Darstellung des Ersten Vatikanischen Konzils aus dem Buch "History of the Church", circa 1880
Darstellung des Ersten Vatikanischen Konzils aus dem Buch "History of the Church", circa 1880
Abbildung des Ersten Vatikanischen Konzils
Abbildung des Ersten Vatikanischen Konzils

08.12.2019

Vor 150 Jahren begann das Erste Vatikanische Konzil Erklärung päpstlicher Unfehlbarkeit und Absage an "Zeitirrtümer"

Es gehörte zu den kürzesten und zugleich einschneidendsten Konzilien der Kirchengeschichte. Vor 150 Jahren verurteilte das Erste Vatikanum die wichtigsten "Zeitirrtümer" und schrieb zugleich den Primat des Papstes fest.

Es war die bis dahin größte Kirchenversammlung aller Zeiten. 774 Kardinäle und Bischöfe der Weltkirche nahmen am Ersten Vatikanischen Konzil teil, das am 8. Dezember 1869, vor 150 Jahren, eröffnet wurde. Schon nach acht Monaten wurde das nach römischer Zählung 20. Ökumenische Konzil wegen politischer Wirren auf unbestimmte Zeit vertagt - und nie wieder zusammengerufen.

Über 300 Jahre, seit Trient (1545-1563), hatte kein Allgemeines Konzil mehr getagt. Es sollte die katholische Welt zu einer machtvollen "Manifestation der Wahrheit" versammeln, die kirchliche Disziplin den veränderten Zeitverhältnissen anpassen und angesichts der "Irrtümer der Zeit" die kirchliche Lehre neu bekräftigen. Bereits 1864 hatte Pius IX., der sich nach einem vergleichsweise liberalen Beginn seiner Amtszeit zunehmend von "der Welt" abgrenzte, im sogenannten Syllabus errorum diese "Irrtümer" zusammengefasst und verurteilt.

Die Akustik war miserabel

Schon vor dem Konzil spitzten sich nun die Spannungen zu, als publik wurde, dass dort die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen verkündet werden solle, notfalls durch Akklamation, also ohne förmliche Abstimmung. In Deutschland war der angesehene Theologe Ignaz von Döllinger (1799-1890) Wortführer im Kampf gegen dieses Ziel.

Das Konzil tagte im rechten Querhaus des Petersdoms, das durch eine bemalte, Marmor vortäuschende Holzwand abgetrennt war. Die Akustik war miserabel. Praktisch nur die jüngeren Konzilsväter konnten den meist in schleppendem Kirchenlatein vorgetragenen Interventionen problemlos folgen. Erstmals wurden - wie im noch jungen parlamentarischen Geschäft - stenografische Protokolle angefertigt. Anders als bei früheren Konzilien waren die Vertreter der wichtigen politischen Mächte nicht eingeladen; wohl aber die Patriarchen der von Rom getrennten Ostkirchen - die allerdings fernblieben.

Entscheidungen zu Lehr- und Moralfragen

Vor dem Konzil waren 51 Entwürfe für Dekrete erarbeitet worden; zur Beratung und Abstimmung kamen aber nur 2. In der dritten Sitzung wurde im April 1870 die dogmatische Konstitution "Dei filius" über die Lehre von Schöpfung und Glaubensakt sowie über das Verhältnis von menschlicher Vernunft und göttlicher Offenbarung verabschiedet. Auch verurteilte das Konzil Atheismus, Materialismus, Pantheismus, Rationalismus und Traditionalismus.

Die Behandlung des zweiten Teils über die Dreifaltigkeit sowie über Erschaffung, Fall und Erlösung des Menschen wurde auf Drängen vieler Konzilsväter verschoben. Denn mit zu viel Spannung erwarteten sie die Debatte über den Papstprimat - also über den Papst als höchste Rechtsgewalt (Jurisdiktionsprimat) und als höchste Lehrvollmacht, wenn er Entscheidungen zu Lehr- und Moralfragen "ex cathedra" als unfehlbar verkündet. Eine beachtliche Minderheit, darunter 15 der 20 deutschen Bischöfe, äußerte Bedenken. Eine solche Definition würde dem Missbrauch des kirchlichen Lehramts Tür und Tor öffnen, so der Tenor.

Mit Hilfe von Kerzenleuchtern verlesen

In der Vorbereitungssitzung stimmten von 601 anwesenden Konzilsvätern 451 mit Ja, 88 mit Nein; 62 verlangten Änderungen. Nachdem ein letzter Vermittlungsversuch der Kritiker bei Pius IX. gescheitert war, reisten 57 von ihnen vorzeitig ab - um nicht in Anwesenheit des Papstes gegen die Dogmatisierung stimmen zu müssen. So erhielt die Konstitution "Pastor aeternus" bei der Verabschiedung am 18. Juli 1870 lediglich zwei Gegenstimmen. Ehrenhaft und treu - oder feige?

Während der Sitzung ging ein schreckliches Unwetter mit Blitz und Donner über Rom nieder. Ein Zeichen vom Himmel? In der Basilika war es mitten im Juli so dunkel, dass der Text der Konstitution nur mit Hilfe von Kerzenleuchtern verlesen werden konnte. Kardinäle und Bischöfe waren durchnässt, der Boden der Aula lehmverschmiert.

Ankerpunkt der Weltkirche

Und das Drama ging weiter: Tags darauf, am 19. Juli 1870, begann der Deutsch-Französische Krieg. Die meisten Bischöfe reisten ab, das Konzil wurde unterbrochen. Napoleon III. zog seine zum Schutz des Papstes in Rom gelassenen Truppen ab. Am 20. September wurde Rom von den piemontesischen Truppen eingenommen; der Kirchenstaat hörte auf zu bestehen. Schließlich vertagte Pius IX. das Konzil "sine die" - also auf unbestimmte Zeit.

Einer nach dem anderen akzeptierten auch die kritischen deutschen Bischöfe die Entscheidung des Konzils. Trotz des gleichzeitigen Verlusts seiner weltlichen Macht ging das Papsttum aus dem Konzil gestärkt hervor. Rom wurde mehr und mehr zum Ankerpunkt der Weltkirche.

Der Entscheidung zugunsten der päpstlichen Unfehlbarkeit folgte aber auch ein Exodus vieler Intellektueller. Aus dieser Protesthaltung entstand im deutschsprachigen Raum die von Rom abgelöste Altkatholische Kirche. Übrigens hat nur ein Papst seither von einer Ex-cathedra-Entscheidung Gebrauch gemacht: Pius XII., als er 1950 das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel verkündete. Kritische Katholiken fragen gleichwohl: War es das Zerwürfnis mit der Aufklärung wert?

Johannes Schidelko und Alexander Brüggemann
(KNA)

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