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14.10.2018

Tagung im Vatikan beleuchtet Konflikte der Konziliengeschichte Mehrheit und Minderheit bei Kirchenversammlungen

Bei einem Symposion im Vatikan beschwor Kardinal Walter Brandmüller die Bedeutung von Konzilien für die Glaubensüberlieferung. Die Geschichte der Konzilien erzählt aber auch von heftigen Konflikten und Dissens.

Als der kroatische Bischof Josip Strossmayer sich beim Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) gegen die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes wandte und gar eine Lanze für die Protestanten brach, wurde er von der Mehrheit der Konzilsväter niedergebrüllt. Die ehrwürdigen Bischöfe sprangen von ihren Sitzen, schrien "Luzifer!", "Er ist ein zweiter Luther!" und "Anathema!" ("Verflucht!"). Strossmayer wurde vom Pult weggerissen und konnte seine Rede nicht beenden. An diese Episode der Konzilsgeschichte erinnerte der Frankfurter Jesuit und Kirchenhistoriker Klaus Schatz bei der Konferenz "Konzil und Minderheit", die vom 10. bis zum 13. Oktober in Rom stattfand.

Abreise unter Protest

Man tagte in der Universität Santa Croce und am Sitz des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, dem Campo Santo Teutonico im Vatikan. Nur wenige Meter vom Campo Santo entfernt, in der Synodenaula, beraten derzeit die Bischöfe der Weltkirche friedlich über das Thema "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung". Die Historiker und Theologen der "Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung" sprachen indes über Kirchenversammlungen, bei denen es weitaus weniger ruhig zuging.

Das Erste Vatikanische Konzil endete im Eklat. Die Minderheit, immerhin etwa 20 Prozent der Konzilsväter, reiste unter Protest ab. Die übrigen Teilnehmer beschlossen am 18. Juli 1870 die Konstitution "Pastor aeternus", in dem sie das Unfehlbarkeitsdogma festschrieben. Die Minderheit, so erklärte der Historiker Schatz, hatte auf Kompromissvorschläge von der Gegenseite gehofft und erwartet, man werde sich an das althergebrachte Prinzip der "moralischen Einstimmigkeit" halten.

Überbetonte Einheitlichkeit

Offizielle kirchliche Darstellungen neigten dazu, Einheitlichkeit überzubetonen und Entscheidungsprozesse geschmeidiger darzustellen, als sie waren, betonte der Wiener Kirchenhistoriker Thomas Prügl zu Beginn der Tagung – dies sei ein Problem für die Konzilsgeschichtsforschung.

Die Zürcher Kirchenhistorikerin Sandra Leuenberger-Wenger erläuterte, wie sich beim Konzil von Chalcedon im Jahr 451 das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit änderte. Die vorhergehende Synode von Ephesus hatte die Lehre von den zwei Naturen Christi noch verurteilt. Doch in Chalcedon wurden die "Verlierer" von Ephesus zur Mehrheit. Nicht zuletzt der Einfluss kaiserlicher Beamter und die Drohungen der Gesandten des Papstes, vom Konzil abzureisen, brachten schließlich zahlreiche Bischöfe dazu, die Seiten zu wechseln und sich der Mehrheit anzuschließen.

Der "gesunde Teil"

Nicht immer endeten Konzilien nach einem Streit so einhellig. Der Berliner Professor für mittelalterliche Geschichte Johannes Helmrath erinnerte an das Konzil von Basel (begonnen 1431). Dort stritt man darüber, an welchem Ort über eine Wiedervereinigung mit der griechischen Kirche verhandelt werden sollte. Die Minderheit wurde schließlich überstimmt.

Man setzte die feierliche Zeremonie der Verlesung des entsprechenden Dekretes an. Doch weil die unterlegene Partei den Beschluss nicht akzeptierte, wurden parallel und synchron zwei entgegengesetzte Konzilsdekrete verlesen, und die beiden Parteien sangen, zeitlich versetzt, das Te Deum. Papst Eugen IV. verlegte das Konzil, und die Minderheit zog von Basel ab. Der Papst argumentierte: Die Minderheit bilde eben die sogenannte "sanior pars" des Konzils, den "gesunden Teil" also, und die Mehrheit sei nicht mehr wirklich das Konzil.

"Glauben der Väter"

Am Freitagabend sprach der betagte Kardinal Walter Brandmüller auf der Tagung, der die Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung 1973 als Professor mitbegründet hatte. Wer sich mit Konziliengeschichte beschäftige, so meinte der ehemalige Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft, dürfe sich nicht nur für politische, soziale oder kulturelle Aspekte interessieren, sondern müsse die Konzilien vor allem als "theologische Größe" wahrnehmen.

Konzilien hätten die Aufgabe, "Klärungen, Vertiefungen und Anwendungen" des Überlieferten zu formulieren. Das "eigentliche Wesen von Konzilien" sei es, den "Glauben der Väter" zu empfangen und "weiterzugeben". Dieses "eigentliche Wesen", so zeigte indes die Tagung, ist angesichts der heftigen Auseinandersetzungen und teils grotesken Austragung von Konflikten bei Konzilien nicht immer leicht zu erkennen.

Benjamin Leven
(KNA)

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