Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 bei seinem Deutschlandbesuch
Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996 bei seinem Deutschlandbesuch
Trubel um Heiligsprechung von Johannes Paul II.
Trubel rund um Heiligsprechung

27.10.2021

Zu schnelle Heiligsprechung von Johannes Paul II.? "Er hat Fehler gemacht"

Noch seien nicht alle Bedenken ausgeräumt. Papst Johannes Paul II. ist nach Ansicht des polnischen Priesters und Anti-Missbrauchsaktivisten Tadeusz Isakowicz-Zaleski zu schnell von der katholischen Kirche heiliggesprochen worden.

Würde das Seligsprechungsverfahren für das ehemalige Kirchenoberhaupt erst heute beginnen, müssten viele Fragen beantwortet werden, sagte er im Interview der Zeitung "Rzeczpospolita" (Mittwoch). Doch diese Fragen "bleiben heute ohne Antwort", weil der Heiligsprechungsprozess abgeschlossen sei.

Johannes Paul II. (1978-2005) war laut Isakowicz-Zaleski eine "große Persönlichkeit und ein heiliger Mensch": "Daran habe ich keinen Zweifel - aber er hat Fehler gemacht; und hier stellt sich die Frage, ob er wirklich von seiner unmittelbaren Umgebung manipuliert wurde oder ob er selbst diese Dinge verziehen und keine Maßnahmen ergriffen hat."

Vielleicht habe es daran gelegen, dass der polnische Papst die letzten fünf Jahre vor seinen Tod schwer krank und nicht mehr in der Lage gewesen sei, solche Entscheidungen zu treffen.

Knapp neun Jahre nach dem Tod schon heiliggesprochen

Er sei sicher, dass Johannes Paul II. keine Missbrauchstäter gedeckt habe, so der Priester. Der damalige Papst sei eine so wichtige Gestalt in der Geschichte Polens und der Welt, dass "alle Bedenken schnellstmöglich geklärt werden" müssten.

So schnell wie Johannes Paul II. wurde in der jüngeren Kirchengeschichte kein anderer zur Ehre der Altäre erhoben. Benedikt XVI. (2005-2013) ließ das Seligsprechungsverfahren für seinen Vorgänger nur knapp drei Monate nach dessen Tod eröffnen und sprach ihn am 1. Mai 2011 selig. Papst Franziskus erhob Johannes Paul II. dann am 27. April 2014 zum Heiligen, keine neun Jahre nach seinem Tod.

Kritiker werfen Johannes Paul II. unter anderem vor, vor der Ernennung Theodore McCarricks (91) zum Erzbischof der US-Hauptstadt Washington im November 2000 die Anschuldigungen gegen ihn nicht ausreichend geprüft zu haben. Wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen wurde McCarrick 2018 aus dem Kardinalsstand und 2019 aus dem Klerikerstand entlassen.

(KNA)

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