Eingerahmt: Papst Franziskus beim Friedenstreffen in Assisi
Papst Franziskus trifft sich mit Vertretern der Ostkirchen
Impressionen vom Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio
Friedensgebet in Bari

07.07.2018

Erzbischof Pizzaballa zum ökumenischen Treffen in Bari "Das Gebetstreffen wird im Nahen Osten nichts verändern"

An diesem Samstag trifft sich der Papst mit Führern von Ostkirchen – und betet mit ihnen auch für den Frieden in Nahost. Das Gebet allein aber werde nichts bringen, meint Erzbischof Pierbattista Pizzaballa im Interview.

KNA: Herr Erzbischof, welche konkreten Auswirkungen hat ein solches Gebetstreffen, wie es jetzt in Bari stattfindet?

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa (Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem): Ein Gebetstreffen hat keine konkreten, unmittelbaren Effekte. Ein Gebet produziert nichts. Ein Gebet führt zu einer Haltung, bringt Ideen, Visionen, einen Lebensstil; aber es bewirkt nichts Unmittelbares. Zwar gibt es auch Beratungen hinter verschlossenen Türen. Aber das Gebetstreffen wird im Nahen Osten nichts verändern.

KNA: Gar nichts? Sie sprachen doch gerade von veränderten Haltungen.

Pizzaballa: Haltungen unter uns, natürlich. Das Treffen wird aber die wichtigen politischen, sozialen und religiösen Fragen im ganzen Nahen Osten nicht lösen. Es wird keinen Frieden bringen.

KNA: Aber Sie beten doch um Frieden.

Pizzaballa: Wir beten. Aber der Frieden hängt von politischen Entscheidungen ab – und vielen anderen Aspekten. Es ist ein Moment, in dem die christlichen Gemeinschaften innehalten, um in dem ganzen Morast von Problemen Gott Raum zu geben. Außerdem gibt es uns Gelegenheit, genauer zu überlegen, wie wir in einer solchen Situation Kirche sein sollen.

KNA: Sie haben bereits an vielen solcher Gebetstreffen teilgenommen. Welche Veränderungen haben Sie hinterher bei den jeweiligen Teilnehmern wahrgenommen?

Pizzaballa: (lacht). Ja. Vor 2014, mit dem Aufkommen des "Islamischen Staates" (IS) und all dem gab es viel mehr eine Rhetorik des "Wir sind alle eins", Muslime und Christen, mit unserer Sprache und unserer Kultur. Seit 2014 wird offener und ehrlicher geredet als vorher.

KNA: Es gibt mehr Ehrlichkeit, weil sich die Lage verschlechtert hat?

Pizzaballa: Ja, das hat sich dramatisch verändert. Seit Aufkommen des IS – auch wenn der inzwischen politisch erledigt ist – können wir nicht mehr behaupten, zwischen Muslimen und Christen gebe es keine Probleme. Natürlich sind Christen nicht die ersten und nicht die einzigen Ziele von Gewalt. Aber wir können nicht behaupten, sie seien es gar nicht.

KNA: Vor einigen Jahren hat Papst Franziskus Schimon Peres und Mahmud Abbas in den Vatikan eingeladen – zu Gesprächen und Gebet. Sie pflanzten damals einen Ölbaum. Hat das etwas verändert?

Pizzaballa: Der Papst gab, wenn Sie so wollen, beiden Seiten eine Methode an die Hand, wie man auch agieren kann.

KNA: Welche Methode?

Pizzaballa: Wenn man will, ist es möglich, sich zu treffen und miteinander zu reden.

KNA: Aber der Lerneffekt war nicht allzu groß ...?

Pizzaballa: Nein. Noch einmal: Ein Gebet produziert nichts. Es bewirkt vielleicht langfristig etwas. Vom Nahen Osten gibt es nur Bilder von Zerstörung, Hass und Konflikten. Wir brauchen aber auch Bilder von Begegnungen. Das sind machtvolle Bilder; sie zeigen, dass auch anderes möglich ist. Und das wirkt.

KNA: Wie schwer ist es, die verschiedenen christlichen Oberhäupter zusammenzurufen? Immerhin gibt es unter ihnen lange Geschichten von Trennung, unterschiedliche Kulturen, Eifersüchteleien.

Pizzaballa: Viel einfacher als früher. Seit 2014 haben sich die Beziehungen zwischen den christlichen Gemeinschaften stark verbessert, sogar im Heiligen Land. Natürlich gibt es unterschiedliche Traditionen, aber die spielen eine viel geringere Rolle.

KNA: Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill kommt nicht nach Bari. Gibt es andere Oberhäupter, die Sie erwartet hätten, die aber nicht kommen?

Pizzaballa: Schwierig zu sagen. Das Treffen wurde relativ kurzfristig organisiert. Aber alle Kirchen des Nahen Ostens sind dabei, vertreten entweder durch ihr Oberhaupt oder einen Vertreter.

KNA: Sie werden in Bari die Eröffnungsrede halten. Was werden Sie sagen?

Pizzaballa: Den genauen Inhalt kann ich jetzt natürlich noch nicht verraten. Aber die wichtigste Frage ist, wie ich schon sagte: Wie kann man in einem solchen Kontext Kirche sein? Was ist unsere Berufung?

KNA: Was wären die beiden wichtigsten Punkte, mit denen Sie die Frage für Ihre Gemeinschaft der Lateinischen Katholiken beantworten?

Pizzaballa: Das Wichtigste ist, dass wir Kirche bleiben – und uns nicht irgendwelche politischen Strategien zu eigen machen. Wir müssen uns um unsere Gläubigen kümmern und ihnen immer wieder sagen, der biblischen Tradition treu zu bleiben. Außerdem sind wir zu allgemein-menschlicher Solidarität aufgefordert, nicht nur mit Christen.

Wir müssen die Wahrheit sagen, nicht nur schöne Worte der Hoffnung machen – sondern Dinge, die nicht gut sind, beim Namen nennen. Im politischen Kontext des Nahen Ostens verlangt das oft eine schwierige Balance zwischen Freimut und Diplomatie.

Von Roland Juchem

(KNA)

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