Geplünderter Schuhladen östlich von Johannesburg
Geplünderter Schuhladen östlich von Johannesburg
Kardinal Peter Turkson
Kardinal Peter Turkson

06.09.2019

Vatikan will gegen Fremdenfeindlichkeit in Südafrika vorgehen Gegen Nigerianer: zerstörte Läden und Tote in Johannesburg

Der Vatikan will sich gegen die grassierende Fremdenfeindlichkeit in Südafrika engagieren. Man werde mit den Bischöfen des Landes sprechen, was sie tun können, um Menschen von solchen "primitiven" Gewaltakten abzubringen.

Seit mehreren Wochen kommt es in Südafrika zu Übergriffen auf ausländische Lkw-Fahrer. Zu Wochenbeginn erreichte die Gewaltwelle ihren vorläufigen Höhepunkt, als Täter in Pretoria und Johannesburg Dutzende Läden von Migranten plünderten, in Brand steckten und ganze Bezirke der Wirtschaftszentren Zeitungsberichten zufolge in "Kriegsgebiete" verwandelten. Mindestens fünf Menschen starben in dem Chaos. Mehr als 300 Personen wurden festgenommen.

Unterdessen setzen Südafrikas Politiker einiges aufs Spiel: Sie riskieren durch ihre Untätigkeit nicht nur eine Wiederholung der Gewalt, sondern darüber hinaus eine nachhaltige Isolation vom Rest des Kontinents.

Auch Mosambik betroffen

Der Aufschrei aus Afrika war in den vergangenen Tagen laut und deutlich. Die Afrikanische Union (AU) verurteilte die Aggression gegen "Bürger befreundeter afrikanischer Staaten". Nigeria, Ruanda und Malawi sagten ihre Teilnahme am "Weltwirtschaftsforum für Afrika" ab, das derzeit in Kapstadt stattfindet. Sambia boykottiert aus Protest ein für kommendes Wochenende geplantes Fußballturnier gegen Südafrika. Nigerias Regierung kündigte an, einen Sonderbeobachter nach Südafrika zu schicken, der mit Staatspräsident Cyril Ramaphosa über die aktuelle Lage sprechen solle.

In einigen Ländern kam es unterdessen zu Racheangriffen. In Mosambik äußerten südafrikanische Pilger Sorge, nachdem wütende Bürger südafrikanische Lkws an der Grenze blockiert hatten. In Nigeria zündeten Erzürnte eine Filiale des südafrikanischen Mobilfunkanbieters MTN an. Dort soll laut der Onlinezeitung "Premium Times" auch die südafrikanische Supermarktkette Shoprite attackiert worden sein; ihre Filialen blieben am Mittwoch geschlossen.

Nicht die erste fremdenfeindliche Gewaltwelle

Der ghanaische Kurienkardinal Peter Turkson macht sich laut Medienberichten vom Freitag für eine kirchliche Front gegen Hass und Gewalt in Südafrika stark. Priester und Bischöfe sollten den Südafrikanern klarmachen, dass die Welt heutzutage "brüderlicher und vereinter ist als je zuvor".

Bereits in der Vergangenheit hatten Südafrikaner vor allem in den Townships des Landes ihre ausländischen Nachbarn beschuldigt, Arbeitsplätze wegzunehmen und die Armut anzuheizen. 2008 war es zum bisher schlimmsten Gewaltausbruch gegen afrikanische und asiatische Immigranten gekommen. Damals massakrierten frustrierte Slum-Bewohner innerhalb weniger Wochen mehr als 60 Menschen. Die Armee hätte die Situation unter Kontrolle bringen müssen.

"Südafrikas Behörden können nicht behaupten, sie hätten diese zügellose Gewalt nicht kommen sehen. Seit vielen Jahren werden Flüchtlinge, Asylsuchende und Migranten aufgrund ihres Status und ihres Aussehens verfolgt", sagt Shenilla Mohamed, Direktorin von Amnesty International Südafrika. Sie wirft den Politikern des Landes vor, den Zorn auf Ausländer zu schüren.

Die Kehrseite der Regenbogennation

Zuletzt sorgte etwa Johannesburgs Bürgermeister Herman Mashaba mit ausländerfeindlichen Aussagen für Aufsehen. Auch traditionelle Anführer wie der Zulu-König Goodwill Zwelithini äußerten sich in der Vergangenheit gegen Immigranten. "In ihrem verzweifelten Versuch, politisch zu punkten, müssen Südafrikas Politiker aufhören, Fremdenhass zu verbreiten", appellierte Mohamed. Die Aktivistin rief die Verantwortlichen auf, die Täter nicht länger "straffrei" davonkommen zu lassen. Von Ramaphosas Regierung fordert sie einen "Sicherheitsplan", um Migranten besser zu schützen.

Das südafrikanische Forschungszentrum für Gewalt und Versöhnung (CSVR) warnt, der Ausländerhass schade auch Südafrikas eigener Entwicklung. "Fremde werden als Sündenböcke herangezogen, um von echten Problemen abzulenken - wie schlechte Regierungsleistungen, Arbeitslosigkeit, Gewalt, Armut und die Unfähigkeit der Regierung, ihre Versprechen einzulösen."

Südafrika ist seit Jahrzehnten das beliebteste Migrationsziel des Kontinents. Vor allem nach der demokratischen Öffnung im Jahr 1994 hofften viele Afrikaner auf ein besseres Leben in der "Regenbogennation". Nach Angaben der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) lebten 2017 mehr als vier Millionen Migranten am Kap.

(KNA)

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