Fides et ratio: Sich zur Wahrheit emporschwingen
Fides et ratio: Sich zur Wahrheit emporschwingen
Papst Johannes Paul II. unterschreibt seine Enzyklika "Fides et ratio"
Papst Johannes Paul II. unterschreibt seine Enzyklika "Fides et ratio"

24.02.2018

Fachtagung zu 20 Jahren Papst-Rundschreiben "Fides et ratio" Mutige Flugversuche

Glaube und Vernunft als zwei Flügel, sich zur Wahrheit emporzuschwingen. An diese Aussage der Enzyklika "Fides et ratio" von 1998 erinnerten Theologen in Rom. Und daran, dass Antiintellektualismus antichristlich ist.

Wer in der katholischen Kirche Priester werden will, muss neben Theologie auch Philosophie studieren – so wie viele der Studenten, die am Freitag zu einem Studientag in die Aula der "Pontificia Universita San Tommaso d'Aquino" in Rom gekommen waren.

Theologisches Lebensthema Ratzingers

Die philosophische Fakultät der Dominikaner-Universität hatte zu einem Studientag über die Enzyklika "Fides et ratio" eingeladen, die vor 20 Jahren von Johannes Paul II. (1978-2005) veröffentlicht worden war. Zu den prominenten Referenten gehörten der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, sowie der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, der Schweizer Dominikaner Charles Morerod.

Glaube und Vernunft - Theologie und Philosophie - das war so etwas wie das theologische Lebensthema Joseph Ratzingers, der an der Entstehung des Lehrschreibens großen Anteil gehabt haben soll. Von Anfang an, so Morerod, seien die Christen überzeugt gewesen, dass die Philosophie für das Verständnis des christlichen Glaubens von Bedeutung sei.

Dabei verwies er auf Thomas von Aquin (1225-1274), jenen großen Theologen und Philosophen des Dominikanerordens. Für Thomas sei klar gewesen: Die Wahrheit des christlichen Glaubens geht über die Vernunft hinaus, kann aber niemals im Kontrast zu ihr stehen.

"Für den Glauben braucht man Philosophie"

"Wer über den Glauben nachdenkt, muss sich für Philosophie interessieren", so Morerod. Das merke er immer wieder in seiner Arbeit als Bischof. Wenn er Jugendliche treffe, würden sie ihm oft Fragen stellen, bei denen man ohne Philosophie nicht weiterkomme, etwa: "Wie kann ich an etwas glauben, das ich nicht sehe?" Da helfe es nicht, biblische Texte zu zitieren: "Das ist keine biblische Frage. Dafür braucht man Philosophie".

Auch Kardinal Müller betonte, wie wichtig es für Kirchenvertreter sei, rational argumentieren zu können. Philosophisches Argumentieren, "spekulative Theologie" und Dogmatik seien nicht zuletzt in der kirchlichen Ausbildung zentral, denn auch die Argumente gegen den Glauben würden philosophisch vorgetragen.

Angehende Priester und Religionslehrer müssten die intellektuellen Herausforderungen des Glaubens kennen und wissen, wie sie zu bewältigen seien. Einer rein praktischen Theologie, der es nur um "pastorale Techniken" gehe, erteilte Müller eine Absage.

Häufig fällt der Name Thomas von Aquin

Für Aufklärung und Religionskritik sei die Vernunft kein Mittel mehr, Gott zu erkennen. Der Glaube wiederum könne nur auf jene Dinge bezogen sein, die mit Vernunft nichts zu tun hätten. So werde in der Moderne der christliche Glaube in eine "Subkultur" abgedrängt.

Die Reaktion der Kirche darauf sei allzu oft "ostentativer Traditionalismus oder passiver Modernismus" gewesen. Für Müller ein Irrweg: "Wenn der Sohn Gottes der Logos ist, dann ist der Antiintellektualismus in der Kirche auch etwas Antichristliches". Doch welche Art von Philosophie eignet sich, um mit dem Glauben und seinen Wahrheiten in Dialog zu kommen?

Die Professoren der Dominikaneruniversität denken hier natürlich an Thomas von Aquin, dessen Name an diesem Tag häufig fällt – aber auch an ihre Großmutter. "Deine Großmutter hat gewusst, was die philosophischen Konzepte 'Substanz' und 'Person' bedeuten", erklärte der Dominikaner Bernhard Blankenhorn den verdutzten Studenten.

Prinzipien, die alle Menschen teilen

In der Enzyklika "Fides et ratio" spricht Johannes Paul II. von der "impliziten Philosophie" – von Prinzipien, die alle Menschen teilten, ob bewusst oder unbewusst. Hier kommt die Großmutter ins Spiel: Sie hat als jüngere Frau ein Kind geboren und sieht, wie es aufwächst und sich verändert. Doch bei all dem täglichen Wandel ist sie doch immer gewiss, dass ihr Kind ihr Kind bleibt. Sie weiß also, was Substanz und Person bedeuten.

Genauso gebe es hinter allem historischen und kulturellen Wandel der Ausdrucksformen absolute Wahrheiten, die immer und für jedermann gelten, so Blankenhorn. Einen solchen philosophischen Zugriff scheint zu brauchen, wer sich mit den Mitteln der Vernunft mit den Dingen des Glaubens beschäftigten will.

Glaube und Vernunft seien "wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt", hatte Johannes Paul II. vor 20 Jahren in "Fides et ratio" geschrieben. Die Studenten in der römischen Dominikaner-Universität sind zu mutigen Flugversuchen ermuntert worden.

Benjamin Leven

(KNA)

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