Syrische Fluechtlingsfamilie feiert in Oberbayern Weihnachten
Syrische Fluechtlingsfamilie feiert in Oberbayern Weihnachten
Syrische Fluechtlingsfamilie feiert in Oberbayern Weihnachten
Syrische Fluechtlingsfamilie feiert in Oberbayern Weihnachten

24.12.2014

In Oberbayern haben sich syrische Christen unterm Weihnachtsbaum zusammengefunden Die Nähe der Familie

Im vergangenen Jahr sind viele christliche Flüchtlinge in Deutschland angekommen. So auch die Verwandten Juliet Nissans im oberbayerischen Weilheim. Sie suchen an Weihnachten die Nähe der Familie - und wünschen sich vor allem Frieden.

Besonders groß ist Juliet Nissans Wohnzimmer nicht: Ein breites Sofa, ein Couchtisch, eine Kommode und ein kleiner, mit roten Kugeln geschmückter Weihnachtsbaum finden so eben Platz.

Trotzdem wird die Wohnung der syrischen Altenpflegerin im oberbayerischen Weilheim an Weihnachten Treffpunkt für eine 23-köpfige christliche Großfamilie sein: Denn Juliet Nissans Geschwister, Nichten und Neffen mussten im vergangenen Jahr aus ihrer Heimat fliehen.

Schmerz über die verlorene Heimat

Juliet Nissan selbst lebt schon seit einem Vierteljahrhundert in Oberbayern. Der Bürgerkrieg in Syrien hat nun das Leben ihrer Verwandten aus der Bahn geworfen: Nissan hat die Familie in jordanischen Flüchtlingslagern aufgespürt und in Weilheim zusammengeführt. Jetzt herrscht auch an einem gewöhnlichen Wochentag ein reges Kommen und Gehen in ihrer Wohnung. Neun Menschen sitzen an einem Nachmittag kurz vor Weihnachten hier und unterhalten sich in gedämpftem Ton. Für Nissans Verwandte ist das, bei allem Schmerz über die verlorene Heimat, vor allem: Glück.

Juliet Nissan und ihre Familie sind Assyrer, Christen - eine Minderheit im vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien. Seit dem Jahr 2013 wurde die Lage für Nissans Verwandte lebensgefährlich. Ihr Neffe William, gerade in die Teenagerjahre gekommen, zückt am Wohnzimmertisch bereitwillig sein Smartphone: Er hat in der Nacht, als die IS-Miliz das Dorf seiner Eltern eingenommen hat, im Dunkel der Wohnung gefilmt: Heftige Schusswechsel, berstendes Glas und panisches Stimmengewirr sind zu hören.

Aufgerieben zwischen den Fronten

Acht Geschwister hat Juliet Nissan. Die meisten der Familien mussten das Land, aufgerieben zwischen den Fronten des "Islamischen Staats", kurdischen Muslimen und marodierenden "Freiheitskämpfern", wie Nissan erzählt, verlassen. Viele Christen seien umgebracht worden. Die Nissans flohen in Bussen nach Jordanien. Die Weilheimerin hat dann auf dem Amtsweg die Familie nach Bayern geholt: Als sogenannte Kontingentflüchtlinge seien nach einem halben Jahr bürokratischen Aufwands nacheinander ihre Schwestern Joana und Shoshan, dann Bruder Suhel mit Familien angekommen.

Nun wird die Großfamilie, die in Syrien etwas verstreut unter anderem in den Städten Al Raqqa und Tall Tamr lebte, erstmals in der Fremde gemeinsam Weihnachten feiern. In Juliet Nissans Wohnzimmer: "Ich habe am meisten Platz", meint die kleine Frau.

Wechselt das Gesprächsthema von den Fluchtwirren zum Weihnachtsfest, entspannen sich die Züge ihrer Schwester Shoshan: In Syrien besuche jeder jeden, mehrmals werde die Tafel gedeckt, erzählt sie. Gaben werden an alle Besucher, ob Verwandtschaft oder Nachbarn, Christen oder Muslime, verteilt. Im Dorf werde am zweiten Feiertag ein großes Zelt aufgestellt und gefeiert.

Ein wenig des syrischen Weihnachtszaubers wollen sich die Nissans auch nach Weilheim holen. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird ein Kreuz mit süßem Gebäck und Nüssen geschmückt und Wein als "Blut Christi" getrunken. Die Familie fastet und isst den Dezember hindurch nur vegan - bis zum großen Festmahl. 30 Gäste erwartet Nissan, inklusive deutscher Freunde. Auch einen aramäischen Gottesdienst will die Familie im Keller der Wohnung abhalten.

Frieden als größter Wunsch

Sorgen haben die Nissans dennoch: Gerade die Älteren sehnen sich nach der Heimat. Shoshan etwa hat jahrzehntelang als Sportlehrerin gearbeitet. In Deutschland gibt es für sie keine Arbeit. Und die Familie bangt um Bekannte, die in Syrien zurückgeblieben sind. "Wir hätten uns mehr Hilfe gewünscht", sagt Juliet Nissan. Deutschland habe viele Flüchtlinge aufgenommen - um die in Not lebenden Christen in Syrien habe man sich aber zu wenig gekümmert, findet sie.

Einen Wunsch haben die Oberhäupter der Nissan-Familie: "Frieden", sagt Suhel Nissan. "Für alle. Und natürlich besonders in Syrien." Juliet Nissan will 2015 auch eine Bekannte Shoshans, eine junge Mutter, nach Deutschland holen. Ob das klappt, stehe aber in den Sternen: Auf ihre Bitte nach Aufnahme weiterer syrischer Bekannter hätten sich die Behörden zuletzt eher ablehnend geäußert.

Florian Naumann
(epd)

Programm im Advent und an Weihnachten

Das volle Programm im domradio und auf domradio.de!

Adventskalender

Mit domradio.de durch den Advent: Jeden Tag ein Impuls eines deutschen Bischofs und unser Popmusik-Adventskalender mit Diakon Manfred Müller aus Würzburg.

Die Bibel im Advent

domradio.de sucht Ihre Lieblingsbibelstelle!

Gewinnen Sie eine von Kardinal Woelki signierte Ausgabe der neuen Einheitsübersetzung.

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar

Gottesdienste live im WebTV

Die Termine der kommenden Übertragungen finden Sie unter Gottesdienst & Gebet oder wenn Sie oben auf „Web TV“ klicken.

Zum Herunterladen als PDF:
Die kommenden Übertragungen