Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller

27.05.2017

Kurienkardinal Müller Einigung mit Piusbrüdern "braucht Zeit"

Eine Einigung zwischen der traditionalistischen Piusbruderschaft und dem Vatikan ist laut Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller noch nicht in greifbarer Nähe. "Das braucht Zeit", sagte der Präfekt der römischen Glaubenskongregation dem katholischen Sender EWTN.

Nötig sei eine "tiefere Versöhnung, nicht nur die Unterzeichnung eines Dokuments". Wer katholisch sein wolle, müsse unter anderem die Konzilien und die übrige kirchliche Lehre sowie die "hierarchische Gemeinschaft mit dem Ortsbischof, der Gemeinschaft aller Bischöfe und dem Heiligen Vater" akzeptieren.

Zur Streitfrage der Liturgiereform im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sagte Müller, es sei seit jeher katholische Auffassung, dass der Papst und Synoden das Recht und die Pflicht hätten, die "äußere Form der Liturgie" neu zu gestalten. "Die Substanz der Liturgie ist durch die Offenbarung gegeben und kann von niemandem geändert werden", fügte er hinzu. Das Interview wurde am Donnerstag als Video im Internet veröffentlicht; am Samstag erschienen schriftliche Auszüge in Sozialen Netzwerken.

Kein Schritt zum Frauendiakonat

Mit Blick auf eine von Papst Franziskus eingesetzte Studienkommission zu Diakoninnen in der Kirchengeschichte sagte Müller, der Papst beziehe sich dabei nicht auf das dreistufige katholische Weiheamt von Diakon, Priester und Bischof. Es gehe um Frauen, die in der frühen Kirche etwa als Helferinnen bei der Taufe von Frauen oder in karitativen Aufgaben tätig gewesen seien.

Eine Diakoninnenweihe schloss der Kardinal als "unmöglich" aus. "Das wird nicht kommen", so Müller. Überdies sei dies auch nicht nötig. Heute seien Frauen in der Kirche in höheren Verantwortungspositionen als die Diakoninnen der Antike.

Offene Kritik am Papst

Ungewöhnlich offene Kritik übte der Kardinal an der angeblichen Entlassung von drei Mitarbeitern der Glaubenskongregation durch den Papst. Der Schritt war Ende 2016 bekanntgeworden und soll gegen den Willen Müllers erfolgt sein. Er sagte dazu im Interview, diese Geschichte sei wahr. Er wünsche sich "eine bessere Behandlung unserer Mitarbeiter beim Heiligen Stuhl". Man dürfe nicht nur über die Soziallehre reden, sondern müsse sie auch respektieren, so der Kardinal.

Müller rückte die Personalentscheidung in die Nähe eines "alten höfischen Gebarens", das Franziskus selbst kritisierte. Mitarbeiter könne man nur dann entlassen, wenn sie einen Fehler machten oder Voraussetzungen wie Rechtgläubigkeit, integre Lebensführung und Sachkompetenz nicht erfüllten.

Kritik an Bischöfen

Müller äußerte sich auch zur Ehelehre der Kirche. Er kritisierte den Deutungsanspruch von Bischöfen im Blick auf das Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie. Es sei nicht gut, wenn Bischofskonferenzen eine offizielle Interpretation des Papstes vorlegen wollten. "Das ist nicht katholisch", sagte er. Das Dokument müsse im Kontext der gesamten katholischen Tradition gelesen werden. Es gebe keine "zwei Lehrämter, eines vom Papst und ein anderes der Bischöfe".

Müller bezog sich auf die Diskussion, ob und inwieweit das im April 2016 veröffentlichte Schreiben "Amoris laetitia" wiederverheirateten Geschiedenen einen Weg für die Zulassung zur Kommunion eröffnet. Der Kardinal sagte dazu, es sei "absolut unmöglich", dass der Papst eine Lehre vorlege, die offen gegen die Worte Jesu stehe. Die katholische Position zur Ehe sei "absolut klar". Franziskus gehe es in seinem Schreiben darum, Menschen in einer problematischen Lebenssituation "als gute Pastoren zu dem Punkt zu führen, dass sie die christliche Lehre voll annehmen können".

Eine Zulassung zu den Sakramenten sei für wiederverheiratete Geschiedene nur unter der Bedingung geschlechtlicher Enthaltsamkeit möglich. Die Kirche könne jedoch nicht neben einer sakramental gültigen Ehe eine weitere Zivilehe anerkennen. "Wir akzeptieren keine Polygamie", so Müller.

(KNA)

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