Wiedereröffnung Vatikanische Museen
Wiedereröffnung Vatikanische Museen
Vatikanische Museen nun auch virtuell
Vatikanische Museen nun auch virtuell

23.01.2021

Vatikanische Museen wollen öffnen - Infektionslage kritisch "Orange Zone" in Latium gefährdet Wiedereröffnung im Februar

Die Direktorin der Vatikanischen Museen will nach monatelangem Corona-Lockdown ab 1. Februar wieder Besucher empfangen. Doch die italienische Regierung könnte das Vorhaben zunichtemachen.

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise lässt die Direktorin der Vatikanischen Museen mit einem ambitionierten Plan aufhorchen: Der weltberühmte Touristenmagnet soll nach monatelanger Schließung wieder öffnen - und zwar schon ab dem 1. Februar. So kündigte es die Italienerin Barbara Jatta dieser Tage bei einer Online-Konferenz an.

Zwar habe man den Lockdown für Restaurierungsarbeiten und neue virtuelle Angebote nutzen können, berichtete die Kunsthistorikerin. Aber der "wesentliche Teil" fehle. "Es wäre sehr schön, wenn wir unsere Sammlungen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich machen könnten."

Wiedereröffnung in Regionen mit geringem Ansteckungsrisiko

Bei der Expertenrunde zu "Krise und Wiedergeburt der Museen" war auch Italiens Kulturminister Dario Franceschini mit dabei. Er zeigte sich offen dafür, die Kunstschätze des Landes von den Corona-Notstandsregeln auszunehmen. Er werde sich für eine Wiedereröffnung in Regionen mit geringem Ansteckungsrisiko einsetzen, versprach der Politiker.

Und tatsächlich: Dank des neuesten Regierungsdekrets dürfen Museen und Ausstellungen in den sogenannten gelben Zonen seit dieser Woche wieder Besucher empfangen. Gilt das auch für die päpstlichen Sammlungen mitsamt dem Weltenrichter Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle? Die Antwort lautet: Jein. Die Vatikanischen
Museen liegen im Herzen Roms, doch auf dem Kleinstaat-Territorium gelten eigene Regeln. Theoretisch könnte Jatta mit Rückendeckung des Vatikan-Governatorats selbst entscheiden.

Herbe Enttäuschung für Vatikanische Museen droht

Von einem Alleingang hält die Direktorin allerdings nichts. Sie werde die Tore nur öffnen, "wenn die Bedingungen es zulassen", versicherte sie. Ausschlaggebend seien in erster Linie die Beschlüsse der italienischen Regierung. Genau die könnten nun die vatikanischen Pläne für den Februar zunichte machen. Seit kurzem wird die Region Latium mit der Hauptstadt Rom als orange Zone mit erhöhtem Risiko eingestuft. Um dies zu ändern, müsste die Corona-Reproduktionszahl dauerhaft unter die kritische Marke von 1,0 gedrückt werden. Ob das bis zum Monatsende gelingt, ist fraglich.

Falls nicht, wäre es für die Vatikanischen Museen eine herbe Enttäuschung. Zumal längst nicht alle Angestellten mit den Lockdown-Regeln einverstanden sind. Sie bangen um ihre Jobs. Bereits im Herbst klagte Jatta: "Wir haben hier mehr als 1.000 Mitarbeiter, die ihre Familien ernähren müssen." Doch weil Papst Franziskus zugesichert habe, Entlassungen zu vermeiden, handhabe man die Situation in seinem Sinn. Wenn es nach ihr ginge, wären Besuche bedenkenlos möglich.

12,5 Millionen Euro pro Monat fehlen

In der Tat haben sich die 58-Jährige und ihre Mitstreiter einiges einfallen lassen, um die Museen nach dem ersten Lockdown so gut wie möglich gegen das Virus zu wappnen: Fieberdetektoren an mehreren Stellen, Desinfektionsmittel, Maskenpflicht und Abstandsgebot sollten sichere Stunden in den Ausstellungsräumen garantieren. Hinzu kam ein ausgeklügeltes Online-Reservierungssystem, das es ermöglichte, Gäste in Kleingruppen - ohne Gedränge - durchs weitläufige Gebäude zu lotsen.

Im Juni begann man so, zaghaft wieder Gäste zu empfangen. Es kamen einige Tausend pro Monat - lediglich ein Bruchteil dessen, was vor der Pandemie üblich war. Selbst das ist seit November wieder verboten. Für den Vatikan bedeutet die anhaltende Schließung nicht zuletzt ein beträchtliches finanzielles Problem. Die Zeitung "La Repubblica" hat ausgerechnet, dass die Museen vor Corona durchschnittlich Ticketeinnahmen in Höhe von 12,5 Millionen Euro pro Monat generierten. Dieses Geld fehlt derzeit komplett in den ohnehin klammen Kassen des Heiligen Stuhls.

Wiedereröffnung in Florenz

Angesichts all der Schwierigkeiten dürfte Jatta neidisch auf die Konkurrenz in Florenz blicken: Dort hat Uffizien-Direktor Eike Schmidt nach überstandener Corona-Infektion freie Bahn für die Wiedereröffnung. Die Toskana ist als gelbe Zone mit geringerer Ansteckungsrate ausgewiesen. Für den Deutschen ist der Neustart "ein Signal der Hoffnung" - wenngleich nicht ohne Risiko. "Aber es ist ein Risiko, das es wert ist, eingegangen zu werden", sagte Schmidt jüngst in einem Interview. "Denn Kunst ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit."

Alexander Pitz
(KNA)

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