Ein Jahr der Veränderungen im Vatikan?
Kuppel des Petersdoms vor dunklem Himmel

24.11.2018

Vatikan gibt Details zu Missbrauchsgipfel im Vatikan bekannt Bischofstreffen mit Opfern und externen Experten

Bislang war das vom Papst für Februar einberufene weltweite Bischofstreffen zu Missbrauch ein eher nebulöses Vorhaben. Nun zeichnen sich die Konturen des Projektes deutlicher ab. Und es wird klar: Die Einsätze sind hoch.

Hoch waren die Erwartungen ohnehin. Doch seitdem der Vatikan vor knapp zwei Wochen dem Zug, den die US-Bischöfe zur Aufarbeitung von Missbrauch aufs Gleis setzen wollten, einen Bremsklotz vor die Räder warf, sind die Erwartungen noch einmal gestiegen. Was kann, soll, muss herausgekommen, wenn sich vom 21. bis 24. Februar die Spitzen sämtlicher Bischofskonferenzen, Kurienchefs und Spitzenvertreter der Orden im Vatikan treffen, um über Missbrauch in der Kirche zu sprechen? Über die Aufarbeitung solcher Verbrechen und ihre etwaige Vertuschung, aber auch über einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Kirche.

Seit Freitag beginnen sich die Konturen des bislang einmaligen Projektes abzuzeichnen. So gab der Vatikan bekannt, wer das Treffen wesentlich vorbereiten soll: einmal die Kardinäle Blase Cupich von Chicago sowie Oswald Gracias von Bombay; beide sind enge Vertraute von Franziskus. Hinzu kommen der Chefaufklärer des Papstes, Erzbischof Charles Scicluna von Malta, und der deutsche Psychologe Hans Zollner, Jesuit, Leiter des Kinderschutzzentrums an der Universität Gregioriana sowie Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Diese ist an der Vorbereitung ebenso beteiligt wie Opfer von Missbrauch.

Kulturelle Unterschiede

Cupich kommt aus einer Bischofskonferenz, die einerseits gebeutelt ist von den Folgen ihres eigenen Versagens. Andererseits ist sie sehr weit, was Präventionsmaßnahmen betrifft, steht aber nun unter Druck, was die Aufarbeitung von Vertuschung betrifft. Gracias hingegen weiß um die Bedeutung des Missbrauchsskandals, kommt aber auch aus einem Teil der Weltkirche und einer Kultur, in der offener Umgang mit Sexualität, Hierarchie und Kritik an Autoritäten noch ungewohnt sind. Solche kulturell-kirchlichen Ungleichheiten machen den für Februar geplanten offen-brüderlichen Austausch nicht einfacher.

Maltas Erzbischof Charles Scicluna war es, der im Frühjahr nach Chile reiste, mit einem über 2.000 Seiten starken Bericht zur Missbrauchskrise zurückkam und damit auch den Papst in dessen Einschätzung des Problems bekehrte. Zudem war Scicluna schon seit 2002 an der Glaubenskongregation tätig gewesen und befasste sich dort mit Fällen sexuellen Missbrauchs. Mitte November holte Franziskus ihn dorthin zurück, indem er ihn zum beigeordneten Sekretär der Kongregation ernannte.

Experte Hans Zollner

Der Jesuit Hans Zollner schließlich ist seit Jahren in der Weltkirche unterwegs, um über Kinderschutz und Missbrauch aufzuklären. So haben er und sein Team am Kinderschutzzentrum Fortbildungen entwickelt. Der ruhig-sachliche Bayer ist Kontaktperson des Vorbereitungskomitees. In einem Interview mit dem Portal "Vatican News" (Freitag) bezeichnete Zollner den Gipfel im Februar als "sehr wichtig" für die Kirche. An alle Teilnehmer werden Fragebögen verschickt. Dann wird eine Dokumentation erstellt. Die Debatte solle "möglichst frei und fruchtbar" sein, so Zollner.

Das Treffen werde etwas von einer Synode haben, entsprechende Erfahrungen nutzen, sei aber keine Synode, erläuterte Scicluna in einem Gespräch mit dem katholischen US-Magazin "America". So soll es Plenarsitzungen geben, nach Sprachen geordnete Kleingruppen mit Arbeitsaufträgen, Anhörungen externer Fachleute sowie Betroffener. So wäre denkbar, dass Bischöfe, die sich bislang wenig oder gar nicht mit dem Thema befasst haben, Opfern von Missbrauch und deren Angehörigen zuhören müssen, reuigen Tätern, Juristen, Psychologen.

Papst selber nimmt auch teil

Der Papst selber wolle an allen Arbeitssitzungen teilnehmen. Und da für ihn der Umgang mit Missbrauch auch eine geistliche Dimension hat, gehörten Gebet und Gottesdienst dazu. "Es wird einen Bußgottesdienst geben", betonte Scicluna, "und daran nehmen auch Opfer von Missbrauch teil."

Um Details einer Reform des Kirchenrechts werde es im Februar eher nicht gehen, meint Scicluna. Er erwartet aber "einen wichtigen Anstoß" für einen Prozess, "der tatsächlich zu einer Reform im Kirchenrecht führt". Schließlich sei der Gipfel im Februar der Anfang eines größeren und langfristigen Prozesses, der dann regional unterschiedlich weitergehen müsse. Dann werden nicht nur die US-Bischöfe ihren Zug weiterfahren lassen können - und müssen.

(KNA)

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