Gerichtsstreit um Kirchengebäude in Luxemburg
Missbrauchsopfer fordert universelle Rechtsstandards in der katholischen Kirche
Kardinal Donald Wuerl
Kardinal Donald Wuerl
Marie Collins, irisches Missbrauchsopfer
Marie Collins, irisches Missbrauchsopfer

31.08.2018

Missbrauchsskandal: Opfer fordert Gerichtsverfahren "Klar sagen, was getan wird"

Marie Collins, Ex-Mitglied der Vatikanischen Kinderschutzkommission, ruft den Papst dazu auf, das juristische Vorgehen gegen Bischöfe im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen zu klären. Unterdessen bittet Kardinal Wuerl im Bistum um Vergebung.

Der wegen des US-Missbrauchsskandals in die Kritik geratene Washingtoner Kardinal Donald Wuerl hat vor den Priestern seines Erzbistums eigene Fehler eingeräumt. In einem von der Bistumszeitung "Catholic Standard" (Donnerstag Ortszeit) veröffentlichten Brief bat er um "Vergebung für meine Fehleinschätzungen" und "meine Unzulänglichkeiten". Er empfinde Reue für jedes Leid, das er verursacht habe. Zudem bat er die Geistlichen, gemeinsam mit ihm "Wege der Heilung" zu suchen.

Wuerl: Antwort müsse am Altar beginnen

"Was auch immer unsere Antwort auf diese geistliche Krise sein mag, sie muss am Altar beginnen - und im Gebet", schrieb der Kardinal. Für die Gottesdienste an diesem Wochenende bat er seine Priester, den Gemeindemitgliedern mitzuteilen, dass er ihren Schmerz verstehe und teile. "Ich würde, wie alle von uns, alles geben, um die Uhr zurückzudrehen und die Kirche alles richtig machen zu lassen", so Wuerl. Für seine Sonntagsmesse (2. September) kündigte er Anregungen für eine Reform an, mit der die Kirche "in Verantwortlichkeit und Transparenz" in eine neue Ära eintrete könne.

Wuerl steht seit der Veröffentlichung eines Missbrauchsberichts der Generalstaatsanwaltschaft von Pennsylvania in der Kritik. In dem vor einigen Wochen veröffentlichten Dokument über Missbrauchsfälle und deren Vertuschung wird sein Name rund 200 Mal genannt. Vor seiner Ernennung zum Erzbischof der US-Hauptstadt war er 18 Jahre lang Bischof von Pittsburgh.

Collins: Glaubenskongregation blockiert

Noch immer sei die 2015 angekündigte eigene Gerichtssektion innerhalb der Glaubenskongregation nicht eingesetzt worden, kritisiert die 71-Jährige Marie Collins in einem Beitrag für den "National Catholic Reporter" (Freitag). Die Irin war als 13-Jährige von einem Priester missbraucht worden. 2014 berief sie Franziskus in die neue Kinderschutzkommission. Ihren Rücktritt begründete sie mit mangelnder Kooperationsbereitschaft der Kurie.

Bei seinem Besuch in Irland vergangenes Wochenende habe Franziskus auf ihre Frage nach der Gerichtsabteilung geantwortet, er halte dieses Vorgehen "aus kulturellen Gründen" für nicht umsetzbar, schrieb Collins. Sie forderte dagegen universelle Rechtsstandards für alle Führungspersonen der katholischen Kirche. "Alle Kinder sollten gleichermaßen wertgeschätzt werden." Ebenso forderte sie, Ergebnisse von Ermittlungen gegen Bischöfe konsequent öffentlich zu machen.

Der Papst ziehe jetzt offenbar getrennte oder örtliche Verfahren vor, um Bischöfe zur Rechenschaft zu ziehen, so die Irin weiter. "Aber ich frage mich: Was hat ihn seit 2015 umgestimmt?" Damals habe er dem von der Kinderschutzkommission empfohlenen Vorgehen zugestimmt und die Bereitstellung finanzieller und personeller Mittel angekündigt. Doch offenbar blockiere die Glaubenskongregation das Vorhaben.

"Der Bischof tat nichts, und der Priester machte weiter"

Collins erinnerte auch an die Aussage des Papstes vor Journalisten während des Rückflugs von Irland nach Rom, sie, Collins, sei "etwas fixiert" und "verstehe" nicht das jetzige Vorgehen. Dazu schrieb Collins, sie betrachte sich zwar nicht als "fixiert", wolle aber "diejenigen, die Täter geschützt haben, zur Rechenschaft gezogen sehen". Der Priester, der sie als Kind missbraucht habe, sei bald darauf gegenüber seinem Bischof als Täter entlarvt worden. "Aber der Bischof tat nichts, und der Priester machte die nächsten 30 Jahre damit weiter, kleine Mädchen in seinen Pfarreien zu vergewaltigen. Daher meine Entschiedenheit, dass Täter nicht geschützt werden dürfen."

In der Pressekonferenz habe Franziskus die Absicht geäußert, ihr bei einem Treffen Näheres zu dem Thema zu erläutern. In Irland sei dazu keine Zeit gewesen. Sie sei demnächst in Rom und würde sich über ein Gespräch freuen, so die Irin. Andernfalls hoffe sie auf eine Stellungnahme des Papstes an die Gläubigen. Franziskus müsse klar sagen, was getan werde, da so vielen weh tue, was heute in ihrer Kirche geschehe.

(KNA)

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