Mgr Alain de Raemy, Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg
Mgr Alain de Raemy, Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg
Schlussdokument der Jugendsynode
Schlussdokument der Jugendsynode
Jugendliche Synodenteilnehmer am 5. Oktober 2018 im Vatikan bei der 15. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode
Jugendliche Synodenteilnehmer am 5. Oktober 2018 im Vatikan bei der 15. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode

28.10.2018

Schweizer Jugendbischof zum Ergebnis der Synode Streitpunkt Homosexualität

Der Umgang mit homosexuellen Menschen in der Kirche war ein großes Konfliktthema bei der Jugendsynode. Ein Aufruf zu Achtung und zur Seelsorge hat es in das Abschlussdokument geschafft. Dazu im Interview, der Schweizer Jugendbischof Alain de Raemy.

DOMRADIO.DE: Rund ein viertel der Synodenväter hat gegen den Absatz zur Homosexualität gestimmt, so viele wie bei keinem anderen Punkt. - Wie stehen Sie dazu?

Alain de Raemy (Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Schweizer Jugendbischof): Je nach Kultur kann ich das verstehen. In manchen Kulturen ist es noch unverständlich, dass man überhaupt positiv über Homosexualität redet. Mancherorts ist das noch eine Anomalie, vor der man die Jugend schützen will. Das sind teilweise Länder, in denen nicht nur die Kultur, sondern auch die Medien und der Staat das Thema Homosexualität als schlecht und böse erachten.

DOMRADIO.DE: Wie stehen Sie dazu, dass dieser neue Umgang mit dem Thema nun seinen Weg in ein offizielles Vatikandokument gefunden hat?

De Raemy: Die Haltung ist nicht neu. Was neu ist, dass man die Jugendlichen fördert. Was an einigen Orten schon passiert, an Begleitung von jungen Frauen und Männern, die sich als homosexuell entdecken. Man muss ihnen fürsorglich beistehen und ihnen zu verstehen geben, dass das nichts an ihrem Christsein ändert. Dass sie eine Rolle in der Kirche spielen dürfen und müssen. Dass sie ihren christlichen Auftrag in der Welt genauso haben, wie alle anderen. – Das wurde bis jetzt nie so ausdrücklich gesagt, dass man sich dafür einsetzen muss, dass der homosexuelle Mensch wirklich sein Christsein erleben kann.

DOMRADIO.DE: In dem Zusammenhang ist auch die Gender-Theorie ins Abschlussdokument der Synode eingeflossen.

De Raemy: Im Dokument steht: Einerseits ist die menschliche Natur von Natur aus Mann und Frau. Das ist eine Botschaft, die uns der Glaube, aber auch die Natur, gibt. Andererseits sagt das Dokument in der gleichen Zeile: Genau so wichtig ist es nicht in Stereotypen zu verfallen. Kultur und Gewohnheiten geben uns vor, wie sich Mann und Frau zu verhalten haben. Das kann man nicht so stehen lassen, das ist nicht bestimmend für das Mann- und Frausein.

DOMRADIO.DE: Und, dass das nun im Synodendokument steht?

De Raemy: Das ist gut. Das ist die eigentliche Gender-Theorie. Das biologische Geschlecht ist nicht identisch mit dem, was die Kultur daraus macht. Das ist die Botschaft.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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