Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation
Gerhard Ludwig Müller wird 70

31.12.2017

Gerhard Ludwig Müller wird 70 Kardinal im Unruhestand

Sein 70. Lebensjahr war vielleicht eines seiner schwierigsten. Kardinal Gerhard Ludwig Müller vollendet es am 31. Dezember. Der frühere Leiter der römischen Glaubensbehörde gab zuletzt mehrere Interviews.

Bei kirchlichen Empfängen ist er schwer zu übersehen, selbst wenn etliche andere Kardinäle in Talar, roter Schärpe und Scheitelkäppchen zugegen sind. Gerhard Ludwig Müller ist 1,95 Meter groß. Zuletzt war er auch häufiger zu hören und zu lesen. Besonders nachdem Papst Franziskus Anfang Juli Müllers Amtszeit als Leiter der Glaubenskongregation nicht verlängert hat.

Was er denn jetzt mache, wurde der Kardinal damals gefragt. "Ich kann mich vor Einladungen aus der ganzen Welt nicht retten", antwortete er und war seither unter anderem in deutschen, italienischen wie amerikanischen Medien präsent. Die Themen, zu denen er sich äußerte: die Debatte um das Papstschreiben "Amoris laetitia", Spannungen in der Kurie und sein Ausscheiden als Behördenchef. Ob die Bemerkung des Papstes in der Weihnachtsansprache an die Kurie gegen «sanft entfernte» Mitarbeiter, die sich anschließend öffentlich beschweren, auch auf ihn gemünzt war? Gehört hat Müller sie; am Donnerstag war er in der Sala Clementina dabei.

Der Schein trügt

Gerhard Ludwig Müller wirkt kühl und zurückhaltend. Aber er brennt. Auch für die Sache des Papstes. 600 Seiten stark ist das Buch, das der frühere Dogmatikprofessor Anfang des Jahres über Amt und Auftrag des Papstes veröffentlicht hat. Darin findet sich der Satz: "Die höchste Verantwortung, die Gott einem Menschen auf Erden überträgt, ist die Mission des Bischofs von Rom." Die wiederum erklärt er ausführlich nicht nur in dem Buch, sondern auch in Interviews.

Der gebürtige Mainzer, Sohn einer sechsköpfigen Arbeiterfamilie, der bei Karl Lehmann über Dietrich Bonhoeffer promovierte, war von 1986 bis 2002 Professor für katholische Dogmatik in München. Dort unternahm er es noch einmal, eine komplette Abhandlung über die katholische Glaubenslehre zu schreiben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Ausnahme. 2016 erschien sie bereits in zehnter Auflage und ist auch auf Spanisch, Italienisch, Ungarisch und Chinesisch zu haben. Wie er darin das Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu begreifbar zu machen versucht, machte ihn für konservative Kräfte in der Kirche damals verdächtig.

Müller und die Befreiungstheologie

Ähnliches gilt für seine Freundschaft mit einem der Väter der Befreiungstheologie, dem Peruaner Gustavo Gutierrez. Ihn und das Land hat Müller immer wieder besucht. Seine Erfahrungen in der Seelsorge dort beschreibt er als lehrreich und bereichernd. Wohl deswegen mokierten sich manche in Rom, als 2012 Benedikt XVI. den Freund eines Befreiungstheologen vom Bischofsstuhl in Regensburg an die Spitze der Glaubenskongregation holte.

Zehn Jahre lang war Müller Bischof von Regensburg, lange Zeit in der Deutschen Bischofskonferenz führend für die Ökumene zuständig. In seiner Regensburger Zeit verschaffte Müller sich unter anderem durch Auseinandersetzungen mit Pfarrgemeinderäten und umstrittene Gremienreformen den Ruf eines Konservativen. Außerdem wurden in seiner Amtszeit Fälle von Misshandlungen und Missbrauch bei den weltberühmten Regensburger Domspatzen öffentlich. Unter Bischof Müller begann eine langwierige Aufarbeitung, die erst in diesem Jahr unter seinem Nachfolger Rudolf Voderholzer abgeschlossen wurde.

Zu groß für Schubladendenken

Dass Kardinal Müller im Herbst von traditionalistischen Kreisen in Rom eingeladen wurde, über die Wiederzulassung der alten lateinischen Messe zu sprechen, rückte ihn für manche in eine entsprechende Richtung. Dabei ist er selbst kein Anhänger dieses Ritus. Und auch in der teils polemischen Debatte um das Papstschreiben "Amoris laetitia" ließ Müller sich in keine Schublade stecken. Er verwahrte den Papst gegen jegliche Häresievorwürfe und betonte, das Dokument stehe in der Tradition des katholischen Lehramts.

Müller, der damals die Glaubensbehörde noch leitete, ist aber auch der Ansicht: "Wenn man auf die Glaubenskongregation gehört hätte, hätte man das Ziel besser erreicht und wäre besser gegen Einwände gewappnet gewesen." Auf seine Angebote, zwischen Kritikern und ihm zu vermitteln, ist Franziskus nicht eingegangen. Von daher bleibt der hochgewachsene Theologe vorerst ein Kardinal im Unruhestand ohne formales Amt.

Roland Juchem
(KNA)

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