Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hält ein Kreuz in der Hand.
Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hält ein Kreuz in der Hand.
Präsident Maduro bei Papst Franziskus (Archiv)
Präsident Maduro bei Papst Franziskus (Archiv)

08.08.2017

Venezuelas Präsident legt sich mit dem Vatikan an Maduros neues Feindbild

Während sich die Kirche in Lateinamerika hinter die regierungskritischen Bischöfe Venezuelas stellt, attackiert der umstrittene sozialistische Staatschef Nicolas Maduro den Vatikan, insbesondere Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Für seine Abrechnung mit dem politischen Gegner wählt Venezuelas Präsident Nicolas Maduro gewöhnlich seine sonntägliche TV-Show. Meist vor einem handverlesenen Publikum feiert das sozialistische Staatsoberhaupt die eigenen Erfolge und attackiert die Feinde der Revolution. Vor allem die Vertreter der Venezolanischen Bischofskonferenz greift Maduro gern vor laufender Kamera an.

Inzwischen hat sich der langen Liste der Gegner ein weiterer prominenter Name hinzugesellt: Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Tiraden gegen die Kirche

Die Nummer Zwei des Vatikan kennt die Situation in Venezuela genau, war er doch lange Jahre Päpstlicher Nuntius in Caracas.

Für Parolin und die Bischöfe hatte sich Maduro diesmal ein anderes Forum für seine Verbalattacken ausgesucht: Ein Interview mit dem argentinischen Radio Rebelde aus dem Heimatland von Papst Franziskus bot den Rahmen für neuerliche Tiraden gegen die Kirche.

Vor allem dem Italiener machte Maduro in dieser Woche schwere Vorwürfe. "Leider ist er in die Hände der extremsten Gruppen an der Spitze der katholischen Kirche in Venezuela gefallen. Jener mit der Macht verbündeten Kreise, die unser Land zerstören wollen", sagte Maduro. Er reagierte damit auf die Vatikan-Forderung, die umstrittene Einberufung der Verfassunggebenden Versammlung zu stoppen.

"Aktivisten der Opposition"

"Man muss verstehen, dass es eine Sache ist, dass wir alle Katholiken sind, das Volk von Christus. Eine andere Sache ist der Weg von Papst Franziskus als Verteidiger der Völker mit seiner Demut. Und eine ganz andere Sache ist die Struktur des Sekretariats des Vatikan und der Bürokratie."

Die Venezolanischen Bischöfe, so Maduro im Interview mit Radio Rebelde, seien Aktivisten der Opposition. Der Präsident differenziert bewusst zwischen dem Vatikan, der Kirche in Venezuela und Papst Franziskus, den er offenbar auf seiner Seite wähnt.

Solidarität mit Venezolanischer Bischofskonferenz

Die Kirche in Lateinamerika stellt sich derweil hinter die gescholtenen Bischöfe Venezuelas. Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM veröffentlichte in diesen Tagen eine Solidaritätsadresse: Man habe die schwierige Situation der Venezolaner, die sich in einer tiefen wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krise voller Gewalt und Menschenrechtsverletzungen befänden, intensiv verfolgt, heißt es in dem Schreiben.

Vor dieser Realität bekräftige der Bischofsrat seine Solidarität und Unterstützung mit der Venezolanischen Bischofskonferenz, heißt es weiter. Der Bischofsrat ermuntere das venezolanische Volk, seinen Kampf für den Aufbau einer brüderlichen, solidarischen und friedlichen Nation auf friedlichem Wege fortzusetzen.

Vatikan als Vermittler?

Die jüngste Verschärfung des Tons zwischen Venezuela und dem Vatikan dämpft die Hoffnungen auf einen neuen Anlauf für eine Vermittlungstätigkeit des Heiligen Stuhls. Eine solche wird von einigen Ländern Lateinamerikas, aber auch Vertretern aus Europa ins Spiel gebracht. Ein erster Versuch über den Jahreswechsel scheiterte.

Parolin mahnte die Einhaltung der von der Regierung gegebenen Zusagen an und wurde anschließend erstmals zur Zielscheibe der sozialistischen Machthaber.

Massenproteste in Venezuela

Seit Wochen gibt es in Venezuela Massenproteste gegen die sozialistische Regierung, die Anfang April vergeblich versuchte, das von der Opposition dominierte Parlament auf juristischem Wege zu entmachten. Maduro regiert seit Jahren mit Hilfe von Sonderdekreten und Ausnahmezustand am Parlament vorbei. Seitdem sind keine Regional- und Kommunalwahlen mehr vorgenommen worden, obwohl diese längst überfällig sind.

Stattdessen ordnete Maduro im Mai die Einsetzung einer Verfassunggebenden Versammlung an, die nun begonnen hat, die Machtstruktur im Land neu zu ordnen. Die Opposition befürchtet die Errichtung einer sozialistischen Diktatur. Nach Angaben der Organisation "Foro Penal" wurden seit April mehr als 100 Menschen bei Protesten getötet.

Tobias Käufer
(KNA)

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