Papst Franziskus und Synodenteilnehmer in der Synodenaula zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode
Papst Franziskus und Synodenteilnehmer in der Synodenaula zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode

27.10.2019

Papst kündigt konkrete Reformen für Amazonas-Seelsorge an Keine Furcht vor eigenem Ritus

Papst Franziskus hat eine Reihe konkreter Reformen zur Stärkung der Seelsorge angekündigt. So schließt er einen eigenen kirchlichen Ritus für das Amazonasgebiet nicht aus und rief die Synodenteilnehmer auf, keine Furcht davor zu haben.

In seiner Abschlussrede nach der dreiwöchigen Amazonas-Synode sagte Papst Franziskus am Samstagabend im Vatikan, die Synode habe gezeigt, dass einiges reformiert werden müsse. So müsse die Verteilung der Priester innerhalb der Länder Lateinamerikas gerechter gestaltet werden, damit auch bisher unterversorgte Gebiete seelsorgerisch besser betreut würden.

Unter dem Applaus der Synodalen kündigte der Papst an, dass demnächst alle künftigen Vatikan-Diplomaten mindestens ein Jahr in einem Missionsgebiet als Seelsorger eingesetzt würden. Eine weitere Neuerung werde die Schaffung spezieller Priesterseminare für Ureinwohner sein.

Keine Furcht vor amazonischem Ritus

Der Papst rief die Synodenteilnehmer auf, keine Furcht vor der Entwicklung eines eigenen kirchlichen Ritus für das Amazonasgebiet zu haben. Viele der heute in der katholischen Kirche bestehenden 23 Sonderriten seien aus kleinen kirchlichen Zellen entstanden und hätten heute teilweise erhebliche Eigenständigkeit, ohne dass dies die Einheit der Kirche gefährde.

Kreativität forderte Franziskus auch bei der Entwicklung neuer kirchlicher Dienstämter in den Amazonas-Gemeinden für Männer und Frauen. Viele hätten immer noch nicht begriffen, welch fundamentale Rolle Frauen in der Kirche hätten.

Kritik an katholischen "Eliten"

Zum Thema einer möglichen Öffnung des Diakonenamts kündigte der Papst eine personelle Neuaufstellung der von ihm eingesetzten Kommission und ihre Anbindung an die Römische Glaubenskongregation an.

Weiterhin kritisierte Papst Franziskus eine verengte Sicht katholischer "Eliten" auf formale Fragen. Manche meinten, auf der Seite Gottes zu stehen, weil sie nicht den Mut hätten, auf der Seite von Menschen zu sein, so der Papst mit einem Zitat des Dichters Charles Peguy (1873-1914). Die Synodenteilnehmer dürften sich nicht zu Gefangenen einer kleinen Gruppe machen lassen, die auf Einzelaspekte statt auf die große Diagnose schaue, sagte er.

Verweis auf Greta Thunberg

Mit Bezug auf die ökologischen Themen der Synode lobte der Papst vor den rund 280 Synodenteilnehmern den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. als einen Pionier des Umweltgedankens und verwies auch auf Greta Thunberg. Die jungen Menschen erinnerten mit ihren Klimaprotesten daran, dass ihnen die Zukunft gehöre, so der Papst.

Franziskus kündigte an, eine eigene Sektion für die Amazonasregion innerhalb der Behörde für Entwicklungs- und Menschenrechtsfragen einzurichten.

(KNA)

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