Papst Paul VI.
Papst Paul VI. an seinem Schreibtisch

15.08.2017

Papst Paul VI. machte den Vatikan fit für die Weltkirche Die große Kurienreform von 1967

Frischen Wind in der Kirche - wünscht sich auch heute so mancher. Die Kurienreform Papst Pauls VI. vor 50 Jahren griff den Reformkurs des Zweiten Vatikanischen Konzils auf.

Mancher erwartet noch für dieses Jahr die neue Kurienordnung, das aufwendigste Reformprojekt von Papst Franziskus. Denn der Vatikan liebt es, neue Erlasse in die Tradition früherer Verlautbarungen zum Thema zu stellen. Zum 50. Mal jährt sich am Dienstag (15. August) die große Kurienreform Pauls VI., 2018 zum 30. Mal die etwas kleinere Revision Johannes Pauls II. von 1987. Auffallend ist, dass heute manches Argument und manche Kritik wieder auftauchen, die schon bei der Konstitution "Regimini ecclesiae" von 1967 eine Rolle spielten. Mit ihr sollte das "Aggiornamento" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in die Kirchenzentrale hineinkommen.

Paul VI., der 40 Jahre seines Lebens im Staatssekretariat verbracht hatte, kannte den Vatikan wie kein anderer. Mit seiner Reform - der zweiten großen Umstrukturierung der Kurie seit deren Grundlegung 1588 - schuf er neue Behörden und schaffte andere ab, die sich überlebt hatten. Er formulierte Aufgaben neu, machte das "Staats- oder Päpstliche Sekretariat" zu einer Koordinations- und Schaltstelle für die gesamte Kurie - womit er eine nachhaltige Effizienzsteigerung erreichte. Vor allem aber versuchte er einen mitunter selbstherrlich und autonom agierenden Leitungsapparat zu einem Dienstleister für die Weltkirche zu machen.

Altersgrenze von 75 Jahren

Dazu gehörte auch, dass er nicht nur römische Kardinäle, sondern auch Ortsbischöfe aus aller Welt in die Entscheidungsgremien berief. Weiter forcierte Paul VI. die Internationalisierung im Kardinalskollegium und in den Spitzenämtern des Vatikan. Ernennungen für diese Posten sprach er nur noch für fünf Jahre aus – mit der Möglichkeit einer weiteren Amtszeit; zudem führte er eine Altersgrenze von 75 Jahren ein.

Doch während die Riege der Kurienchefs bald international durchgemischt wurden, dominieren im Mittelbau, also auf der Referentenebene, bis heute die Italiener. Auch weil Diözesanbischöfe sich schwer taten und tun, fähige Jungkleriker für römische Dienste abzustellen. Zudem forderte das Reformdokument auch hier strengere Auswahlkriterien. Die Arbeit an der Kurie, so stellte Paul VI. klar, sei als Dienst und nicht als Beginn einer Karriere zu verstehen, die automatisch nur nach oben führe.

Förderung des Glaubens

Insgesamt gab es fortan neun Kongregationen, teils mit geänderten Namen. Das Heilige Offizium hatte Paul VI. bereits zwei Jahre zuvor zur "Kongregation für die Glaubenslehre" umbenannt. Statt auf Verbote, Abschreckung und Strafen sollte die Glaubenskongregation künftig stärker auf die Förderung des Glaubens setzen.

Besonders spannend war die Frage, wie der Papst mit den drei im Zuge der Konzilsvorbereitungen entstandenen sogenannten Sekretariaten umgehen würde: für die Einheit der Christen, für die Nicht-Christen und für die Nicht-Glaubenden; und wie mit dem "ad experimentum" errichteten Laienrat und der Studienkommission "Iustitia et pax" (Gerechtigkeit und Frieden). Bislang rangierten sie im Päpstlichen Jahrbuch ganz am Ende. Nun wurden sie als offizielle Organe des Heiligen Stuhls direkt hinter die Kongregationen und Gerichtshöfe gestellt.

Papst Franziskus leitet erneut eine Kurienreform ein

Die Instruktion sollte den Kurienbetrieb zeitgemäßer machen und alte Zöpfe einer höfischen Ära abschneiden. Zu verdanken war das dem energischen Durchgreifen leitender Kurialer, vor allem des ebenso bewunderten wie gefürchteten Innenministers Giovanni Benelli (1921-1982) - auch "Seine Effizienz" genannt. Nach einer gewissen Zeit sollte der Kurienbetrieb einer Revision unterzogen werden, hieß es in einer Klausel. Das tat Johannes Paul II. (1978-2005) gut 20 Jahre später am 29. Juni 1988 mit "Pastor bonus".

Papst Franziskus hat 25 Jahre danach erneut eine Kurienreform eingeleitet. Wie Paul VI., der die bitteren Klagen von Konzilsbischöfen über Reglementierungen seitens der Kurie aufgriff, reagierte Franziskus auf den Unmut der Kardinäle beim Vorkonklave 2013. Diese hatten Pannen wie "Vatileaks" oder die mediale Explosion um Piusbrüder oder Missbrauchsfälle einer mangelnden Koordination und Transparenz im Vatikanapparat angelastet.

Der Kurienkenner Paul VI. brauchte für sein Reformwerk vier Jahre. Franziskus, der vor seiner Papstwahl eher Distanz zum Vatikan hielt, dürfte länger brauchen. Freilich bieten sich für 2018 weitere, etwas unrunde Jubiläen an: die erste Kurienstruktur von 1588 und die erste Reform von Pius X. von 1908.

Johannes Schidelko
(KNA)

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