Papst Franziskus winkt nach dem Angelusgebet am Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz der Menge zu.
Papst Franziskus winkt nach dem Angelusgebet am Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz der Menge zu.

18.07.2021

Papst betet Angelus-Gebet wieder auf Petersplatz Solidarität mit Flutopfern

Es war das erste sonntägliche Mittagsgebet auf dem Petersplatz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Dabei sprach Papst Franziskus den Opfern der Überschwemmungen in dieser Woche sein Mitgefühl aus und forderte ein Ende der Gewalt in Südafrika.

Gott möge die Toten aufnehmen, die Hinterbliebenen trösten und alle Hilfskräfte stärken, sagte Franziskus.

Bereits am Freitag hatte das Kirchenoberhaupt in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Betroffenen seine Solidarität und Anteilnahme ausgedrückt. Er sei in Gedanken bei den vielen Helfern und Einsatzkräften, dass Gott ihnen beistehe und sie schütze.

Nach Starkregenfällen am Mittwoch wurden zahlreiche Regionen im Westen und Südwesten Deutschlands überflutet. Die Lage in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bleibt laut Medienberichten weiter angespannt. Ähnliches gilt für Teile Belgiens und der Niederlande.

Die Zahl der Toten in Deutschland wurde zuletzt mit 156 angegeben; zahlreiche Menschen werden noch vermisst. Zehntausende Haushalte sind ohne Strom, teilweise ohne Wasser. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, viele mehr mussten evakuiert werden. Am Wochenende kam es auch im Landkreis Berchtesgaden sowie im Salzburger Land zu Überschwemmungen.

Franziskus fordert Ende der Gewalt in Südafrika

Der Papst hat sich besorgt über die verbreiteten Gewalttaten in Südafrika geäußert. Diese verschlimmerten die Lage der Menschen, die infolge der Pandemie bereits unter wirtschaftlichen und gesundheitlichen Schwierigkeiten leiden, sagte Franziskus. Mit den Bischöfen des Landes appelliere er "an alle Beteiligten, sich für Frieden einzusetzen und mit den Behörden bei der Hilfe für die Bedürftigen zusammenzuarbeiten". Es war die erste öffentliche Ansprache des Papstes seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am Mittwoch.

In Südafrika waren bei Protesten und Plünderungen vergangene Woche über 210 Menschen gestorben. Beobachter sprechen von "historischer Gewalt" und den schlimmsten Ausschreitungen seit Beginn der Demokratie 1994. Die Anarchie folgte auf die Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma, den das Verfassungsgericht wegen Missachtung der Justiz zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt hatte. In mehreren Städten steckten Demonstranten Lastwagen, Zuckerrohrfelder und Einkaufszentren in Brand. In Durban und Johannesburg kam es nach Plünderungen zu Lebensmittel- und Benzinengpässen.

Die Kirchen in Südafrika haben den Internationalen Nelson-Mandela-Tag an diesem Sonntag zum "nationalen Tag des Gebets" erklärt. Dabei werde landesweit für Frieden und eine Rückkehr zur Normalität gebetet, kündigte der nationale Kirchenrat (SACC) an. Die Kirchen könnten "nicht still sein, während das Land blutet", hieß es. Am Gebetstag nehmen demnach neben Christen auch Vertreter von Islam und Judentum teil.

Urlaub dient laut Papst auch der "Ökologie des Herzens"

Franziskus lud die Gläubigen ein, die Urlaubszeit zu nutzen, sich nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zu erholen. Es gehe darum, Ruhe, Kontemplation und Mitgefühl wiederzufinden. Nur wer seelisch ausgeruht sei, könne auch Mitgefühl für andere entwickeln.

Mit Verweis auf die Sonntaglesung, in der Jesus seine Jünger auffordert, sich von ihrem ersten Missionseinsatz auszuruhen, warnte Franziskus vor reinem Effizienz-Denken. "Stoppen wir die frenetische Eile, die unsere Tagesabläufe diktiert. Lernen wir innezuhalten, das Handy auszuschalten, Menschen in die Augen zu schauen, die Stille zu kultivieren, die Natur zu betrachten, im Dialog mit Gott zu regenerieren."

Eine "'Ökologie des Herzens', bestehend aus Ruhe, Kontemplation und Mitgefühl", sei nur erreichbar, wenn das Herz sich "nicht in sich selbst und den zu erledigenden Dingen" verfängt, sondern andere Menschen, ihre Wunden und ihre Bedürfnisse wahrnimmt. "Mitgefühl wird aus Kontemplation geboren", so der Papst.

(KNA)

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