Brasilien: Bischöf prangern geplante Gesetzesänderungen zur Sklaverei an
Moderne Sklaverei
Weihbischof Ansgar Puff
Weihbischof Ansgar Puff

09.02.2018

Vatikan-Konferenz zu Menschenhandel "Moderne Sklaverei gibt es überall"

Menschenhandel ist wesentlich weiter verbreitet als bisher angenommen, auch in wohlhabenden Ländern. Das ist eines der Ergebnisse des Treffens der "Santa-Marta-Group" in Rom, beim dem auch der Kölner Weihbischof Ansgar Puff teilnahm.

Weltweit seien rund 42 Millionen Menschen davon betroffen, so der Vorsitzende der Gruppe, Kardinal Vincent Nichols, am Freitag in Rom. Zudem seien nahezu alle Länder sowohl Herkunfts- wie Zielorte von Menschenhandel. Um gegen dieses weltweite Verbrechen besser vorgehen zu können, brauche es regionale Kooperationen zwischen Behörden, Kirchen, Menschenrechtsgruppen und Unternehmen.

Puff: Konferenz mit klarer Botschaft

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff zeigte sich beeindruckt von den starken Netzwerken, die mit Hilfe der Santa Marta Group entstanden sind: "Von dieser Konferenz geht eine klare Botschaft aus: Um Menschenhandel wirksam zu verhindern und den Opfern zu helfen, müssen staatliche, kirchliche und zivilgesellschaftliche Akteure eng zusammenarbeiten – einer allein kann dieser Aufgabe nicht gerecht werden."

Zugleich erinnerte der Weihbischof an die Situation in Deutschland: "Auch in unserem Land fristen Menschen ein Dasein als Sklaven. Ich denke etwa an die Frauen, die inmitten unserer Gesellschaft sexuell ausgebeutet werden. Viele Zwangsprostituierte sind als Migrantinnen in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis gefangen. Oft sind es Ordensschwestern und kirchliche Sozialarbeiterinnen, die diesen entrechteten Frauen mit großer Empathie beistehen, ihnen ihre Würde zurückgeben und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben begleiten. Der Platz der Kirche ist an der Seite der Schutzlosen, Versklavten und Ausgebeuteten. Wir nehmen die Perspektive der Opfer ein und verleihen jenen eine Stimme, die allzu oft überhört werden. Unser Ziel muss nicht weniger als ein gesellschaftlicher Bewusstseinswandel sein: Kein Mensch darf als Ware oder Gebrauchsgegenstand betrachtet werden."

Bei der Gründungskonferenz der Santa Marta Group im April 2014 hatte Papst Franziskus die Weltgemeinschaft aufgerufen, durch "gemeinsame und effektive Strategien" dafür zu sorgen, dass "überall auf der Welt Männer und Frauen nicht mehr als Mittel zum Zweck missbraucht werden und ihre unantastbare Würde geschützt wird".

In einer Abschlusserklärung hatten sich die Teilnehmer dazu verpflichtet, sich in ihren Ländern und Organisationen für die Verwirklichung dieses Ziels einzusetzen. Wie bereits im Oktober 2016 konnten die Mitglieder der Santa Marta Group Papst Franziskus nun von Fortschritten und Herausforderungen bei der Bekämpfung des Menschenhandels berichten.

Ansprache des Papstes

In seiner Ansprache sagte der Papst: "Initiativen zur Bekämpfung des Menschenhandels, die konkret darauf abzielen, kriminelle Strukturen zu zerschlagen, müssen sich zunehmend mit umfassenderen Fragen befassen. Dazu zählen beispielsweise der verantwortungsvolle Einsatz von Technologien und Kommunikationsmedien, ganz zu schweigen von den ethischen Zusammenhängen der Modelle wirtschaftlichen Wachstums, die den Profit über die menschliche Person stellen." Papst Franziskus forderte eine bessere Unterstützung der Opfer moderner Sklaverei, die Wiedereingliederung in die Gesellschaft und die Rückgewinnung der Menschenwürde.

Im Geist der Barmherzigkeit umarmen wir alle Opfer des Menschenhandels und jene, die vor Krieg und Hunger fliehen.

— Papst Franziskus (@Pontifex_de) 8. Februar 2018

Im Rahmen der diesjährigen Konferenz wurde auch der "Internationale Tag des Gebets und der Reflexion gegen den Menschenhandel" mit einem Gottesdienst im Petersdom begangen.  Papst Franziskus hatte den neuen Weltgebetstag gegen Menschenhandel 2015 eingeführt und den Todestag der sudanesischen hl. Josephine Bakhita (8. Februar) als Datum bestimmt. Die 1868 geborene Bakhita wurde als junges Mädchen verschleppt und versklavt. Nach ihrer Befreiung ließ sie sich in Italien taufen und schloss sich dem Orden der Canossa-Schwestern an. 2000 sprach Papst Johannes Paul II. Josephine Bakhita heilig.

(KNA, DBK)

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