Papst Franziskus bei der Generalaudienz
Papst Franziskus bei der Generalaudienz

10.06.2017

Papst greift mit Gehorsamsforderung in Nigeria durch "Widerrechtliche Aneignung des Weinbergs des Herrn"

Auf scharfe Weise hat der Papst in einen Leitungsstreit im nigerianischen Bistum Ahiara eingegriffen. Nach seiner Einschätzung  gehe es nicht um einen ethnischen Konflikt, sondern um eine widerrechtliche "Aneignung des Weinbergs des Herrn".

Hintergrund des Streits war eine breite Opposition gegen den 2012 ernannten Bischof Peter Ebere Okpaleke (54). Franziskus verlangt nun von jedem der rund 70 Priester des Bistums eine persönliche Loyalitätserklärung. Wer nicht binnen 30 Tagen ein entsprechendes Schreiben an den Papst sende, werde suspendiert.

Am Donnerstag hatte Franziskus eine Delegation aus Ahiara empfangen, nachdem diese schon mit anderen Kurienstellen die Situation im Bistum erörtert hatte. Der Vatikan veröffentlichte die Aussagen des Papstes am Samstag.

Zerstörung der Kirche?

Franziskus sagte demnach, es gehe nach seiner Einschätzung nicht um einen ethnischen Konflikt, sondern um eine widerrechtliche "Aneignung des Weinbergs des Herrn". Wer sich der Amtsübernahme von Okpaleke widersetze, wolle "die Kirche zerstören". Als Papst könne er nicht gleichgültig bleiben.

"Jesus erinnert daran, dass derjenige, der Anstoß erregt, die Konsequenzen tragen muss", sagte Franziskus. Er spielte damit auf eine Stelle in den Evangelien an, nach der es für den Betreffenden besser wäre, "wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde" (Markus 9,42).

Todsünde

"Die Kirche ist Mutter, und wer sie verletzt, begeht eine Todsünde", sagte der Papst weiter. Er habe unter anderem erwogen, das gesamte Bistum Ahiara aufzulösen. Die widersetzlichen Priester bezeichnete er als "manipuliert, vielleicht auch aus dem Ausland und außerhalb der Diözese". Bischof Okpaleke habe in diesen Jahren eine "heilige Geduld" gezeigt. Er bewundere dessen Demut, sagte der Papst.

Von jedem Kleriker Ahiaras verlangte Franziskus eine an ihn adressierte schriftliche Bitte um Entschuldigung. Das Schreiben müsse «deutlich den völligen Gehorsam gegenüber dem Papst bekunden» und die Bereitschaft erklären, den von ihm ernannten Bischof zu akzeptieren. Für den Brief setzte Franziskus eine Absendefrist bis zum 9. Juli. Wer sich weigere, werde von den geistlichen Vollmachten suspendiert und verliere sein Amt.

Blockaden an der Kirche

Nach Medienberichten ging es bei dem Zwist in dem südnigerianischen Bistum darum, dass Kleriker und Gläubige aus dem Volk der Mbaise in Bischof Okpaleke einen Fremden sahen, der auf Betreiben des früheren Kurienkardinals Francis Arinze eingesetzt worden sei. Okpaleke und Arinze gehören zur Ethnie der Igbo.

Der Widerstand gegen Okpaleke ging den Berichten zufolge so weit, dass dessen Bischofsweihe ins Nachbarbistum Owerri verlegt werden musste. Junge Leute hätten ihn mit einer Blockade an der Besitzergreifung seiner Kathedrale in Ahiara gehindert. Franziskus setzte schließlich im Juli 2013 Abujas Kardinal John Onaiyekan übergangsweise als Bistumsverwalter ein.

(KNA)

Wort des Bischofs

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