Weihbischof em. Franz Grave am domradio-Mikrophon
Weihbischof em. Franz Grave am domradio-Mikrophon

02.12.2007

Gedanken zum Advent: ADVENIAT-Bischof Grave, Bistum Essen "Eine Zeit der Umkehr"

Die diesjährige ADVENIAT-Aktion in Mainz setze einen besonderen Akzent, sagt Bischof Grave. "Im Zentrum der Aktion steht das Problem der Inkulturation der indigenen Bevölkerung, das ist ein ganz wichtiges Anliegen", so der ADVENIAT-Bischof. Für ihn sei der Advent eine besondere Zeit. "Es ist die Zeit der Umkehr, der Öffnung, des Aufbruchs und die Kultivierung einer großen Hoffnung auf das Kommen des Herrn."

Zur PersonEr ist ein "Kind des Ruhrgebiets", kennt die Probleme der Region, den "Menschenschlag" sehr genau. Seine Ernennung zum Weihbischof am 31. März 1988 wurde deshalb vom damaligen Essener Bischof Franz Hengsbach auch als "eine besonders gute Wahl" bezeichnet. Mit Franz Grave war nicht nur erstmals ein gebürtiger Essener, sondern zugleich ein engagierter Streiter für die katholische Soziallehre ins Bischofsamt berufen worden. Am Sonntag, 25. November, vollendet Weihbischof Grave sein 75. Lebensjahr.Seine Kaplansjahre hat Grave in Duisburg-Beek verbracht. Die Erfahrungen dort hätten ihn sehr geprägt, meinte er einmal rückblickend. Die Sorgen und Nöte der Menschen sind ihm seitdem ebenso vertraut wie die schon damals spürbaren Strukturprobleme seiner industriellen Heimat. Die Verkündigung des Evangeliums ist für ihn daher stets untrennbar mit dem Auftrag verbunden, die Welt aus christlicher Verantwortung zu gestalten.Schon als Diözesanpräses der Kolpingsfamilien im Bistum Essen (1966 bis 1971) und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (1979 bis 1982) ging es ihm immer darum, die katholische Soziallehre im Alltag umzusetzen. "Was können wir konkret für die Menschen tun?" fragt er immer wieder. Folgenlose theoretische Diskussionen mag er darum ebensowenig wie überflüssige Sitzungen.1970 übertrug ihm Bischof Hengsbach die Leitung des Seelsorgeamtes im Bischöflichen Generalvikariat. Von Anfang an machte Grave deutlich, dass Seelsorge und der Dienst der Laien keine Gegensätze sind. Gemeinsam mit dem Diözesanrat, deren Geistlicher Assistent er über zwei Jahrzehnte war, brachte er zahlreiche Initiativen auf den Weg. So zum Beispiel die bundesweit beachteten Aktionen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und die Hilfen für benachteiligte Jugendliche.Mit dem Namen des Weihbischofs eng verbunden ist auch der vom Ruhrbistum herausgegebene Adventskalender, der inzwischen eine Auflage von über 18,5 Millionen Exemplaren erreicht hat. Auch die Initiativen zum Schutz des Sonntags sowie in der Familienpastoral tragen seine Handschrift.Am 3. Mai 1988 empfing Franz Grave im Essener Dom die Bischofsweihe, nachdem ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Tingaria/Mauretanien und Weihbischof in Essen ernannt hatte. Vier Jahre später, nach dem Tod von Kardinal Franz Hengsbach, wählte ihn die Deutsche Bischofskonferenz zum Vorsitzenden der Bischöflichen Aktion Adveniat, dem Hilfswerk der katholischen Kirche für Lateinamerika. Seitdem hat er die Sorgen und Probleme der ärmsten Länder der Welt noch stärker im Blick. Nie versäumt er es, von der Verantwortung in der Einen Welt zu sprechen und mahnt immer wieder an, dass die "Option für die Armen" keine Worthülse bleiben darf. Für Papst Johannes Paul II. ein Grund mehr, Grave am 21. Juni 1999 zum Mitglied in die Päpstliche Kommission für Lateinamerika zu berufen. Zwei Jahre später, 2001, wurde ihm von der katholischen Universität "Nuestra Senora Reina de la Paz" in Tegucigalpa/Honduras die Ehrendoktorwürde im Fachbereich "Pastoraltheologie" verliehen.1993 ernannte Ruhrbischof Dr. Hubert Luthe ihn zum Bischofsvikar für weltkirchliche und gesellschaftliche Aufgaben. Grave weiß, dass die Kirche im Konzert der Meinungen nur gehört wird, wenn ihre Aussagen fundiert sind. Umso stärker sucht er das Gespräch mit den Verantwortlichen in Unternehmen, Gewerkschaften und Verbänden. Berührungsängste kennt er dabei nicht. "Die Kirchen wollen nicht Politik machen, aber Politik möglich machen", sagt er immer wieder.Eine "Herzenssache" ist ihm vor diesem Hintergrund das 1997 veröffentlichte gemeinsame Wort der evangelischen und katholischen Kirche zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, an dessen Formulierung er maßgeblich beteiligt war. Für ihn ist es die originäre Aufgabe der Kirche, daran zu erinnern, dass der Mensch im Wirtschaftsprozess Vorrang haben muss. Er weiß, dass die Kirche nicht den Sachverstand der Sozialpartner ersetzen kann. "Sie kann aber geschützte Räume zur Verfügung stellen, in denen ein offener, redlicher Meinungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Interessenvertretern gepflegt werden kann", ist er überzeugt.Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass ihm die "wachsenden Verständigungsschwierigkeiten", wie er es nennt, Sorgen bereiten. Denn für die Lösung der derzeitigen Probleme, mahnt Grave, sei ein breiter gesellschaftlicher Konsens dringend notwendig.Auch nach seinem 75. Lebensjahr wird der begeisterte Bergsteiger, Ski-Langläufer und Schalke-04-Anhänger die seelsorglichen und sozialen Probleme nicht aus dem Blick verlieren. Sobald Papst Benedikt XVI. das vorgeschriebene Rücktrittsgesuch des Essener Weihbischofs angenommen hat - Grave rechnet damit im Frühjahr 2008 - wird er als "einfacher Priester" in einer Gemeinde des Ruhrbistums mitarbeiten. Seine Meinung und sein Rat werden weiter gefragt sein.(Ulrich Lota / Bistum Essen)

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