Stefan Oster bei der 12. Ministrantenwallfahrt
Stefan Oster bei der 12. Ministrantenwallfahrt
Ministranten aus Bayern grüßen den Papst
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Ministranten schwenken Tücher
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02.08.2018

Jugendbischof Oster zur Internationalen Ministrantenwallfahrt "Das wird hängenbleiben im Herz der Jugendlichen"

Am Freitag endet die 12. Internationale Ministrantenwallfahrt in Rom. Seit Montag sind unter dem Motto "Suche Frieden und jage ihm nach!" 60.000 junge Leute in der Ewigen Stadt. Die größte Gruppe stellt mit mehr als 50.000 Teilnehmern Deutschland.

KNA: Bischof Oster, Ihr Fazit zum Ende der Woche?

Stefan Oster (Deutscher Jugendbischof und Bischof von Passau): Für die allermeisten Jugendlichen war es ein großartiges Erlebnis, ein großes Fest des Glaubens und auch der internationalen Begegnung. Es ist sehr schön, dass Jugendliche aus 19 Ländern hier sind. Ganz viele von ihnen sind zum ersten Mal in Rom und natürlich auch überwältigt von der Schönheit der Stadt, den Sehenswürdigkeiten, auch den Kirchen. Ein Teil ist aber auch mal ans Meer gefahren, weil es doch sehr warm war.

KNA: Es gab noch einen anderen großen Programmpunkt, das Abendgebet mit Papst Franziskus am Dienstag ...

Oster: Da waren die Jugendlichen auf dem Petersplatz trotz der großen Hitze wirklich heldenhaft. Es war eine super Stimmung, und als der Papst kam, gab es natürlich großen Jubel. Das wird hängenbleiben im Herz der Jugendlichen. Ich bin auch sehr dankbar, dass nichts passiert ist, dass alles friedlich blieb. Es gab ein paar wenige, die unter der Hitze richtig gelitten haben. Aber insgesamt ein wunderbares Fest des Glaubens.

KNA: Warum haben Sie für die Wallfahrt das Motto "Suche Frieden und jage ihm nach!" gewählt?

Oster: Das Thema wurde in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Ministrantenbund CIM ausgesucht. Wir leben in einer Zeit, in der Friede nicht selbstverständlich ist, auch wenn das vielen in unserem Land so scheint. Wir spüren, dass wir uns für den Frieden, für die Demokratie einsetzen wollen und müssen. Da ist so ein internationales Fest des Glaubens ein guter Ansatzpunkt, um für den Frieden zu werben und den Jugendlichen bewusst zu machen, dass sie Friedensstifter sein können. Vor allem auch, wenn man den anderen, den Fremden, kennenlernen kann und ihn so als Bereicherung erfährt und nicht als Bedrohung. Das ist ein wunderschöner Beitrag für den Frieden in Europa.

KNA: Welche Rolle können dabei konkret die Ministranten spielen?

Oster: Friede im biblischen Sinn ist nicht etwas, das der Mensch von sich aus erzeugen kann. Als Gläubige spüren wir, dass wir auf einen Frieden Bezug nehmen dürfen, der uns schon geschenkt ist. Dass wir immer wieder dorthin zurückkehren müssen, auch in uns. Die Liturgie ist der herausragende Ort der Rückkehr ins Herz der Kirche, zu Christus, dem Friedensstifter schlechthin. Gerade auch die Liturgie und der Ministrantendienst können einen Beitrag dazu leisten, dass dieser Friede noch ein Stück tiefer, vielleicht wahrhaftiger wird.

Rein menschlicher Friede ist oft nur "Waffenstillstand" und daher immer wieder brüchig. Friede von Christus lebt aus Ihm, aus dem Versöhner schlechthin.

KNA: Werfen wir einen Blick auf die Zukunft. Im Herbst steht die Bischofssynode zur Jugend im Vatikan an. Was erhoffen Sie als Jugendbischof sich davon?

Oster: Ich spreche jetzt natürlich für die westeuropäische Sicht. Wir spüren, dass klassische Formen von Gläubigwerden aus den volkskirchlichen Traditionen nicht mehr so gut greifen – unter den Voraussetzungen dieser Gesellschaft, dieser Zeit mit ihrer Individualisierung, Digitalisierung, um sich greifendem Materialismus. Ich erhoffe mir, dass wir Wege finden, wie wir junge Menschen in den Glauben führen können, im Glauben wachsen lassen können, im Glauben begleiten können. Da haben wir keine selbstverständlichen Antworten mehr. Ich erhoffe mir ein neues Problembewusstsein und vielleicht auch praktische Beispiele, wie das gut gelingt.

KNA: Worauf kommt es dabei Ihrer Meinung nach besonders an?

Oster: Ganz wichtig wird immer sein, jungen Menschen unsere Freundschaft anzubieten, Weggemeinschaft mit ihnen zu sein. Das muss man aber auch können. Wir können nicht mehr sagen: "Wir haben schon die Antworten und jetzt fresst es", sondern wir müssen erst einmal verstehen lernen, welche Fragen junge Leute haben, ob sie überhaupt welche haben. Wir müssen so bei den Jugendlichen sein, dass sie auf die Fragen kommen, auf die sie dann aus dem Glauben heraus auch Antworten finden können.

KNA: Aktuell gibt es viele negative Schlagzeilen, Missbrauchsvorwürfe, die Austrittszahl ist hoch – was kann die Kirche dem entgegensetzen?

Oster: Wichtig sind drei Dinge vor Ort: Eine starke Gemeinschaftserfahrung, authentische Verkündigung statt einer verwässerten Form des Evangeliums und eine spürbare Atmosphäre geistlichen Lebens. Es geht nicht um "Humanismus der Nettigkeit", sondern um tatsächliche Herausforderung und Verwandlung, die Jesus und das Evangelium in unser Leben bringen. Wo Pfarreien, Einrichtungen, Bewegungen das hinbekommen, gibt es normalerweise auch Wachstum. Es hängt auch viel von einzelnen Personen ab. Natürlich ist es nicht leicht, solche Bedingungen zu finden und das Eigentliche wirkt ohnehin der Heilige Geist. Aber der liebt unsere Kooperation.

KNA: Sind Sie angesichts der Entwicklung in Sorge?

Oster: Auf einer politischen, gesellschaftlichen Ebene und mit Blick auf Europa: Ja. Denn wenn die Menschen nicht mehr an Jesus Christus glauben, glauben sie nicht nichts, sondern oft an allen möglichen Schmarrn. Das kann tatsächlich Gesellschaften zersetzen. Nicht zufällig sind viele funktionierende Demokratien auf dem Boden des Christentums entstanden. Insofern bin ich schon in Sorge. Aus meinem Glauben heraus hingegen nicht: Jesus hat die Kirche schon gerettet. Und wir gehören zu ihm, dem Retter.

Das Interview führte Stefanie Stahlhofen.

(KNA)

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