. Wer hingegen Macht verliert oder gezwungen wird, sie abzugeben, gilt als beschädigt. Aber diese Logik beantworte nicht die Frage: Wer bin ich eigentlich im Tiefsten? 

Evangelische Kirche betont Solidarität Gottes

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Weihnachtsfreude als "stärkste Medizin gegen den Virus des Nationalismus, der Fremdenfeindlichkeit und des religiösen Fanatismus" bezeichnet. "Gott wird Mensch. Er wird nicht zuerst Deutscher, Amerikaner, Russe oder Chinese. Er wird einfach nur Mensch", sagte der bayerische Landesbischof am Montag im Weihnachtsgottesdienst in der Münchner Matthäuskirche.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, lobte Menschen, "die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit, die antisemitischen Hetzern widersprechen und Unterdrücker beim Namen nennen". Zudem begrüßte er das Wirken von "Friedensstiftern, die sich dafür einsetzen, dass Jerusalem nicht zum Faustpfand politischer Interessen wird, sondern eines Tages zur Stadt des Friedens wird".

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, hat zu Weihnachten zu mehr Zuversicht in die Pläne Gottes aufgerufen. Gott habe gerade erst angefangen mit den Menschen und mit der Welt, sagte Kurschus in ihrer Predigt am Montag in Bielefeld. Gott fange immer wieder neu an. "Das ist unsere Rettung", sagte Kurschus, die auch stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, laut Redetext.

(KNA, epd, dpa)

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