Gerhard Ludwig Kardinal Müller
Gerhard Ludwig Kardinal Müller

18.07.2019

Kardinal Müller kritisiert Vorbereitung der Amazonas-Synode "Dahinter steht eine falsche Lehre"

Im Herbst beraten Bischöfe auf einer Sondersynode, wie es im Amazonasgebiet mit der Kirche vor Ort weitergehen soll. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, ein Arbeitspapier steht. Kardinal Müller kritisiert nun, es enthalte eine "falsche Lehre".

Der ehemalige Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat die Vorbereitung der Amazonas-Synode im Herbst im Vatikan kritisiert. In einem am Donnerstag von der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" veröffentlichten Autorenbeitrag warf Müller dem Vorbereitungsdokument zur Synode schwere theologische Mängel vor.

Eine "falsche Lehre"?

Es enthalte sogar eine "falsche Lehre", wenn behauptet werde, dass ein bestimmtes Territorium "Quelle für die Offenbarung Gottes" sei. Seit 2.000 Jahren lehre die katholische Kirche unfehlbar, dass die Heilige Schrift und die Apostolische Tradition bleibende einzige Quellen der Offenbarung seien.

Die hinter dem Vorbereitungsdokument stehende "Theologia indigena" und die "Ökotheologie" hält Müller für eine "Kopfgeburt von Sozialromantikern". Nach seiner Ansicht handelt es sich dabei um die "vergebliche Anstrengung, das Christentum durch die Sakralisierung des Kosmos und der biodiversen Natur und die Ökologie zu einer Heilswissenschaft zu machen".

Zugleich fehle es in dem Text an einem "klaren Bekenntnis zur Selbstmitteilung Gottes" in seinem Fleisch gewordenen Wort Jesus Christus sowie zur Sakramentalität der Kirche, so Müller, der bis Juli 2017 Präfekt der römischen Glaubenskongregation war.

"Die Autoren zitierten am häufigsten sich selbst"

Die Vorbereitungsgruppe besteht nach Einschätzung des Kardinals aus einer "geschlossenen Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten", in der "überproportional viele meist deutschsprachige Europäer" vertreten seien. Nicht alle von ihnen hätten Südamerika-Erfahrung "und gehören nur dazu, weil sie auf Linie sind". Sie bestimmten zugleich die Themen des "synodalen Wegs" der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK.

Nach Müllers Überzeugung herrscht in diesem Kreis ein hohes Maß an Selbstreferenzialität. Die Autoren zitierten am häufigsten sich selbst sowie die neuesten Dokumente von Papst Franziskus. Der Kardinal bezeichnet dies als "Schmeichelei" gegenüber dem aktuellen Amtsinhaber. Darüber hinaus gebe es nur wenige Hinweise auf die beiden Vorgängerpäpste sowie auf die Bibel und die Kirchenväter.

Papst Franziskus hat für den Oktober Bischöfe und andere Kirchenvertreter zur Amazonas-Synode in den Vatikan gerufen. Sie soll über neue Formen von Seelsorge in Gebieten mit wenigen Priestern beraten, die Rechte von Indigenen stärken und die ökologische Situation der arten- und rohstoffreichen Urwaldregion in Lateinamerika in den Blick nehmen.

(KNA)

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